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Schwerpunkt auf der re:publica - Junge Nutzer und ihre Wut auf Politik

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Auf der re:publica, die morgen startet, stehen zum ersten Mal 13- bis 21-Jährige im Fokus. Viele von ihnen sind wütend - über alte Politiker, die keine Ahnung haben vom Internet.

Archiv: Besucher bei Internetkonferenz re:publica 2018
Besucher der Digitalkonferenz re:publica 2018
Quelle: dpa

Fabian Arnold ist ein Star. Mehr als 400.000 Menschen schauen sich an, was er bei Instagram postet. Bilder vom Strand, aus dem Helikopter, vom Sport. Der 22-Jährige Kölner ist Influencer, Fitnessblogger, Model. Vor ein paar Wochen hat ihn das Modelabel Calvin Klein bei Instagram gezeigt. "Das hat mir 15.000 neue Follower gebracht", sagt er. Manchmal präsentiert Fabian auf seinem Account auch T-Shirts oder Unterhosen, manchmal gegen Bezahlung. "Für einen Post kann es 2.000 bis 4.000 Euro geben", sagt er. "Andere Promis, die zum Beispiel aus dem Fernsehen bekannt sind, bekommen auch schon mal bis zu 50.000 Euro für ein Bild."

Fabian Arnold
Fabian Arnold hat mehr als 400.000 Follower bei Instagram
Quelle: Fabian Arnold

So sehen sie aus: Berufe, die es vor ein paar Jahren, als Fabians Eltern in der Schule waren, in dieser Form noch nicht gab. Dabei hat Fabian etwas Anständiges gelernt: Versicherungskaufmann. Doch seit etwa zwei Jahren lebt er von seinem Instagram-Account, vom Modeln und Bloggen. Sein Ziel: Schauspieler werden. Im Moment ist er in Los Angeles, sucht Aufträge und postet Bilder von kalifornischen Sonnenuntergängen.
Vor allem Jüngere schauen sich solche Posts an, denn sie nutzen Instagram viel mehr als Ältere. Von den 14- bis 19-Jährigen sind fast zwei Drittel mindestens einmal pro Woche bei Instagram. Bei den über 30-Jährigen ist es schon nur noch etwa jeder Achte. Gerade Instagram zeigt: Jüngere und Ältere leben online in Parallelwelten.

Erstmals re:publica für 13-Jährige

Es sind vor allem die Lebenswirklichkeiten der ganz Jungen, die dieses Jahr im Fokus der re:publica, der wichtigsten Digitalkonferenz Europas, stehen. Zum ersten Mal ist die "Tincon", eine Art Jugend-re:publica für 13- bis 21-Jährige, Teil des Treffens. Junge Rednerinnen wie Laura-Elisa Langanke erklären Älteren, also 40-Jährigen, wie genau eigentlich Instagram funktioniert. Wie man dort eine gute Story macht, Videos aufnimmt, Filter und Musik verwendet. Auch politisch werden sie sein. Diskutieren Themen wie den digitalen Wandel an Berliner Schulen. Und eine 15-jährige Umweltaktivistin begründet, warum sie bei "Fridays for Future" mitmacht.

Es hat sich etwas aufgestaut in den vergangenen Wochen. Nicht nur bei den Fridays for Future-Demonstranten. Auch bei denen, die gegen die Urheberrechtsreform der EU sind, gegen sogenannte Uploadfilter. Mehr als 100.000 überwiegend Junge sind gegen die Urheberrechtsreform auf die Straße gegangen. Viele von ihnen seien über die Politik regelrecht empört gewesen, sagt Markus Beckedahl, Mit-Gründer der re:publica. Darüber, dass ihre Meinung nicht gehört worden sei. Und dass diejenigen, die über die Reform entschieden hätten, zu alt seien. "Junge Menschen fühlen sich von Politkern nicht mehr repräsentiert."

Kluft zwischen Jugend und Politik "besorgniserregend"

Beispiel Bundestag: Der Altersdurchschnitt der Abgeordneten liegt bei knapp 50 Jahren. Es sind vor allem die Älteren, die über das Internet und damit auch über die Lebenswirklichkeit der Jungen entscheiden. Dabei kennen sie sich im Internet oft nicht besonders gut aus. Beispiel: CDU-Mann Axel Voss, Befürworter der Urheberrechtsreform. In einem viel zitierten Interview mit dem Magazin "Vice" gibt Voss zu, keinen einzigen YouTube-Kanal abonniert zu haben. Und redet von einer "Memes-Rubrik" bei Google - also einer Art Google-Seite, die animierte Fotos oder Videos anzeigt. Eine Seite wohlgemerkt, die es nicht gibt.

"Ich habe das Internet kaputt gemacht, ohne etwas davon zu verstehen", schreiben etwa Twitter-Nutzer auf ein Foto von Axel Voss. Die Kritik ist heftig, manchmal unter der Gürtellinie, manchmal schlicht widerwärtig. Doch sie zeigt ein Phänomen: Die Entfremdung von Jungen und Älteren. Von einem "Vertrauensverlust" zwischen Jugend und Politik spricht Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele. "Die Kluft ist besorgniserregend. Beide Seiten bewegen sich nicht aufeinander zu", sagt sie. Und fordert gerade etablierte Parteien auf, junge Menschen erst zu nehmen und auf sie zuzugehen.

Bundespräsident Steinmeier eröffnet re:publica am Montag

Kritisch sieht sie auch, dass einige Politiker die jungen Demonstranten geradezu beschimpft hätten, beispielsweise als von großen Internetkonzernen gekauft. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagt Römmele. Und kann nachempfinden, dass sich Junge dann von der Politik nicht abgeholt fühlten. Auch dieser Streit, das Verhältnis von Jugend zu Politik, wird Thema der diesjährigen re:publica sein. CDU-Mann Axel Voss stellt sich den Fragen und der Kritik von re:publica Mit-Gründer Markus Beckedahl. Und vielleicht schlichtet auch das Staatsoberhaupt. Gut möglich, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Thema anspricht, wenn er die re:publica am Montag eröffnet.

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