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Welttag der Todesstrafe - Aug' um Aug': Zahlen, Staaten, Gegner

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2018 sind weniger Menschen hingerichtet worden. Während die Kritiker die Todesstrafe als grausam ansehen, preisen die Befürworter ihre abschreckende Wirkung. Eine Bestandsaufnahme.

Archiv: Blick in die Hinrichtungskammer des San Quentin Gefängnis, in der mit Injektion Urteile vollstreckt werden.
Der Welttag gegen die Todesstrafe findet am 10. Oktober 2019 statt.
Quelle: DPA

2003 rief die "World Coalition against Death Penalty" sowie Amnesty International den "Welttag der Todesstrafe" ins Leben. Dieser Tag soll als Mahnung dienen, endlich die Todesstrafe weltweit abzuschaffen. International ist die Ausübung der Todesstrafe im Strafrecht ethisch, rechtlich und moralisch umstritten.

Weniger Hinrichtungen

Der "Tod durch den Staat" hat viele Gegner, da die Strafe als unvereinbar mit den Menschenrechten gilt. Organisationen wie Amnesty International setzen sich deshalb für die Abschaffung ein. Ein Erfolg für die Menschenrechtsorganisation ist, dass die Zahl der Hinrichtungen 2018 merklich abgenommen hat. Im vergangenen Jahr sind laut Amnesty International mindestens 690 Menschen in mindestens 20 Ländern hingerichtet worden, rund ein Drittel weniger im Vergleich zu 2017 mit 993 Hinrichtungen.

Die Zahlen, die die Menschenrechtsorganisation nennt, sind nur die der dokumentierten Exekutionen. Wie viele tatsächlich hingerichtet wurden, wissen die Experten nicht. Iran, Saudi-Arabien, Vietnam und der Irak sind verantwortlich für 78 Prozent dieser dokumentierten Exekutionen.

Daneben schätzt Amnesty International, dass in China auch 2018 wieder Tausende hingerichtet wurden – mehr als im Rest der Welt zusammen. "Konkrete Zahlen gibt es zu China keine, denn die chinesischen Behörden haben groteskerweise irgendwann unsere Zahlen benutzt, um zu zeigen, dass sie weniger Menschen hinrichten. Dabei haben wir einfach nur von weniger Hinrichtungen Kenntnis erlangt", erklärt Alexander Bojčević von Amnesty International.

"Tod durch den Staat"

Nach der Volksrepublik kommt der Iran mit mindestens 253 dokumentierten Hinrichtungen, Saudi-Arabien mit mindestens 149, Vietnam mit mindestens 85 und der Irak mit mindestens 52 Exekutionen. Die Länder, die den "Tod durch den Staat" ausführen, berufen sich meist darauf, dass die Vollstreckung der Todesstrafe positive Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate hat.

"Die Todesstrafe ist nicht abschreckend, sondern demoralisierend und birgt somit gewaltfördernde Tendenzen.
Kriminologe Arthur Kreuzer

Warum sich dieser Mythos noch immer hartnäckig hält, ist laut dem Kriminologen Arthur Kreuzer unverständlich: "Die Todesstrafe ist nicht abschreckend, sondern demoralisierend und birgt somit gewaltfördernde Tendenzen." Kreuzer sieht die Gefahr sowohl im politischen Missbrauch, als auch im Vorhandensein von Fehlurteilen. "Jeder Mensch irrt, aber bei einer Exekution kann man im Nachgang entdeckte Fehler einfach nicht wieder gut machen", gibt er zu bedenken.

Fehler bei Todesurteilen

Die Menschen in der 'death row' müssen täglich damit rechnen abgeholt zu werden und das hat eine unmenschliche und Folter-ähnliche Wirkung auf sie
Kriminologe Arthur Kreuzer

Und gerade mit Blick auf das US-Rechtssystem zeige sich, wie oft Fehler bei Todesurteilen aufgrund technischer Neuerungen und DNA-Auswertungen im Nachgang aufgedeckt werden. Hinzukommt, dass bis zur Vollstreckung der Todesstrafe meist bis zu 20 Jahre vergehen können. "Die Menschen in der 'death row' müssen täglich damit rechnen abgeholt zu werden und das hat eine unmenschliche und Folter-ähnliche Wirkung auf sie", so Kreuzer.

Die USA hält noch immer an der Todesstrafe fest – 2018 sind allein in Texas 13 Menschen laut Amnesty International hingerichtet worden. Zum 9. Dezember wird die Todesstrafe auf Bundesebene reaktiviert. "Es gab seit 2003 ein Vollstreckungs-Moratorium auf Bundesebene, das nun wieder zurückgenommen wurde", erklärt Sascha Lohmannn, Politikwissenschaftler der Forschungsgruppe Amerika der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Trump großer Befürworter

Er führt diese Änderung auf den aktuellen Präsidenten der USA zurück, da sich dieser "bereits als Privatperson, damals Ende der 1980er Jahre in einem bestimmten Fall in den Medien dafür ausgesprochen hatte, die Todesstrafe in New York anzuwenden." Aber auch während seines Wahlkampfs zeigte sich Donald Trump als großer Befürworter der Todesstrafe. "Interessant ist, dass er sich nicht nur in Fällen, in denen es um Mord geht, dafür ausspricht, sondern auch bei Geheimnisverrat oder Vergewaltigungen – Fälle, in denen die Todesstrafe tatsächlich in den USA nicht mehr angewandt wird – anwenden möchte", so Lohmann weiter.

Weltkarte mit eingezeichneten Ländern, die die Todesstrafe vollstreckt haben
Todestrafe 2017
Quelle: ZDF

Aber die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung schwindet. "Wir sehen schon seit den 1970er Jahre eine schwindende Zustimmungsrate, aber diese hat sich dann interessanterweise Weise ab 2016 wieder nach oben bewegt. Nicht auf ein so hohes Niveau, auf dem die Zustimmung in den 1970er Jahren lag aber wir sehen einen klaren Trend nach oben", erklärt der Politikwissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik. Grundsätzlich sei derzeit aber eine Mehrheit gegen die Todesstrafe.

Kampf bis zur Abschaffung

Ethisch und moralisch kommt es zu einem Umdenken, da sich gerade die Konservativen der USA den Schutz des ungeborenen Lebens auf die Fahnen schreiben und das lässt sich nur schwer mit einer Zustimmung zur Todesstrafe vereinbaren
Politikwissenschaftler Sascha Lohmann

Schaut man sich laut Lohmann das politische Bild an, zeigt sich, dass die Zustimmung unter den Republikanern bei rund zwei Dritteln liegt, und sie bei den Demokraten, trotz starker Verluste, noch immer Zustimmungsraten von rund 20 bis 30 Prozent erfährt. "Ethisch und moralisch kommt es zu einem Umdenken, da sich gerade die Konservativen der USA den Schutz des ungeborenen Lebens auf die Fahnen schreiben und das lässt sich nur schwer mit einer Zustimmung zur Todesstrafe vereinbaren", fügt Sascha Lohmann hinzu.

Die Frage nach der Zeitmäßigkeit der Todesstrafe ist von einer europäischen Sichtweise geprägt. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war sie eher die Normalität und stand dementsprechend in vielen Gesetzbüchern. Das hat sich erst durch die internationale Ächtung im Völkerrecht geändert, wodurch auch die Sichtweise, dass die Todesstrafe grausam, unmenschlich und gegen das Recht auf Leben verstößt, geprägt wurde. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben sich deshalb zum Ziel gemacht, so lange gegen die Vollstreckung von Todesstrafen zu kämpfen, bis diese weltweit abgeschafft wird.

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