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Vergabe des Friedensnobelpreises - Kann ein Preis die Welt verändern?

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Atomares Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea, der Syrienkonflikt immer noch ungelöst und die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. In dieser angespannten Weltlage wird heute um 11 Uhr der Träger des Friedensnobelpreises 2017 verkündet. Wer von den mehr als 300 Nominierten hat gute Chancen?

Man hat das Gefühl, es könne jederzeit eskalieren. Nordkorea testet Atomwaffen, will gar eine Wasserstoffbombe gezündet haben. US-Präsident Donald Trump demonstriert mit Kampfjets seine Macht. Auch der Iran spielt wieder mit den Muskeln und erprobt Raketen. Abrüstung und die Vision einer atomwaffenfreien Welt scheinen so weit entfernt wie zu Zeiten des Kalten Kriegs.

In dieser angespannten Weltlage wird heute um 11 Uhr der Träger des
Friedensnobelpreises 2017 bekannt gegeben. Kann und wird die wichtigste politische Auszeichnung der Welt ein Zeichen setzen gegen ein neues Aufrüsten?

Stehen die Atomwaffen im Mittelpunkt?

Friedensforscher sehen den Kampf gegen Atomwaffen in diesem Jahr als das große Thema. "Es wäre angemessen, wenn der Preis an eine Gruppe oder eine Person ginge, die sich für nukleare Abrüstung einsetzt", sagt der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith.

Wenn man von den wichtigen politischen Entwicklungen in diesem Jahr ausgehe, komme man schwer um die Atomwaffenfrage herum, meint auch der Friedens- und Konfliktforscher Peter Wallensteen von der Universität Uppsala. "Das Komitee hat seit mehreren Jahren nicht mehr darauf aufmerksam gemacht - und die derzeitige Situation könnte es aktueller denn je machen." Konkret nennt Wallensteen die Verantwortlichen für die Atomwaffen-Resolution der UN.

Klares Signal an Nordkorea und die USA

Der norwegischer Friedensforscher Henrik Urdal vom Prio-Institut hat die "Architekten" des Atomabkommens mit Iran ganz oben auf der Liste: den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Wir sind in einer Situation, in der die Anwendung von Atomwaffen nicht mehr nur eine theoretische Möglichkeit ist", betont Urdal. Die internationale Gesellschaft müsse dazu beitragen, die Entwicklung und Verbreitung von Atomwaffen zu begrenzen. "Es ist wichtig, dass Nordkorea sieht, dass das Abkommen mit Iran international honoriert wird."

Sarif und Mogherini hatten 2015 die 20 Monate langen Verhandlungen zu einem historischen Abkommen organisiert, mit dem Teheran auf die Entwicklung von Kernwaffen verzichtet. Alle Beteiligten - auch die USA - bescheinigen Iran bisher, die Vereinbarung einzuhalten. Doch Trump stellte es immer wieder infrage, drohte in der UN-Generaldebatte mit dem Ende der Vereinbarung.

Gerade deshalb sei es jetzt so wichtig, die erfolgreichen Gespräche mit einem Preis zu würdigen, meint der norwegische Historiker Asle Sveen. "Ein Friedensnobelpreis würde es den USA viel schwieriger machen, sich aus der Vereinbarung rauszuziehen." Auch Wallensteen sieht einen solchen Effekt. "Es wäre ein geeigneter Weg zu versuchen, diese wichtige Vereinbarung vor den Tiraden der derzeitigen US-Regierung zu schützen", sagt er.

Trump und Putin vorgeschlagen

Nominiert wurden die Kandidaten für den Friedensnobelpreis schon im Frühjahr. In diesem Jahr musste das fünfköpfige norwegische Nobelkomitee zwischen 215 Personen und 103 Organisationen wählen. Auch Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin sind darunter - neben Papst Franziskus und den syrischen Weißhelmen, die schon im vergangenen Jahr als heiße Kandidaten galten.

Kristian Harpviken, Urdals Vorgänger als Prio-Direktor, setzte auf seiner im Frühjahr veröffentlichten Liste möglicher Preisträger die amerikanische Bürgerrechtsorganisation ACLU ganz nach oben. Sie hatte Trump wegen seiner Einreiseregelung für Ausländer vor Gericht attackiert, setzt sich für Meinungsfreiheit, gegen Todesstrafe und Polizeigewalt ein. Immer wieder wird auch die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas genannt. "Wenn es beim Friedensnobelpreis wirklich um Frieden geht, dann sind sie es", meint der Direktor des schwedischen außenpolitischen Instituts, Mats Karlsson.

Preis für Taten statt für Hoffnung

Er hoffe, dass der Preis an jemanden gehe, der sich mit seiner Arbeit über viele Jahre bewiesen habe - statt einer "Belohnung für eine symbolische Aktion". Ein Preis für Taten also statt für Hoffnung wie beim 2009er Preis für den US-Präsidenten Barack Obama.

Urdal sieht das anders: Ein Friedensnobelpreis könne Dinge anstoßen, auf den richtigen Weg bringen, sagt er. "Letztes Jahr hat der Nobelpreis für Präsident Juan Manuel Santos dazu beigetragen, den Friedensprozess in Kolumbien neu zu fokussieren."

Möglicherweise hält die Jury den Konflikt um das Atomabkommen mit dem Iran für zu aktuell, zu kontrovers. Sie würde sich nicht nur mit Trump anlegen - sondern indirekt auch Obama einen zweiten Preis aussprechen. Denn die Atomvereinbarung war auch seine wichtigste außenpolitische Initiative.

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