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Weltraumschrott - Gefährliche Altlasten im All

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Müll im Weltall macht den Raumfahrtbehörden zunehmend Sorgen. Er gefährdet Satelliten und Astronauten. Und er stürzt auf die Erde. Deshalb soll er möglichst bald entsorgt werden.

Illustration Weltraumschrott
Wissenschaftler schätzen, dass etwa 750.000 Schrottteile, die größer als ein Zentimeter sind, um die Erde kreisen.
Quelle: ESA

Ein großes Stück Schrott hat einen Namen: "Tiangong-1". 2011 wurde die chinesische Station in Betrieb genommen. Seit 2016 kann sie niemand mehr steuern. Im Januar oder Februar 2018 wird sie deshalb unkontrolliert auf die Erde stürzen. Wann und wohin genau, weiß niemand. Und auch nicht, wie viel von der zwölf Meter langen Station beim Eintritt in die Atmosphäre verglüht. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) beschwichtigt: Viel wird wohl nicht übrig bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Rest über bewohntem Gebiet runtergeht, sei außerdem gering.

Unberechenbarer Mikromüll

Noch ist tatsächlich niemand auf der Erde von Weltraummüll erschlagen worden. Trotzdem wird das Problem ganz und gar nicht auf die leichte Schulter genommen. Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) schätzen, dass insgesamt etwa 750.000 Schrottteile, die größer als ein Zentimeter sind, um die Erde kreisen. Zusätzlich gibt es 150 Millionen Teilchen, die mehr als einen Millimeter messen. Erfasst und damit beobachtbar sind gerade mal 16.000 Teile, die meisten davon größer als zehn Zentimeter.

Mit denen kommen die Raumfahrtbehörden bisher klar. Ist so ein Stück Schrott auf Kollisionskurs, weichen Satelliten wie der europäische ENVISAT oder der deutsche Radarsatellit TerraSAR-X einfach aus - vom Boden aus ferngesteuert. Auch die internationale Raumstation ISS hat schon mehrere solcher Manöver durchgeführt. Unberechenbar ist dagegen der Mikro-Müll.


Sonnenflügel getroffen

Am 23. August 2016 bricht im Kontrollzentrum der ESA Hektik aus: Der Satellit Sentinel-1-A verliert plötzlich Energie. Sehr viel ist es zwar nicht, weil er aber außerdem leicht ins Schlingern gerät, wird akribisch nach der Ursache gesucht. Die ist bald gefunden: Ein wenige Millimeter großes Stück Müll hat den Sonnenflügel wohl mit einer Geschwindigkeit von 36.000 Kilometern in der Stunde durchschlagen und dabei beschädigt. "Solche sehr kleinen Objekte können wir vom Boden aus nicht orten", erklärt Holger Krag, bei der ESA zuständig für Weltraummüll. "Das geht normalerweise nur mit solchen, die größer als fünf Zentimeter sind."

Die Kollision im August 2016 ging glimpflich aus. Solche Unfälle könnten aber auch richtig teuer werden - nämlich dann, wenn kostspielige Erdbeobachtungssatelliten ausfallen oder etwa Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo. Bei der 7. "European Conference on Space Debris" im Mai 2017 in Darmstadt kamen die Teilnehmer deshalb zu dem Schluss, dass möglichst bald etwas geschehen muss.

Sentinel 1A - Vor und nach Beschädigung durch Weltraumschrott
Sentinel 1A: Vor und nach Beschädigung durch Weltraumschrott
Quelle: ESA

Im Fokus stehen dabei abgestoßene Raketenteile und Uralt-Satelliten. Neue werden in der Regel so konstruiert, dass sie einmal kontrolliert in der Atmosphäre zum Verglühen gebracht werden können. Von den alten schwirren dagegen Hunderte steuerlos im All herum.

ESA plant Weltraum-Müllabfuhr

Im Februar 2009 prallte der russische Schrott-Satellit "Cosmos 2251" mit voller Wucht auf den US-Satelliten "Iridium 33". Beide wurden völlig zerstört und produzierten dabei Tausende kleinster und damit unkontrollierbarer Schrottteile. Ein Weckruf für die Raumfahrtbehörden. "Das heißt, es müssen schnell die Möglichkeiten entwickelt werden, aktiv den Schrott zu entfernen", so Krag. Pro Jahr, so glaubt er, müssten zehn ausgediente Satelliten beseitigt werden, um weitere Kollisionen zu verhindern.

Für das Reinemachen im All will die ESA 2023 "e.deorbit" starten, ein automatisches Raumschiff, das alte Satelliten einfangen und auf einen Absturzkurs bringen kann. Die Europäer hätten damit die erste Weltraum-Müllabfuhr der Geschichte. Rein theoretisch könnten sie übrigens auch einfach abwarten, bis der Schrott alleine in Richtung Erde fällt und irgendwann verglüht. Das Problem dabei: Der meiste Müll kreist in einer Entfernung von 800 bis 900 Kilometern. Dort hat er eine Lebensdauer von 150 Jahren und länger. Zu lange, um darauf zu warten.

Tasche verloren

Anders sieht es dagegen im niedrigen Orbit aus, also zum Beispiel auf etwa 300 Kilometern, wo die ISS ihre Bahn zieht. 2008 hat dort eine Astronautin bei einem Außeneinsatz ihre Werkzeugtasche verloren. Nicht ganz ein Jahr lang kreiste diese um die Erde. Dann verglühte sie in der Atmosphäre - so wie insgesamt jährlich 60 bis 80 Tonnen Weltraummüll.

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