Wer vom Krieg in Libyen profitiert

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Immer mehr Opfer - Wer vom Krieg in Libyen profitiert

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Hunderte Tote und Verletzte: Der Kampf um Libyens Hauptstadt Tripolis fordert immer mehr Opfer. Wer von diesem Krieg profitiert und warum Europa nicht mit einer Stimme spricht.

Vor den Toren Europas spielt sich eine Tragödie ab. Der Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis wird erbittert geführt. Es gibt Hunderte Tote und Verletzte, Tausende sind auf der Flucht - in einem Land, das schon seit Jahren, seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi, keine Ordnung mehr kennt.

Die sogenannte libysche Nationalgarde von General Haftar müsse sofort ihre Angriffe einstellen und auf ihr Territorium zurückkehren, fordert der libysche Ministerpräsident Fajis al Sarradsch. Nur so könne es eine politische Lösung geben. Doch danach sieht es nicht aus.

General Haftar - der neue Gaddafi?

Der einstige Getreue Gaddafis, General Chalifa Haftar, kontrolliert den Osten des Landes mit der Metropole Bengasi. In den vergangenen Monaten dehnte er seinen Einfluss auf große Teile des Landes aus und eroberte auch im Süden mehrere Ölfelder. Vor vier Wochen gab er dann überraschend seinen Truppen den Befehl zum Angriff auf Tripolis. Bei den Kämpfen um die Hauptstadt starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO bislang fast 400 Menschen.

Karte von Libyen
General Haftar kontrolliert den Osten von Libyen mit der Metropole Bengasi und hat seinen Einfluss auch auf Ölfelder im Süden ausgedehnt.
Quelle: ZDF
Haftar wird von vielen in Libyen als neuer Gaddafi gesehen.
Libyen-Experte Wolfram Lacher

Der Libyen-Experte Wolfram Lacher hält Haftar für hochgefährlich. Er stehe für die Militärdiktatur. "Haftar wird von vielen in Libyen als neuer Gaddafi gesehen." Dennoch ist der General international keinesfalls isoliert. Ägyptens Präsident Al Sisi unterstützt ihn offen, ebenso Saudi-Arabien und Russland.

Frankreichs doppeltes Spiel

Frankreich betreibt in der Libyen-Politik ein doppeltes Spiel: Offiziell erkennt Paris die Regierung in Tripolis an, doch das Land hat wirtschaftliche Interessen im von Haftar kontrollierten Süden des Landes und den angrenzenden Staaten.

Es geht um Bodenschätze. Daher arbeitet die französische Regierung mit dem General politisch und militärisch zusammen. Als die Europäische Union Haftars Angriff auf Tripolis verurteilen wollte, blockierte Frankreich den Beschluss.

Auch Italien hat wirtschaftliche Interessen

Dies ärgert vor allem die ehemalige Kolonialmacht Italien, das ebenfalls starke wirtschaftliche Interessen in Libyen hat und fest zur anerkannten Regierung in Tripolis steht.

"Das Hauptinteresse Italiens liegt im Westen Libyen, denn von Tripolis aus führen die Gaspipelines zur italienischen Südküste", sagt der Politologe Zias Akl. Außerdem habe das italienische Öl-Unternehmen Eni Milliarden in Libyen investiert.

Südliche Nachbarn fordern einheitliche Haltung der EU

Beunruhigt sind die südlichen Nachbarn Libyens. Sie warnten Kanzlerin Angela Merkel auf ihrer Reise durch die Sahelzone vor weiterem Chaos in Libyen - das bedeute auch neuen islamistischen Terror. Das müsse eingedämmt werden, und das gehe nur durch ein stabiles Libyen, sagte Merkel bei einer Pressekonferenz in Burkina Faso. Die Länder hätten Recht, eine einheitliche Position der EU-Staaten gegenüber Libyen zu fordern.

Europa habe durch seine Uneinigkeit das Feld fernen Golfstaaten überlassen, die von den Auswirkungen des Konflikts gar nicht betroffen sind, sagt Libyen-Experte Wolfram Lacher. Unterdessen sind die Auswirkungen schon sichtbar. Tausende afrikanische Flüchtlinge sitzen in Libyen nun zwischen den Fronten. Rund 150 von ihnen durften diese Woche Libyen verlassen, Richtung Europa, Richtung Italien.

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