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Chinas Staatspräsident - Xi Jinping, der Parteiprinz

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Chinas Präsident Xi Jinping ist eine unbegrenzte Amtszeit eingeräumt worden. Im heute.de-Interview erklärt China-Experte Matthias Stepan, wie Xi so weit gekommen ist.

Xi Jinping
Xi Jinping
Quelle: reuters

heute.de Wie ist der Mensch Xi Jinping?

Matthias Stepan: Bereits seit frühester Kindheit ist Xi Jinping stark von der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) geprägt. Er ist der Sohn eines berühmten Parteiveteranen aus den 1950er und 1960er Jahren, der sich unter anderem für wirtschaftliche Reformen, aber auch für die starke Ideologisierung und Disziplinierung der KPC eingesetzt hat. Auch seine Mutter war in der Partei aktiv. Sie setzte sich beispielsweise für die Verbesserung der Bildung der Bevölkerung ein. Xi zählt zur Gruppe der sogenannten "Parteiprinzen".

heute.de: Was bedeutet das?

Stepan: Kinder oder Nachkommen von Parteiveteranen werden in der zweiten oder dritten Generation als Parteiprinzen oder Parteiprinzessinnen bezeichnet, die besondere Privilegien genießen. Xi Jinping gehört zu den berühmtesten unter ihnen.

heute.de: Er hatte also keine andere Wahl als in der Partei Karriere zu machen?

Stepan: Seine Familie genoss nicht nur die guten Seiten des Systems, sondern wurde auch verfolgt. Xis Vater wurde zwei Mal von Partei-Linken schwer ins Kreuzfeuer genommen. Das erste  Mal in den 1930er Jahren. In seiner Zeit als Vize-Premierminister - noch vor der Kultur-Revolution (1966-1976) - hatte man ihn wegen seinen wirtschaftspolitischen Auffassungen als Revisionist gebrandmarkt. Er wurde demontiert und eingesperrt. Xi Jinping wurde während der Kulturrevolution wie Millionen andere Kinder aus den Städten aufs Land geschickt. Dort musste er sich selbst beweisen. In die Partei wurde er erst nach mehreren Anläufen aufgenommen.

zur Person

heute.de: Wann startete Xi Jinping seine Ausbildung?

Stepan: Erst nachdem er Parteimitglied wurde, bekam er die Möglichkeit zu studieren. Er wurde an der renommierten Tsinghua-Universität in Beijing zum Chemiker ausgebildet.

heute.de: In China gibt es sogenannte Partei-Kaderschmieden. Was versteht man darunter?

Stepan: Diese Parteischulen existieren auf jeder Ebene des politischen Systems in China. Wer in die Partei eintritt und eine offizielle Funktion übernimmt, muss dort Schulungen absolvieren. Dazu gehört vor allem Unterricht in Ideologie. In der Vergangenheit wurden beispielsweise die Sprüche Maos auswendig gelernt. Aber auch praktische Inhalte wie Personalführung oder Finanzen werden unterrichtet.

heute.de: Was ist die große Maxime, die dahinter steht?

Stepan: Über die Zeit haben sich die Unterrichtsinhalte natürlich deutlich geändert. Auf der einen Seite wird ganz klar der ideologische Kanon der Kommunistischen Partei Chinas gelehrt. Auf der anderen Seite geht es auch um organisatorische Fragen und darum, wie das Machtmonopol der KPC abgesichert werden kann.  

heute.de: Warum sind diese Kaderschmieden so wichtig?

Stepan: Sie gewährleisten, dass alle Personen in wichtigen Positionen - sowohl im Partei- wie auch im Staatsapparat - dem gleichen ideologischen Kanon folgen und darauf eingeschworen werden.

heute.de: Kann man nur in der Partei aufsteigen, wenn die Kaderschmieden durchlaufen wurden?

Stepan: Die meisten absolvieren lediglich eine Fort- oder Weiterbildung und sehen es als notwendige Pflicht in regelmäßigen Abständen, zumeist einmal im Jahr, Kurse in politischer Ideologie zu besuchen. Andere absolvieren ihr komplettes Studium an solchen Parteihochschulen. Xi  hingegen gehört zu denjenigen, die an renommierten chinesischen Universitäten seine Abschlüsse gemacht haben. Er hat neben seiner Tätigkeit als Beamter 2002 ein Jurastudium abgeschlossen, ebenfalls an der Tsinghua-Universität.

heute.de: Wurde er dadurch anders geprägt?

Stepan: Seine Kurse in Parteiideologie hat er sicher trotzdem besucht. Aber die Hochschulen und dortigen Professoren sind in der Regel viel offener was die theoretischen Ansätze und den Vergleich mit anderen Ländern betrifft.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble

Fragen und Anworten

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