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Erosion durch Extremwetter - Wenn der Boden sich vom Acker macht

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Deutschlands Ackerböden verschwinden langsam. Grund dafür sind Starkniederschläge und extremer Wind. Ist die fruchtbare Bodenkrume einmal weg, lässt sie sich nicht mehr ersetzen.

Erosion auf dem Acker (Typical)
Erosion auf dem Acker Quelle: ap

Hierzulande ist inzwischen jeder vierte Acker von Extremwetterereignissen bedroht. Starkniederschläge und Sturmböen führen dazu, dass sich der Boden sozusagen vom Acker macht. Weggeschwemmt oder weggeblasen - Bodenkundler nennen das Bodenerosion. "Prognosen zum Klima sehen höhere Niederschlagsintensitäten sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit von Starkregen in den Monaten März bis Juni vorher. Diese Entwicklungen könnten in der Zukunft zu einer Erhöhung der Bodenerosionsraten auf den Äckern führen", warnt das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).

Große Angriffsflächen bieten insbesondere Felder, auf denen junge Mais-, Rüben- oder Getreidepflanzen heranwachsen. Denn sie stehen bis zum Frühsommer oft noch weit auseinander. Dadurch liegt der Boden frei. Schon bei geringer Hangneigung bilden sich während eines Regengusses Schlammlawinen. Die braune Brühe, angereichert mit wertvollem Humus und Nährstoffen, wird in die nahegelegene Kanalisation gespült und verstopft diese. Die Schleppkraft der abfließenden Wässer ist bereits ab einer Hangneigung von fünf Prozent so groß, dass sich 40 Zentimeter tiefe und mehreren Meter lange Gräben bilden. Das Ganze ähnelt dann einer Kraterlandschaft.

Große Menge an Düngemittel, um Nährstoffverlust auszugleichen

Welche Auswirkungen ein starker Wind haben kann, ist vielen Autofahrern auf der Autobahn zwischen Rostock und Berlin noch in guter Erinnerung. Ganz plötzlich zog eine Staubwolke über die Fahrbahn und nahm die Sicht. In der Folge kam es zu einer Massenkarambolage. Der Sturm hatte bei dem ungewöhnlich trockenen Boden leichtes Spiel, trug die Krume kilometerweit weg. Traurige Bilanz: Den Landwirten fehlte nach dem extremen Windereignis tonnenweise fruchtbarer Boden.   

Der Boden entwickelt sich nur sehr langsam. Die Menge an Erde, die ein Starkregen in Minuten auswäscht, hat viele Jahrhunderte benötigt, um fruchtbarer Boden zu werden. 15.000 Jahre dauert es im Durchschnitt, bis ein Meter Boden entsteht. So muss der Landwirt mit hohem Zeit- und Kostenaufwand den Graben mit herbeigeholtem Bodenmaterial verfüllen. Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist ein Bodenverlust von nur fünf Millimetern ein wirtschaftliches Desaster. Denn mit dem Verlust wertvoller Nährstoffe müssen große Mengen Düngemittel ausgebracht werden, um den Verlust auszugleichen. 800 Euro pro Hektar kostet es, damit der zerstörte Ackerboden wieder nutzbar und fruchtbar wird.

Verbraucher zahlt dafür

Bodenwissenschaftler sind sich einig: Durch den fortschreitenden Klimawandel werden die Extremwetterereignisse zunehmen. Und damit nimmt die Bodenerosion zu - weltweit. Auch die Bauern in den nordamerikanischen Prärien und auf den chinesischen Plateaus beklagen inzwischen den Schwund ihres fruchtbaren Bodens. Weltweit sind circa elf Millionen Quadratkilometer Landoberfläche durch Erosion geschädigt. Die Fläche ist dreimal so groß wie die EU. Die Auswirkungen bekommt letztendlich der Verbraucher zu spüren. Denn ein Bodenverlust beim Getreide etwa verteuert das Brot. Ein Bodenverlust beim Mais verteuert das Fleisch, denn Mais ist eine wichtige Futterpflanze.

Für Deutschland gibt es inzwischen einen Bodenatlas, der die gefährdeten Erosionsgebiete ausweist. Laut niedersächsischem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie sind "die ackerbaulich genutzten Flächen im niedersächsischen Berg- und Hügelland, im sächsischen Hügelland mit dem Erzgebirgsvorland, Bereiche im Neckar- und Tauber-Gebiet und im Unterbayerischen Hügelland gefährdet". Aber auch die Hügelländer von Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordbayern, Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg sind mittel bis hoch gefährdet.

Prävention gefordert

"Bodenerosion durch Wind betrifft im Gegensatz dazu Sandböden und ackerbaulich genutzte Moore in offenen, flachen Landschaften. Der Bodenatlas weist hier das Norddeutsche Tiefland mit seinen Geest- und Moorlandschaften als Gefahrenzone aus", so die Einschätzung der Experten.  

So haben die Landwirtschaftskammern der Bundesländer flankierende Informationsdienste eingerichtet und geben Empfehlungen hinsichtlich der Bodenbearbeitung und der Anbaumethoden. Viele EU-Staaten ziehen nach, leiten Bodenschutzmaßnahmen ein, um den Verlust der wertvollen Ackerkrume zu stoppen.

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