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Was die Klimapläne kosten - 548 Kilometer: Fünf Euro plus minus

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Viel zu wenig, sagen die einen. Viel zu viel, die anderen: Die Koalition gießt ihr Klimapaket in Gesetzesvorschläge. Sie fängt mit dem Reisen an. Fazit: So richtig weh tut’s nicht.

Das Kabinett hat wesentliche Teile des Programms für mehr Klimaschutz beschlossen. Sowohl die Opposition als auch Sozial- und Umweltverbände kritisieren die Pläne der Groko.

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Die Bundesregierung will ihr Klimapaket nun zügig umsetzen. Das Kabinett verabschiedete heute erste Gesetzentwürfe, die nun durch den Bundestag und zum Teil durch den Bundesrat müssen. Sie sollen Anfang des Jahres oder im ersten Quartal nächsten Jahres in Kraft treten. Angefangen hat sie heute zum Beispiel mit dem Thema Mobilität: Die Luftverkehrssteuer soll steigen, Bahntickets auf lange Strecken billiger werden, außerdem soll die Pendlerpauschale steigen. Weil langfristig auch die Verursacher für den CO2-Ausstoß zahlen müssen, ist mit steigenden Benzinpreisen zu rechnen. Geringverdiener sollen einen finanziellen Ausgleich bekommen. Das Ziel der Bundesregierung: Weniger Inlandsflüge, mehr Anreize für Bahnfahrten, um den CO2-Ausstoß zu senken. Das hat Konsequenzen für jeden, der nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Berlin-Frankfurt: Ein Versuch

Welche Änderungen die Parteien noch reinverhandeln, ist heute Spekulation. Was die Umsetzung der Regierungspläne für den Einzelnen aus heutiger Sicht aber bedeuten, lässt sich ausrechnen. Zum Beispiel für die Strecke Berlin - Frankfurt, etwa an einem völlig gewöhnlichen 15. Januar, Start 8 Uhr. Heute würde diese Reise kosten:

  • Mit dem Flugzeug - je nach Komfort - kostet die Reise bei Lufthansa zwischen 81,18 Euro, 101,18 Euro und 151,18 Euro. Pro Flug ist in allen Kategorien im Preis die Luftverkehrssteuer in Höhe von 8,78 Euro einberechnet. Steigt sie, wie die Bundesregierung es plant, und würde Lufthansa dies direkt an die Kunden weitergeben, beträgt die Flugverkehrssteuer bei einer Strecke bis 2.500 Kilometer auf 13,03 Euro. Der Flug würde also um 4,25 Euro teurer. Bei Easyjet gibt es den Flug für 36,37 Euro, allerdings eine knappe Stunde später. Dort wird für Deutschland derzeit eine Luftverkehrssteuer in Höhe von 7,38 Euro berechnet. Bei gleicher Anhebung auf 13,03 Euro würde der Flug 42,02 Euro kosten - wenn auch dort die Erhöhung eins zu eins durchgereicht wird.
  • Die Bahn verlangt für die Fahrt in zweiter Klasse ohne Ermäßigung, Abfahrt 8.05 Uhr ab Berlin Hauptbahnhof, als Supersparpreis 59,90 Euro. Soll Stornierung noch möglich sein, steigt der Preis auf 67,90 Euro. Schnäppchen-Angebot: In der ersten Klasse kostet es an diesem Tag nur geringfügig mehr, nämlich 71,90 Euro. Sinkt nun die Umsatzsteuer von 19 auf sieben Prozent auf Fernverkehrstickets, dann könnte das Supersparpreis auf 52,71 Euro sinken, mit Stornierung auf 59,75 Euro, in der ersten Klasse auf 63,27 Euro.
  • Und mit dem Auto? Legt man die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zugrunde, kostete im Schnitt ein Liter Superbenzin im ersten Halbjahr 2019 1,42 Euro. Für 548 Kilometer zwischen Berlin Hauptbahnhof und Frankfurt Hauptbahnhof kostet die Fahrt bei einem angenommenen Verbrauch von sieben Liter pro 100 Kilometer reine Benzinkosten - ohne Fahrzeugabnutzung oder Versicherung - 54,52 Euro. Steigt wie angenommen nun der Spritpreis um 3 Cent werden es 55,68 Euro.

Fazit: Wechsel-Anreiz noch ziemlich gering

Fazit: Wer in Deutschland verreist, wird vermutlich immer noch das Verkehrsmittel benutzen, das zu ihr oder ihm und dem Reiseanliegen am besten passt. Also stimmen Zeit, Erreichbarkeit von Bahnhof oder Flughafen, muss viel Gepäck transportiert werden, verreist man in der Gruppe oder allein? Denn bei einer durchschnittlichen Strecke von 500 Kilometer schwanken die Kosten je nach Verkehrsmittel um rund fünf Euro mehr oder weniger. Anders sieht es natürlich aus, wenn man das ganze Jahr in den Blick nimmt. Dann kann es zum Beispiel bei einer Gesamtfahrleistung von 25.000 Kilometern im Jahr mit dem Auto um gut 125 Euro teurer werden. Wenn es bei einer Steigerung von drei Cent bleibt. Aber auch das ist - offen.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert kritisiert die Kabinettsbeschlüsse zum Klimapaket der Bundesregierung als "sozial ungerecht" und bezeichnet die Erhöhung der Pendlerpauschale als "umweltschädliche Subvention".

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Allerdings sind andere Faktoren noch nicht einberechnet. Werden beispielsweise die 25.000 Kilometer mit dem Auto für den Weg zur Arbeit gefahren und beträgt die einfache Wegstrecke mehr als 20 Kilometer, steigt die Pendlerpauschale. Dann könnten die Mehrkosten bei der Steuer gelten gemacht werden. Noch interessanter wird es vielleicht, wenn gleichzeitig auch die Kfz-Steuer umgestellt wird, die das Fahren umweltschonender Autos begünstigen will. Wie das aussehen könnte, hat die Bundesregierung noch nicht gesagt. Vielleicht wird aber auch der Umstieg vom Auto auf die Bahn tatsächlich attraktiver, indem nicht nur Tickets billiger, sondern auch die Züge pünktlicher oder der Takt häufiger wird. Aber auch das ist - offen.

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