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Sendung "planet e." - Wenn die Insekten sterben

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Das Insektensterben in Deutschland wird immer dramatischer. Der Bestand hat sich in Teilen des Landes um bis zu 80 Prozent verringert. Die Folgen sind schwerwiegend: Den Vögeln geht die Nahrung aus. Zudem fehlen den Pflanzen die "Bestäuber".

Das Insektensterben in Deutschland nimmt dramatische Formen an. Welche Folgen hat dies für die Umwelt, und welche Lösungen gibt es?

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Wer früher mit dem Auto auf Straßen zwischen Feldern und Wäldern unterwegs war, hatte schnell ein Problem: An der Windschutzscheibe klebten zahllose tote Insekten. Dass das kaum noch vorkommt, ist Zeichen für eine erschreckende Entwicklung: Insekten sterben aus.

Biomasse von Insekten geht drastisch zurück

Und das wird auch zum Problem für die Menschen. Ohne "Bestäuber" können viele Lebensmittel nicht mehr oder nur sehr teuer hergestellt werden. Die Ernährung von Millionen Menschen ist in Gefahr. Es ist ein schleichender Prozess, aber die Entwicklung ist dramatisch.

Allein die Biomasse der Insekten Nordrhein-Westfalens hat sich nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU) um über 80 Prozent verringert - dies ergaben Messungen an 88 Standorten. Der Wert bezieht sich nur auf die vergangenen 15 Jahre. Noch nie wurde ein solcher Verlust beobachtet - auch nicht in jenen Zeiten, als Landwirte noch das Insektizid DDT einsetzten, das heute verboten ist.

Keine Insekten, keine Vögel

Und wo keine Insekten mehr sind, da gibt es auch bald keine Vögel mehr. Ihre Zahl hat sich in den letzten Jahren um 57 Prozent verringert. Einige Arten sind regional völlig verschwunden. Der Wiedehopf ist kaum noch zu sehen. Der Ornithologe Peter Berthold ist über die Situation schier verzweifelt und legt den Bürgern ans Herz: "Hängen Sie das ganze Jahr über Meisenknödel auf, da sonst viele Vögel verhungern. Gerade im Frühling, wenn es auch noch den Nachwuchs zu versorgen gilt."

Doch wo liegen die Ursachen für das Insektensterben? Eine ganz entscheidende Rolle spielt die Intensivierung der Landwirtschaft: immer größere Flächen, immer mehr Monokulturen - so werden strukturreiche Landschaften vernichtet und Biotope zerstört. Auch der Einsatz von Pestiziden ist problematisch, die erlaubte Dosis wird oft viel zu hoch bemessen.

Der Klimawandel trägt ebenfalls zum Insektensterben bei: Zusammen mit der Veränderung der Kulturlandschaften haben vor allem die Spezialisten unter den Insekten wegen des dramatischen Wandels kaum Zeit zur Anpassung und sterben lokal aus. Hinzu kommen der Einsatz großer Mengen von Dünger, der zunehmende Verkehr und die Luftverschmutzung.

Bestäuben mit Pinseln aus Entendaunen

Wie Landschaften ohne Insekten aussehen, ist in Sichuan zu besichtigen. Die chinesische Provinz ist nicht nur für ihre Pandas bekannt, sondern auch für ihre saftigen Birnen. Doch seit einigen Jahren fehlen die Bestäuber. Es gibt keine frei lebenden Bienen mehr, und die Imker wollen ihre Bienen nicht einsetzen. Pestizide haben die Bäume verseucht. Aus diesem Grund müssen Menschen die Arbeit der Insekten übernehmen und die Blüten mit kleinen Pinseln aus Entendaunen bestäuben.

Damit es in Deutschland nicht so weit kommt, wird schon einiges getan, aber offensichtlich noch nicht genug. Eine intensive Landwirtschaft wird sich nicht einfach verhindern lassen, aber die Anstrengungen zu einer ökologischen Ausrichtung müssen verstärkt werden. Mehr Blühstreifen und weniger Pestizide sind wichtige Schritte auf dem Weg dorthin.

Rumänien - derzeit ein Paradies für Insekten

Dann wird es darum gehen, die verbliebenen Biotope zu vernetzen. Die Politik erkennt zwar zunehmend die Notwendigkeit dazu, allerdings nicht auf allen Ebenen. Davor hat man aktuell in Rumänien Angst.

In vielen Gegenden des osteuropäischen Landes gibt es noch landwirtschaftliche Strukturen wie in Deutschland vor 60 Jahren. Für die Insekten ein Paradies, auch die Vogelvielfalt ist hier größer. Für einige Wissenschaftler ist diese gelebte Vergangenheit ein Vorbild für eine insektenreiche Zukunft. Aber wohl keine realistische Zukunft, jedenfalls nicht, wenn es nach der EU geht. Hier sieht man eher die Länder Zentraleuropas als Vorbilder. In Rumänien sind die Landwirte dadurch gespalten: Höhere Erträge oder mehr Umweltschutz? Was wird in Zukunft den höheren Stellenwert haben?  Die Antwort scheint programmiert, aber noch hat das Land alle Chancen.

Den Artenreichtum, den wir im 19. Jahrhundert in Deutschland hatten, wird es nie wieder geben. Wir müssen uns mit einer artenärmeren Flora und Fauna abfinden, aber vielleicht kann ein Umdenken zumindest den aktuellen Status erhalten.

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