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Demokratische Republik Kongo - "Kampf gegen Ebola wird immer wieder sabotiert"

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Seit einem Jahr wütet Ebola im Ostkongo. Mit ein Grund: der ungelöste Konflikt in der Region. Was das für die Helfer bedeutet, weiß Guido Krauss von der Diakonie Katastrophenhilfe.

Helfer befüllen das Grab eines Ebola-Opfers, aufgenommen am 29.08.2019 in Beni (Kongo)
Helfer befüllen das Grab eines Ebola-Opfers in Kongo
Quelle: Reutersein kind reagiert, als ein gesundheitshelfer ihm den ebola-impfstoff injiziert

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) ist heute in der Demokratischen Republik Kongo, wo er unter anderem die Provinzhauptstadt Bukavu besucht. Ein Thema der Reise ist die Ausbreitung von Ebola im Kongo. "Wir können der Ausbreitung des Virus nicht weiter tatenlos zusehen", sagte er in Bukavu, wo die gefährliche Seuche seit 13 Monaten nicht in den Griff zu bekommen ist.

heute.de: Schon mehr als ein Jahr wütet das gefährliche Ebola-Virus im Osten der Demokratischen Republik Kongo, dabei gilt Ebola inzwischen als heilbar. Was macht den Kampf gegen das Virus so schwierig?

Guido Krauss: Wir haben es im Nordosten des Kongo zum ersten Mal mit einer Ebola-Epidemie in einem aktiven Konfliktgebiet zu tun. Dort sind mehr als 100 Milizengruppen aktiv. Die Lage dort ist sehr unübersichtlich: Frontlinien und Kampf-Koalitionen ändern sich ständig. Wer kann, flieht vor dem Krieg. Für die Helfer ist es extrem schwierig, die Ebola-Patienten und deren Kontaktpersonen zu überwachen und zu behandeln. So kann sich das Virus immer weiter ausbreiten. Zum Vergleich: Der Ebola-Ausbruch in der Provinz Äquator im Nordwesten des Kongo vor einem Jahr konnte schnell eingedämmt werden und hat nur relativ wenige Todesopfer gefordert.  

Karte: Demokratische Republik Kongo - Uganda
Karte: Demokratische Republik Kongo mit der Hauptstadt Kinshasa liegt in Zentralafrika.
Quelle: ZDF

heute.de: Unter welchen Bedingungen arbeiten die Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe im Ebola-Gebiet?

Krauss: Die Lage im Ostkongo ist schwierig, weil der Konflikt sehr dynamisch ist. Das heißt: Wir können kaum langfristig planen und kommen in bestimmte Gebiete überhaupt nicht hinein, um dort die Bevölkerung über Ebola aufzuklären oder Gesundheitsstationen wieder arbeitsfähig zu machen.

heute.de: Werden die Helfer bedroht?

Krauss: Ja, es gab dort bislang mehr als 200 Überfälle auf Helfer verschiedener Organisationen und Gesundheitseinrichtungen. Das bedeutet, dass der Kampf gegen Ebola immer wieder sabotiert wird und sich das Virus weiter ausbreiten kann. Inzwischen sind im Konfliktgebiet fast 3.000 Menschen an Ebola erkrankt und mehr als 2.900 Menschen daran gestorben.  

heute.de: Welchen Schwierigkeiten sind die Helfer bei ihrer Arbeit noch ausgesetzt?

Krauss: Wir sprechen von einem Gebiet, in dem seit 20 Jahren Krieg und Misstrauen herrschen. Das Unwissen über Ebola ist groß und die Menschen fürchten sich schlichtweg, wenn plötzlich Fremde in Schutzkleidung und mit Sprühgeräten in die Dörfer kommen. Die Helfer wollen alles desinfizieren, aber viele Dorfbewohner glauben nicht mal an die Existenz von Ebola. Da prallen Welten aufeinander.

Fragen und Antworten zu Ebola:

heute.de: Was kann die Diakonie Katastrophenhilfe leisten?

Krauss: Das ist vor allem Prävention. Die Aufklärungsarbeit machen wir schon lange und auch dort, wo Ebola bisher nicht ausgebrochen ist. Das heißt: Wir gehen mit unseren Partnern aus der Region in die Dörfer und erklären den Menschen in Schulen oder auf öffentlichen Plätzen, was es mit Ebola auf sich hat und wie sie sich schützen können. Wir stellen außerdem Handwaschstationen vor öffentlichen Einrichtungen auf und bauen in den Eingangsbereichen von Kliniken so genannte Triagen auf, wo Mitarbeiter Besuchern unter anderem die Körpertemperatur messen, um Ebola-Verdachtsfälle direkt zu isolieren.

Ein Kind wird von ein Gesundheitshelfer mit Ebola-Impfstoff injiziert, aufgenommen am 06.08.2019 in Goma (Kongo)
Helfer injiziert Ebola-Impfstoff in Goma (Kongo)
Quelle: Reutersein kind reagiert, als ein gesundheitshelfer ihm den ebola-impfstoff injiziert

heute.de: Die deutsche Bundesregierung will die Demokratische Republik Kongo mit 50 Millionen Euro im Kampf gegen Ebola unterstützen. Wie stark kann diese Summe helfen?

Krauss: Das ist erstmal eine ganze Menge Geld, aber die Summe relativiert sich ein wenig, wenn man bedenkt, dass die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass bis zum Jahresende mehr als 250 Millionen US-Dollar benötigt werden. Bislang standen davon 45 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Jetzt kommt das Geld aus Deutschland hinzu - das ist ein positives Signal, aber es reicht noch lange nicht aus.

heute.de: Im Kongo hungern derzeit geschätzt acht Millionen Menschen, obwohl das Land reich an Bodenschätzen ist. Was macht Ihnen Hoffnung, dass das Leid so vieler Menschen in absehbarer Zeit eingedämmt werden kann?

Krauss: Mit Blick auf die Ebola-Patienten macht mir zunächst mal Hoffnung, dass es jetzt hochwirksame Impfstoffe gibt. Zusätzlich gibt es Medikamente, die wohl wirken. Im Kampf gegen Hunger und Elend würde langfristig nur ein Kriegsende helfen. Der Krieg ist letztlich verantwortlich für die gesamte humanitäre Not in diesem Land.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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