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Schätzung der WHO - Zahl der Masern-Toten nimmt weltweit zu

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Obwohl es eine Impfung gibt, steigt die Zahl der Masern-Toten. Fünf Länder sind besonders betroffen von der Krankheit. Die WHO spricht von "Frevel" und "kollektivem Versagen".

Impfpass mit Spritze
Laut WHO bekommen nur rund 70 Prozent der Kinder die empfohlene zweite Masern-Impf-Dosis
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Nach großen Erfolgen bei der Bekämpfung der Masern breiten sie sich derzeit wieder weltweit aus. Rund 140.000 Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr an der hochansteckenden Krankheit gestorben, zumeist Kinder unter fünf Jahren.

Die Zahl der Todesopfer ist im Langzeit-Vergleich zwar gesunken, im Jahr 2000 erlagen noch mehr als 535.000 Menschen der Krankheit. Seit Kurzem steigen die Zahlen jedoch wieder. So gab es 2018 den WHO-Schätzungen zufolge rund 16.000 Masern-Tote mehr als 2017. Vor allem im Kongo verbreiten sich die Masern vielerorts.

WHO beklagt niedrige Impfrate

Ein Grund ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate. Experten beklagen unter anderem Lücken in der Versorgung mit den Impfstoffen. Ähnlich wie die Todeszahlen veränderten sich zuletzt auch die geschätzten Infektionen, die nach einem drastischen Rückgang ebenfalls wieder angestiegen sind. Nach WHO-Schätzungen gab es 2018 knapp 9,8 Millionen Masernfälle, im Jahr davor fast 7,6 Millionen.

Zu den Masernsymptomen zählen ein Ausschlag der Mundschleimhaut und die charakteristischen bräunlich-rosafarbenen Hautflecken. Die Infektion schwächt vorübergehend das Immunsystem, sodass es leichter zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall kommt.

Eine besonders gefürchtete Folge sind bestimmte Hirnentzündungen, die tödlich enden können. Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird laut WHO nur ein Bruchteil der Masernfälle bekannt.

Fünf Länder besonders betroffen

Die weitaus meisten Ansteckungen wurden 2019 bis Mitte November aus dem Kongo gemeldet. Die Behörden gehen davon aus, dass allein dort mehr als 5.000 Menschen an Masern gestorben sind - weit mehr als beim Ebola-Ausbruch seit Sommer 2018 mit rund 2.200 Toten bislang.

In Europa kam es in der Ukraine zu einem großen Ausbruch mit fast 57.000 gemeldeten Fällen. Auch in Liberia, Madagaskar und Somalia gibt es große Probleme mit den Masern. Auf diese fünf Staaten entfällt letztlich fast die Hälfte aller gemeldeten Masern-Fälle.

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Januar bis Ende November 501 Masern-Fälle gezählt - 2018 waren es im selben Zeitraum 528 Fälle. Die Zahlen in Deutschland schwanken von Jahr zu Jahr jedoch sehr. Sie lagen in den vergangenen zehn Jahren zwischen 165 und 2.465 Fällen pro Jahr.

In den USA - die einst als masernfrei galten - ist die Tendenz wieder steigend, das Land verzeichnete so viele Fälle wie seit 25 Jahren nicht mehr. Erst in der vergangenen Woche sind zudem im polynesischen Inselstaat Samoa mindestens 53 Menschen bei einem Masernausbruch gestorben.

"Die Gesundheitssysteme sind in manchen Ländern sehr geschwächt. Da gibt es dann oft Lücken in der Versorgungskette, insbesondere beim Masern-Impfstoff", sagte Marcus Bachmann, für die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" zuletzt mehrmals Einsatzleiter im Kongo. Der Masern-Impfstoff müsse bis zur Verabreichung permanent gekühlt werden, auch das sei in vielen Ländern eine große Herausforderung.

Impfrate von 95 Prozent nötig

Für das kommende Jahr gebe es wenig Grund für Optimismus, sagte Bachmann. Die typischen Probleme in einigen Ländern - schlechte Überwachung und zu langsame Prüfung neuer Fälle, fehlende Impfungen und grundsätzlich Unsicherheit durch Konflikte - ließen sich schließlich nicht "von heute auf morgen" lösen.

Es ist ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten.
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor WHO

"Die Tatsache, dass ein Kind aufgrund einer Krankheit wie Masern stirbt, der durch Impfung vorgebeugt werden kann, ist offen gesagt ein Frevel und ein kollektives Versagen beim Schutz der Verletzlichsten", sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO. Der Organisation zufolge sind die Impfraten im vergangenen Jahrzehnt aber weltweit konstant geblieben.

Die WHO schätzt, dass 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhalten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen.

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