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WHO - "HIV-Trend in Europa besorgniserregend"

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Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wächst die HIV-Epidemie in Europa in einer "alarmierenden Geschwindigkeit". Jede zweite Infektion wird erst spät erkannt.

HI-Virus
HI-Virus Quelle: colourbox.de

Mit Blick auf die hohe Zahl von HIV-Neuinfektionen in Teilen Europas schrillen bei der WHO die Alarmglocken. Insgesamt haben sich im vergangenen Jahr etwa 160.000 Menschen in Europa mit dem Virus neu angesteckt. Anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages warnt die WHO-Regionaldirektorin Dr. Zsuzsanna Jakab: "Die HIV-Epidemie breitet sich in Europa in einer alarmierenden Geschwindigkeit aus."

80 Prozent der Neuinfektionen in Osteuropa

Die WHO-Region Europa, zu der auch einige asiatische Staaten zählen, sei derzeit der einzige Kontinent, auf dem die Zahl der HIV-Neuinfektionen weiter ansteige. Besonders dramatisch schätzen WHO-Experten die Lage in Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein. Fast 80 Prozent der Neuinfektionen sind dort registriert worden, vor allem in der Ukraine und in Russland.

In den Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) haben im gleichen Zeitraum mehr als 29.000 Menschen die Diagnose HIV erhalten; davon in Deutschland etwa 3.100. Insgesamt betrachtet sei in Europa noch nie eine so starke Zunahme von HIV-Fällen dokumentiert worden, sagt Jakab. Besorgniserregend sei zudem, dass jede zweite Infektion mit dem Virus zu spät erkannt werde.

HIV: Im Schnitt vergehen drei Jahre von der Infektion bis zur Diagnose

"Im Durchschnitt vergehen drei Jahre von einer Infektion bis zur Diagnose, was viel zu lang ist", sagt Dr. Andrea Ammon, Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Auch in Deutschland wissen nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts heute fast 13.000 Menschen nicht, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind.

Viele Betroffene erhielten die HIV-Diagnose erst kurz vor dem Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids. "Zwei Drittel aller neuen Aids-Diagnosen sind in den Ländern der EU und des EWR binnen drei Monaten nach einer HIV-Diagnose gestellt worden", so Ammon.

WHO: Europa muss Trendwende bei HIV-Epidemie schaffen

Das bedeute, dass die Patienten das gefährliche HI-Virus bereits viele Jahre in sich getragen hätten. In dieser Zeit könnten sie möglicherweise andere Menschen mit dem Virus angesteckt haben. Ammon und Jakab fordern deshalb von der europäischen Politik mehr Mühen im Kampf gegen Aids. "Am Welt-Aids-Tag appelliere ich dringend an alle Länder, jetzt entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um in der Europäischen Region eine Trendwende bei der HIV-Epidemie herbeizuführen", so Jakab.   

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis verwies auf bereits bestehende Programme. Gleichzeitig kündigte er aber für 2018 eine Übersicht der besten Praxismodelle im Kampf gegen den HI-Virus an. "Diese Übersicht beinhaltet Präventionspraktiken und HIV-Frühtests und soll alle Mitgliedsstaaten dazu ermutigen, diese Modelle zu übernehmen", so Andriukaitis.

Dramatische Situation in Osteuropa

Der EU-Gesundheitskommissar sprach zudem davon, im Kampf gegen das HI-Virus in Europa "Grenzen überwinden" zu wollen. Zwar ging er nicht direkt auf die dramatische Situation in Osteuropa ein, dass dort Hilfe am dringendsten nötig ist. Während es in Westeuropa etwa sechs HIV-Neudiagnosen pro 100.000 Einwohner gab, so waren es in Osteuropa 50 pro 100.000 Einwohner.

Im gleichen Zeitraum erhielten in Osteuropa mehr als 11.000 Menschen die Diagnose Aids; fast 4.000 Menschen starben an den Folgen der Immunschwächekrankheit. Zum Vergleich: In den Ländern der EU und des EWR wurde etwas mehr als 3.600 Menschen die Diagnose Aids gestellt; 849 Menschen starben an Aids.

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