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Weltweite Cyberattacken - Schwere Vorwürfe gegen Russlands Geheimdienst

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Russland steckt nach Ansicht der Niederlande, Großbritanniens, Australiens und der USA hinter einer Reihe weltweiter Cyberattacken. Das Vorgehen sei willkürlich und rücksichtslos.

London, Den Haag und Washington werfen in offenbar konzertierten Auftritten der Regierung Russlands schwerwiegende Cyber-Angriffe vor. Gleichzeitig beschließen NATO und EU, ihre Abwehr solcher Attacken zu verbessern. Ein neuer kalter Krieg?

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Mehrere Staaten und die Nato machen konkret den russischen Geheimdienst GRU für eine Welle von Cyberangriffen verantwortlich. Die niederländischen Sicherheitsbehörden verhinderten nach eigenen Angaben einen Angriff russischer Hacker auf die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag. Die Attacke sei im April von russischen Agenten geplant gewesen, zeigte sich Verteidigungsministerin Ank Bijleveld jetzt überzeugt.

Vier russische Staatsangehörige mit Spionageausrüstung seien in einem Hotel in der Nähe der OPCW festgenommen und nach Russland ausgewiesen worden. Die unabhängige Organisation untersuchte damals unter anderem Vorwürfe von Chemiewaffeneinsätzen im syrischen Bürgerkrieg und den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien.

Bijleveld beschuldigte den GRU zudem, Cyberangriffe auf eine Untersuchung zum Absturz des Flugzeugs des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 versucht zu haben. "Wir sind uns des Interesses des russischen Geheimdienstes an dieser Untersuchung bewusst und haben entsprechende Maßnahmen ergriffen", sagte sie. Man sei diesbezüglich sehr wachsam.

Auch Großbritannien und Australien berichten von Attacken

Wenige Stunden vor den Enthüllungen in Den Haag veröffentlichte auch die britische Cyberabwehr eine Liste von Hackergruppen, hinter denen "so gut wie sicher" der GRU stehe. Darunter ist auch "APT 28" - die Gruppe wird hinter den Angriffen in Deutschland vermutet wird. Der britische Außenminister Jeremy Hunt erklärte, der Militärgeheimdienst habe "wahllose und rücksichtslose" Attacken auf politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportverbände verübt. Das britische Zentrum für Cybersicherheit identifizierte Hacker hinter mehreren Angriffen als GRU-Mitarbeiter. Diese hätten unter anderem Attacken auf die Welt-Anti-Doping-Agentur, das ukrainische Transportsystem und die US-Präsidentschaftswahl von 2016 verübt.

Ähnlich äußerten sich der australische Premierminister Scott Morrison und seine Außenministerin Marise Payne. Die australischen Geheimdienste seien sich einig, dass der GRU für "dieses Muster bösartiger Cyberaktivitäten verantwortlich" sei. Australien sei zwar nicht wesentlich getroffen worden, entsprechende Angriffe schadeten aber der Wirtschaft und habe zivile Infrastruktur gestört.

USA klagen sieben russische Agenten an

Auch die USA werfen Russland schwerwiegende Cyberattacken vor. Das US-Justizministerium verkündete in Washington eine Anklage gegen sieben Agenten des Militärgeheimdienstes GRU. Ihnen wird unter anderem vorgeworfen, sie hätten Informationen internationaler Anti-Doping-Behörden gehackt, vertrauliche Daten gestohlen und diese als Teil einer Desinformationskampagne veröffentlicht - um das Vorgehen der Behörden gegen russische Athleten wegen Doping-Vorwürfen zu unterlaufen.

US-Justizminister Jeff Sessions erklärte, staatlich gesteuerte Hacker-Aktionen und Desinformationskampagnen seien eine ernste Bedrohung für die US-Gesellschaft und die Sicherheit des Landes. Dagegen gehe man entschieden vor.

Nato meldet sich zu Wort

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte und seine britische Kollegin Theresa May erklärten in einem gemeinsamen Statement, die Cyberangriffe zeigten "erneut die Missachtung des GRU gegenüber globalen Werten und Regeln, die uns alle beschützen". Sie wollten internationale Institutionen gegen jene verteidigen, die ihnen schaden wollten.

Die Nato teilte mit, die Verbündeten stünden solidarisch hinter der Entscheidung der britischen und niederländischen Regierung, Russland wegen seiner Unterwanderungsversuche von internationalen Gesetzen und Institutionen anzuprangern. Russland müsse seine rücksichtslosen Verhaltensmuster beenden, sagte der Generalsekretär des Militärbündnisses, Jens Stoltenberg.

Die Spitzen der EU warfen Moskau "aggressive Akte" vor. "Wir bedauern solche Aktionen, die das Völkerrecht und die internationalen Institutionen untergraben", heißt es in einer Erklärung.

London: Moskau willkürlich und rücksichtslos

Bei Gesprächen zu Cybersicherheit sagte der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson in Brüssel, Großbritannien und seine Nato-Verbündeten würden in Zukunft Fälle aufdecken, in denen Russland "willkürlich und rücksichtslos" agiere, wie im Fall der Cyberattacken. Die Angriffe seien nicht die Handlungen einer Großmacht, sondern die eines Außenseiters, sagte Williamson. Britische Regierungsvertreter hatten den GRU bereits für den Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter im Frühjahr dieses Jahres verantwortlich gemacht.

Moskau hatte jegliche Verantwortung für den Anschlag zurückgewiesen. Auch mit Blick auf die Cyberangriffe betonte das russische Außenministerium, London habe keine echten Beweise für die Anschuldigungen präsentiert. Die Fantasie der britischen Behörden kenne keine Grenzen mehr. "Hier wird einfach alles vermischt: GRU, Cyperspione und Kremlhacker. Das ist einfach eine Parfümmischung aus der Hölle", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Donnerstag in Moskau.

Der Satz war eine Anspielung auf die Angaben britischer Ermittler, wonach das Nowitschok-Gift in einer Parfüm-Probe transportiert worden sei. Eine Britin war gestorben, nachdem sie sich mit dem im Müll gefundenem vermeintlichem Parfüm eingesprüht hatte.

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