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Neues Online-Game - Wer erfindet die beliebtesten Fake News?

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Fälschen, irreführen, erfinden: "Bad News", ein neues Online-Spiel, will zeigen, wie Fake News funktionieren. Gewonnen hat, wer mit seinen Lügen die meisten Nutzer erreicht.

Bad News Phone
Bad News Phone
Quelle: getbadnews.com

Wie entstehen Fake News und wie werden sie im Netz verbreitet? "Bad News", ein neues Online-Spiel, will aufklären. Das Grundprinzip des kostenlosen Browser-Spiels: Der Spieler soll lernen, wie man Falschnachrichten erfindet und in sozialen Netzwerken erfolgreich verbreitet. Dadurch soll er für Fake News sensibilisiert werden und sie entlarven können. Kann dieser Ansatz funktionieren?

Wahres wird mit Falschem verwoben

"Bad News" wurde von Wissenschaftlern der Universität von Cambridge zusammen mit einem niederländischen Medienkollektiv namens DROG entwickelt. Falschnachrichten seien ein globales Problem, sagen die Forscher. Sie würden von interessierter Seite verbreitet und sollen die öffentliche Meinung beeinflussen. Solche Nachrichten wirken, weil sie geschickt Wahres mit Falschem verweben und mit reißerischen Inhalten polarisieren.

Eine 2017 vom britischen Fernsehsender Channel 4 veröffentlichte Studie zur Wirkung von Fake News hat Erstaunliches gezeigt. Testpersonen wurden jeweils drei wahre und drei falsche Nachrichten vorgelegt. Nur vier Prozent der Teilnehmer konnten alle Fake News auch als solche identifizieren. Fast die Hälfte stufte mindestens eine Falschnachricht als wahr ein - und das, obwohl die meisten Teilnehmer vorher angegeben hatten, dass sie Fake News mit ziemlicher Sicherheit erkennen würden.

Learning by doing

Das Ergebnis dieser Studie sei keine Überraschung, meint das britische Forscherteam um den Sozialpsychologen Sander van der Linden von der Uni Cambridge. Denn Fake News würden geschickt auf Glaubwürdigkeit getrimmt. Erschwerend komme hinzu, dass viele Falschnachrichten bei Facebook, Twitter und Co. von Freunden, also von Menschen weitergeleitet würden, denen man ansonsten eigentlich vertraue.

Learning by doing: "Der beste Weg, um zu lernen, wie man Falschnachrichten erkennt, ist es, selbst welche zu produzieren", meinen die britischen Forscher. In ihrem Online-Spiel "Bad News" soll der Spieler deshalb in die Rolle eines Erfinders und Verbreiters von Falschnachrichten schlüpfen und die Tricks und Techniken kennen lernen, mit denen Fake News unter die Leute gebracht werden.

Lernen, wie man manipuliert

Ziel von "Bad News" ist es, in einem fiktiven, Twitter nachempfundenen Netzwerk als Fake-News-Verbreiter "vertrauenswürdig" aufzutreten und am Ende so viele Follower wie möglich zu sammeln, sprich: die eigenen Falschnachrichten möglichst weit zu verbreiten. Dabei kann sich der Spieler bei jedem Spielschritt zwischen verschiedenen Mitteln und Methoden entscheiden, um seine Botschaften unter die Leute zu bringen.

Die Spieler lernen zum Beispiel, wie man Fakten manipuliert und "glaubhafte" Verschwörungstheorien erfindet. Wenn das noch nicht reicht, um die Follower-Zahlen in die Höhe zu treiben, fälscht der Spieler die Accounts von Prominenten, richtet eine eigene Nachrichtenwebseite ein, manipuliert Fotos und kauft sich Bots, die seine Nachrichten im Netz automatisch verbreiten.

"Bad News" wird wissenschaftlich ausgewertet

"Wir versuchen nicht, das Verhalten der Nutzer radikal zu ändern, sondern wollen stattdessen einfache Denkprozesse auslösen, die den kritischen und informierten Nachrichtenkonsum fördern sollen", sagen die Wissenschaftler. Dabei sei man politisch nach allen Seiten offen. Denn Falschnachrichten würden sowohl von rechten als auch von linken Gruppierungen verbreitet.

"Bad News" wird von den britischen Forschern wissenschaftlich begleitet. Zu Beginn und am Ende des Spiels werden die Spieler gebeten, Fragen zu beantworten. Dadurch will man herausfinden, ob und wie der spielerische Umgang mit Falschnachrichten tatsächlich aufklärerisch wirkt. Die Ergebnisse fließen in eine größere Studie ein, an der die Forscher derzeit arbeiten.

Pilotstudie belegt Erfolg des Spiels

Eine Pilotstudie in den Niederlanden habe bereits gezeigt, dass "Bad News" tatsächlich dazu führen könne, die Medienkompetenz der Spieler zu verbessern, sagen die Forscher. Schüler, die in die Rolle eines Fake-News-Produzenten geschlüpft und mit den Techniken der Nachrichtenmanipulation vertraut gemacht worden waren, gingen Falschnachrichten zur Flüchtlingskrise weniger auf den Leim als eine Kontrollgruppe, die das Spiel nicht gespielt hatte.

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