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WhatsApp erst ab 16 - Kinder, Eltern und Schulen müssen reden

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WhatsApp-User müssen künftig mindestens 16 Jahre alt sein. Kontrollieren wird der Messenger das nicht. Eltern und Schulen werden die Nutzung ihrer Kinder weiter begleiten müssen.

Das Logo von WhatsApp auf einem Smartphone
Das Logo von WhatsApp auf einem Smartphone
Quelle: dpa

"Bitte bestätige, dass Du mindestens 16 Jahre alt bist, bevor Du dieses Angebot nutzt." Dazu wird der Messenger-Dienst WhatsApp seine Nutzer künftig auffordern, denn ab 25. Mai gilt in der EU eine neue Datenschutzverordnung. Sie zwingt WhatsApp zu der Altersbeschränkung. Eine ernsthafte Kontrolle, etwa durch eine Kopie des Personalausweises, gehört aber nicht dazu - obwohl klar scheint: Auch scheinbar harmlose Messenger wie WhatsApp bergen Gefahren. Deswegen sollten Kinder und Jugendliche sie nicht unbegleitet nutzen.

Davor warnen Medienpädagogen wie Peter Holnick schon lange. Er hält von der geplanten Altersvorgabe nichts. Das Verfahren erinnert ihn an die freiwillige Selbstkontrolle (FSK) bei Filmen. Ob ein Film oder eine App für einen Menschen geeignet sei, hänge von seinem Entwicklungsstand ab: "Das hat mit dem Alter nur sehr wenig zu tun", sagt Holnick. Abgesehen davon würden sich viele auch nicht an so ein Altersgebot halten. Das gelte auch für die Eltern, sagt er. Die wenigsten werden "ihrer 13-jährigen Tochter ab heute Abend die Nutzung von WhatsApp verbieten." 

Von den Schulhöfen in WhatsApp-Gruppen und zurück

Eine Begleitung durch die Eltern ist unerlässlich. Denn sich austauschen, sich selbst darstellen oder sich auch einfach nur verabreden - all das findet bei Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt statt. Was dabei häufig fehlt, sind Menschen, die vermitteln: "Was ist eine Haltung, was ist ein Wert, wie gehen wir miteinander um? Wie schreiben wir Kommentare, wie bewegen wir uns in sozialen Netzwerken? Wenn es die gäbe, dann wäre ein Mindestalter gar nicht vonnöten – wir haben ja auch fürs Fahrradfahren keine Altersbeschränkung, obwohl auch hier viel passieren kann", erklärt Holnick.

Was passiert, wenn Kinder unbeaufsichtigt Social Media nutzen, zeigt sich für Holnick an nahezu allen hessischen Schulen: Reibereien verlagern sich von den Schulhöfen in WhatsApp-Gruppen. Und Streitigkeiten aus WhatsApp-Gruppen finden ihren realen Niederschlag im Klassenzimmer. Das ist per se nichts Schlimmes. Kritisch wird es erst, wenn Kinder im Netz dauerhaft und gezielt beleidigt, bloßgestellt oder gar bedroht werden, wie die Initiative "Schau-hin" erklärt.

Problem Cybermobbing

Der inzwischen 13-jährige Lukas Pohland hat solches Cybermobbing selbst erlebt: "Cybermobbing ist schlimm, weil es im Internet stattfindet und man davor zum einen nicht weglaufen kann, das heißt es begleitet einen immer." Laut einer Studie der TU Berlin reicht die Bandbreite dabei von gegenseitigen Beschimpfungen (Flaming) über Bloßstellen und Betrügerei (Outing und Trickery) bis zu fortwährender Belästigung (Cyberstalking) oder gar Androhung körperlicher Gewalt (Cyberthreat).

Für die Opfer ist besonders belastend, "dass man oft nicht weiß, wer dahintersteckt. Vielleicht ist es einfach jemand, der einem am nächsten Tag auf dem Schulhof ins Gesicht lächelt oder vielleicht ein guter Freund", erklärt Lukas. Teilweise gibt es auch WhatsApp-Gruppen gegen Lehrkräfte. Viele Täter, laut Holnick oft Jugendliche in der Hochphase der Pubertät, haben aber überhaupt keine Ahnung, was sie für Schäden anrichten können. "Das Problem ist, dass die Mediennutzung oft nicht reflektiert wird – weder vom Elternhaus noch von der Schule." Er plädiert daher dafür, Erziehung neu zu denken: "Wir müssen wesentlich mehr miteinander kommunizieren über Apps und Inhalte."

Dafür engagiert sich auch Lukas. Er will, dass Medienerziehung fest in den Schulunterricht aufgenommen wird. Er hat sogar eine Initiative gegen Cybermobbing gegründet. Fest steht: WhatsApp ist nicht für Kinder und Jugendliche geeignet - jedenfalls nicht ohne Aufsicht von Erwachsenen. Daran ändert auch ein Altersgebot nichts.

WhatsApp hat bis zur Veröffentlichung dieses Artikels noch keine Stellung zum Thema bezogen.

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