Sie sind hier:

IFA-Trend Sprachsteuerung - "Hallo Herd!" - Wenn Hausgeräte sprechen lernen

Datum:

Als sprechende Internet-Jukebox oder Online-Sphinx stehen sie schon in einigen Haushalten. Jetzt sollen digitale Sprachassistenten auch Herd oder Lampe steuern. Immer mehr Hersteller verknüpfen ihre smarten Hausgeräte mit Spracherkennungssystemen.

Zur IFA verbinden viele Hausgerätehersteller wie Bosch, Siemens oder Miele Sprachassistenen mit ihren Elektrogeräten. Ob es dann heißt: "Alexa, spüle mein Geschirr"? Was Experten davon halten.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Sprachsteuerung wird sich im Haushalt durchsetzen", sagt Roland Hagenbucher. Der Chef der Hausgerätesparte bei Siemens gibt sich überzeugt: Vor allem in der Küche sei sie ideal. "Wir glauben, dass man durch Sprachsteuerung Zeit gewinnt. Man spart Handgriffe, man hat die Freiheit sich beim Kochen frei zu bewegen."

Küchen-Elf mit Kulleraugen

Gemeinsam mit Bosch hat Siemens einen eigenen sprachgesteuerten "persönlichen Küchenassistenten" entwickelt: "Mykie" - "My Kitchen Elf" - nennt sich der Kleincomputer, der entfernt an eine Thermoskanne mit Kulleraugen erinnert. Auf Sprach-Kommando kann er den Inhalt des Kühlschranks zeigen, sofern der eine Kamera hat, den Status der Backwaren im Ofen ergründen; aber auch sagen wie morgen das Wetter wird. Daneben ist der digitale Küchenwichtel ein Mini-Beamer, der Rezept-Videos an die Küchenwand projizieren kann.

Bisher ist "Mykie" nur ein Prototyp und noch nicht im Handel erhältlich. Er soll skeptischen Kunden zeigen, "wie Kommunikation und Vernetzung das Küchenerlebnis in Zukunft gestalten können“, so Bosch und Siemens in ihrer Pressemitteilung. Überzeugungsarbeit die offenbar nötig ist: Nach einer aktuellen Studie der IFA Veranstalter besitzen nur acht Prozent aller Deutschen bisher smarte Hausgeräte.

"Alexa" ist angekommen

Wenn "Mykie" die Zukunft ist, dann ist "Alexa" die Gegenwart. Bis eigene Systeme marktreif sind, setzen alle großen deutschen Hausgeräte-Hersteller derzeit auf US-amerikanische Spracherkennungs-Technik. Digitale Assistenten wie "Amazon Echo" können jetzt mit Haushaltstechnik von Miele, Siemens oder Bosch kommunizieren.

Schon jetzt lassen sich deren smarte Geräte mit einer einzigen App auf Smartphone oder Tablet gemeinsam verwalten. Künftig kann das nun auch per Sprachbefehl erfolgen - sofern der Kunde einen digitalen Assistenten besitzt. Die säulen- oder scheibenförmigen Online-Lautsprecher kosten zwischen 60 und 180 Euro, enthalten Mikrofone und ein WLAN-Modul. Die eigentliche Arbeit erledigen dann die Rechenzentren der Internet-Giganten.

Der Smart-Beleuchtungs-Pionier Philips Lighting setzt währenddessen nicht nur auf Assistenten des Sprachsteuerungs-Marktführers Amazon. Die Funk-LED-Lampen lassen sich auch mit Googles Sprachbox "Home" oder dem Apple-Pendant "Homepod" dimmen, ausschalten oder in der Farbe verändern. Funktionierte das bisher auch komplett offline, so erfordern die Sprachassistenten jetzt eine ständige Internetverbindung. Denn die Sprachbefehle müssen auf Rechnern von Google & Co entschlüsselt werden, die entsprechende Antwort errechnet und zurückgeschickt werden.

Was passiert mit meinen Daten?

Genau das beunruhigt viele potentielle Kunden. Was passiert dabei mit den Kundendaten? Wie lange werden sie gespeichert? Wer bekommt sie in die Hände? Immerhin sind es Bewegungsprofile und Details über Vorlieben in den eigenen vier Wänden. Kommen noch Internetanfragen dazu, entsteht so ein umfangreiches und höchst privates Profil der Nutzer. "Das wird zurzeit im Wesentlichen für gezielte Werbung verwendet", sagt Ulrike Kuhlmann - Redakteurin mit Schwerpunkt Vernetzung und Unterhaltungselektronik bei der Computerzeitschrift c’t. "Wenn ich etwa Geschirrspüler suche oder sie sprachgesteuert benutze, dann kann es sein dass ich bei meiner nächsten Google Suche Anzeigen für Geschirrspüler bekomme, weil ich mich ja dafür interessiert habe."

Die Gefahren durch Hacker-Angriffe auf das vernetzte Heim sieht Kuhlmann dagegen als möglich, aber gering an. Theoretisch könnte anhand mitgehörter Sprachbefehle ermittelt werden, wann jemand zuhause ist und wann nicht: "Das wäre für Einbrecher zum Beispiel hochinteressant." Problematisch sei es allerdings, wenn Alarmanlagen oder Türschlösser über Sprachbefehle gesteuert würden: "Es gibt smarte Alarmanlagen, die unzureichend mit Standardpasswörtern gesichert sind. Wenn diese nicht ordentlich eingerichtet werden, sind sie sehr leicht angreifbar."

Standard-Wirrwarr

Und noch etwas kritisiert die Expertin: Bis heute fehlt ein einheitlicher Standard im Smarthome. Jeder Hersteller erlaubt meist nur die Vernetzung von Geräten der eigenen Marke. "Habe ich verschiedene Geräte von verschiedenen Herstellern, dann spielen die heute nicht zusammen. Das heißt, ich muss vielleicht sogar zwei verschiedene Funk-Netze einrichten." Zumindest aber für jedes Fabrikat eine eigene App installieren. "Aus Kundensicht müsste es einen übergreifenden Standard geben, den alle Hersteller unterstützen mit dem sich alle Geräte im Haus vernetzen können", sagt Kuhlmann.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.