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Tag der humanitären Hilfe - "Die Hilfe ist in Gefahr"

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"Schlussendlich retten wir Leben", sagt eine Helferin im Jemen. Doch dafür riskiert sie - wie viele andere Helfer weltweit - ihr eigenes. Allein 2017 starben 179 humanitäre Helfer.

Freiwillige Helfer - Verletztes Mädchen in Mossul
Weltweit sind Tausende Kinder in Kriegs- und Krisengebieten auf die Hilfe von Organisationen angewiesen - wie dieses Mädchen in der irakischen Stadt Mossul. Quelle: dpa

Der kleine Sovannareach Roeun hat nur noch ein Bein. Ein Autounfall. Die Prothese hilft ihm, seinen Alltag zu bewältigen. Sovannareach aus Kambodscha kann also ähnlich wie andere Jungen auf der Welt heranwachsen - doch damit wächst er auch immer wieder aus seiner Prothese heraus. Zu Sovannareachs Glück und dem anderer Patienten im asiatischen Reha-Zentrum von Handicap International kümmert sich Sozialarbeiterin Davann um neue Prothesen.

Die Bezahlung: ein Lächeln

Zum Welttag der humanitären Hilfe rücken viele Organisationen den Einsatz ihrer Helfer weltweit in den Blick. Davann betont, dass die Arbeit faszinierend und sinnvoll sei. Sie ziehe viel Kraft aus dem Lächeln der Betreuten, auch wenn die Situation manchmal ausweglos erscheine. "Die Armut macht das Leben der Dorfbevölkerung sehr schwierig. Das kleinste Problem kann schon schwerwiegende Folgen haben."

Handicap International macht auf Herausforderungen für die Helfer aufmerksam. "Sie erleben oftmals Situationen, die schwer belasten: In Kriegsgebieten ist es die Angst, selbst verletzt oder gar getötet zu werden. Im Katastrophenfall ist es das Leid der Opfer, die Angehörige oder ihr Hab und Gut verloren haben. In verarmten Gebieten ist es die Hoffnungslosigkeit vieler, je ein menschenwürdiges Leben führen zu können."

2017 wurden 179 Helfer getötet

Der Tag der humanitären Hilfe wird jedes Jahr zum Gedenken an die Toten und Verletzten des Anschlages auf das UN-Hauptquartier in Bagdad am 19. August 2003 begangen. Damals wurden laut UNO-Flüchtlingshilfe 22 UN-Mitarbeiter getötet und über 100 verletzt. Im vergangenen Jahr bezahlten laut UNO-Flüchtlingshilfe 179 Helfer ihr Engagement mit dem Leben, 141 Mitarbeiter wurden entführt. SOS-Kinderdörfer beklagten, dass die Zahl der Toten die höchste seit 2013 sei. "Es gibt viele Helfer, die unter schwersten Bedingungen Großartiges leisten, aber deren Arbeit wird immer gefährlicher", so Sprecher Boris Breyer.

"Humanitäre Helfer leben mit einem hohen Risiko, besonders in Ländern mit bewaffneten Konflikten. Nach dem römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs gelten Angriffe auf humanitäre Helfer jedoch als Kriegsverbrechen", erklärt der Generalsekretär von Care Deutschland, Karl-Otto Zentel. Alle Konfliktparteien müssten sicherstellen, dass Helfer uneingeschränkten Zugang zu Notleidenden bekämen und nicht zum Angriffsziel würden.

Der Schauspieler und Unterstützer des Deutschen Roten Kreuzes, Ludwig Trepte, unterstreicht: "Ohne die Einhaltung des humanitären Völkerrechts ist es für die Helfer unmöglich, einen sicheren Zugang zur Zivilbevölkerung zu finden, die in einem Konflikt Hilfe braucht", sagte der Darsteller aus dem Kriegsdrama "Unsere Mütter, unsere Väter".

Schwierige Lage in Eritrea, Syrien, Jemen

Am schwierigsten sei die Hilfe laut der Nichtregierungsorganisation "acaps" in Eritrea, Syrien, Venezuela, der Zentralafrikanischen Republik und dem Jemen, wie Caritas international mitteilt. Mariam Aldogani arbeitet für die Kinderrechtsorganisation Save the Children in der jemenitischen Hafenstadt Hodeidah. "Als humanitäre Helferin ist es meine Aufgabe, geduldig zu sein, unter Druck zu funktionieren, mit Schwierigkeiten umgehen zu können und manchmal eben auch auf Zeit mit der Familie zu verzichten. Es stimmt, wir haben es hier nicht einfach, aber schlussendlich retten wir Leben", schildert sie ihre Arbeit.

Christoph Klitsch-Ott von Caritas international warnt mit Blick auf fehlende Rücksicht von Kriegsparteien: "Die Hilfe ist in Gefahr." Das gelte auch bei uns "um die Ecke" im Mittelmeer, prangert der entwicklungspolitische Dachverband Venro an. Seenotrettungsorganisationen dürften nicht mehr kriminalisiert und festgesetzt werden, sondern sollten ihre Arbeit wieder aufnehmen können. In einem Gastbeitrag der "Welt" kritisiert Seenotretter Julian Pahlke die Einstellung der Politiker - deren Meinung sei: "Wenn uns schon keine humane Lösung für die vielen Menschen in Not einfällt, bekämpfen wir eben die, die sich geografisch in unserer Nähe befinden: die Retterinnen und Retter."

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