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Unesco-Welttag des Buches - Feiertag für Buchfans

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3.500 Buchhandlungen in Deutschland wollen am Welttag des Buches vor allem Kinder für Bücher begeistern. Susanne Lux von "Nimmerland" in Mainz findet den Aufwand sehr lohnenswert.

Nimmerland Kinderbuchhandlung
Diese beiden haben ihre Lieblingsbücher gefunden
Quelle: ZDF/Petra Mertens

Hand in Hand stehen sie auf dem Bürgersteig und schauen erwartungsvoll nach oben. Es ist eine 4. Klasse der Maler-Becker-Schule in Mainz. Auch die Buchhändlerinnen des "Nimmerland" schauen gespannt - nach draußen. Welche neugierigen Kinder wohl heute dabei sind? Und endlich gibt die Lehrerin den Startsschuss, die Kinder verteilen sich im Laden - auf der Suche nach ihrem Lieblingsbuch.

Eine Million Buchgeschenke und 3.500 Buchhandlungen

"Hier sind die Mädchenbücher", tönt es aus der Ecke mit den glitzernden Buchcovern. Die Jungs scharen sich im Fachgespräch um einen Tisch mit Sachbüchern zu Jungsthemen. Jannick liest am liebsten Fantasybücher mit Zauberern. "Auch Räuber Hotzenplotz?" Er strahlt und nickt überzeugt. Sein Freund dagegen liebt Jim Knopf.

Susanne Lux ist Buchhändlerin aus Leidenschaft. Ihr Laden "Nimmerland" im Herzen des Mainzer Vororts Gonsenheim ist gemütlich, kleine Ecken laden zum Schmökern ein. Die Regale wirken aufgeräumt. Für Lux ist der Unesco-Welttag des Buches, der 23. April, "ein ganz wichtiges Datum. Es geht um Leseförderung, und es werden fast alle Kinder der 4. und 5. Klassen erreicht."

Nimmerland Kinderbuchhandlung
Die Schüler dürfen nach Herzenslust stöbern.
Quelle: ZDF/Petra Mertens

Die Lehrer können sich für die Aktion bei der Stiftung Lesen anmelden und eine Buchhandlung auswählen, mit der sie Kinder für das geschriebene Wort begeistern wollen. 3.500 Buchhandlungen in Deutschland beteiligen sich. Und jedes Kind erhält dann vor Ort ein Buchgeschenk.

Buchvorstellung, Testleser oder versteckte Bücher

Nachdem die Mädchen und Jungen sich über ihre Bücher ausgetauscht haben, treffen sie sich zum Sitzkreis. Die Mitarbeiterin von Lux, Karin Wolfgang, stellt den Kindern nun Bücher vor - ungewöhnliche Kinderbücher, die sie in der Art noch nicht kennen. "Viele Kinder, die buchfern aufwachsen, kennen ihre Schulbücher und die abgelesenen Bücher aus der Schulbücherei, aber sonst meist wenig", erklärt Lux.

"Für die Kinder sind manchmal wirklich Überraschungen dabei. Die Kinder erfahren auch etwas über die Entstehung des Buches, wie es geschrieben und wie es produziert wird", sagt Lux. Auch ein Thema sei die Buchpreisbindung. "Es überrascht viele, dass ein neues Buch im Internet genauso viel kostet wie in jeder Buchhandlung, sei es in der Innenstadt oder etwas außerhalb."

Die Buchhändler kombinieren ihre Aktionen häufig mit der Aktion des Buchgeschenks. Am Ende erhält jedes Kind ein Buch unter dem Motto: "Ich schenk dir eine Geschichte." Das Welttagsbuch, in diesem Jahr "Der geheime Kontinent", bestellen die Buchhändler auf eigene Kosten, um es an die Schülerinnen und Schüler zu verschenken.

Ganz neue Kinderbücher

Es gibt heute viel mehr Kinderbücher für leseschwache Kinder: Sie sind literarisch nicht so anspruchsvoll und damit auf einem niedrigeren Leselevel. Sie bieten so einen leichteren Einstieg für Kinder, die bisher keinen Zugang zu Büchern hatten. Und die Illustrationen der Kinderbücher sind viel phantasievoller und bunter geworden als früher.

Darüber hinaus gibt es inzwischen viel mehr Bücher für Jungs, ganz speziell zu richtigen Jungsthemen. Auch die Auswahl an Sachbüchern ist vielfältiger geworden. "Früher gab es eher Sachbuchreihen, heute kommen dazu ganz wunderbare Einzeltitel", schwärmt Lux.

Bücher wurden "ausgesetzt"

Zuletzt hatte "Nimmerland" eine sehr aufwändige Aktion: Bücher, die für den Jugendliteraturpreis nominiert waren, wurden in ganz Gonsenheim versteckt - die Leute konnten suchen und finden. "Das war ganz wunderbar, weil da ganz schöne Reaktionen kamen", sagt Lux rückblickend. Ein Sachbuch über Architektur hat damals eine Frau gefunden, die mit Tränen in den Augen in die Buchhandlung kam. "Ihr Mann, ein Architekt, war schon lange pflegebedürftig. Die beiden waren so gerührt, weil genau dieses Buch bei ihnen vor der Tür lag. Das war ein ganz wunderbarer Zufall", schwärmt die Buchhändlerin.

Eigentlich kommt die Idee des Bücherschenkens aus Spanien. Dort ist der 23. April eine Riesenaktion - alle verschenken Bücher. "Die Buchhandlungen haben dort den höchsten Umsatz, noch mehr als an Weihnachten. Dort kauft an diesem Tag jeder ein Buch für seine Liebsten", sagt Lux.

Es lohnt sich ...

Lohnt sich der Aufwand? Susanne Lux beantwortet die Frage mit einem klaren "Ja, auf jeden Fall! Es kommen häufig Kinder mit ihren Eltern wieder, die bestimmte Bücher zeigen wollen, die ihnen gefallen haben." Und diejenigen, die Freude am Lesen haben, treffen sich einmal im Monat als Testleser. Sie können Bücher ausleihen, schreiben eine kleine Rezension und beim nächsten Treffen sprechen sie darüber. "Das sind dann aber meistens die Vielleser", sagt Lux.

Zu denen scheint auch Janina zu gehören: "Ich lese alles mit Pferden und 'Schule der magischen Tiere'", sagt sie und stöbert weiter.

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