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WHO warnt vor Gefahren - Polio-Impfquoten zu niedrig

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In Deutschland haben inzwischen weniger Kinder einen Impfschutz gegen Kinderlähmung als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Dabei ist die Gefahr nicht gebannt.

Impfung einer jungen Frau. Archivbild
Polio ist nicht heilbar - nur eine umfassende Impfung kann den Ausbruch von Kinderlähmung verhindern.
Quelle: Carsten Rehder/dpa

In Deutschland werden zu wenige Kinder gegen Polio geimpft. Nach den jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) für 2017 lagen die Impfquoten gegen Kinderlähmung beim Schulstart bei nur noch 92,9 Prozent, teilte die Bundesbehörde zum heutigen Welt-Polio-Tag mit.

Für Polio sollte diese Quote laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation bei mindestens 95 Prozent liegen. Rudi Tarneden, Sprecher des Kinderhilfswerks Unicef, warnte vor der "Gefahr einer falschen Sicherheit". Viele Eltern würden die Auswirkungen nicht mehr kennen.

"Die meisten Eltern sind nicht gegen das Impfen. Aber sie kennen die dramatischen Auswirkungen der Kinderlähmung nicht mehr aus eigener Anschauung. Das macht gleichgültig", sagte er. Hinzu komme, dass auch in Deutschland Fehlinformationen über das Impfen verbreitet würden und bei Eltern Ängste und Impfskepsis forcierten.

In 50er Jahren noch Tausende Tote in Deutschland

"Kinderlähmung ist bitter. Schluckimpfung ist süß." Die Slogans früherer Gesundheitskampagnen kennt in Deutschland nur noch die ältere Generation. Und auch das Leid ist fast vergessen: Bei den Epidemien 1953 und 1954 gab es in Deutschland Zehntausende Polio-Fälle mit fast 10.000 Toten. Am häufigsten traf es vor den Massenimpfungen Kinder und Jugendliche. Wer überlebte, trug häufig Lähmungen an Armen oder Beinen davon.

Im Alter können sich die Symptome durch die Muskelermüdung wieder verstärken. Bis heute ist Kinderlähmung nicht heilbar. "Der Schrecken von Polio gerät in Vergessenheit, nicht nur in der Bevölkerung, auch bei jungen Ärzten", sagt RKI-Expertin Diedrich. "Sie haben noch nie Polio gesehen und verfügen nur über Lehrbuchwissen."

Impfung in den ersten Lebensjahren

Die Polio-Impfung ist heute Teil der Kombinationsimpfungen für Kleinkinder. Einen kompletten Schutz vor Kinderlähmung gibt es durch vier Impfdosen, die innerhalb der ersten zwei Lebensjahre in Kombination mit anderen Schutzimpfungen erfolgen sollten. Im Alter von 9 bis 17 Jahren sollte die Polio-Impfung dann noch einmal aufgefrischt werden. Danach wird sie nur noch bei Reisen in Risiko-Länder empfohlen.

In Deutschland wird heute mit einem inaktiven Stoff gegen Polio geimpft, der gespritzt wird. Die früher übliche Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff gibt es hierzulande nicht mehr. So werden auch die seltenen Krankheitsausbrüche durch einen Lebendimpfstoff verhindert.

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