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Zahlen des dritten Quartals - So kommt der Umbau der Deutschen Bank voran

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Die Deutsche Bank kommt mit ihrem Umbau voran. Das aber geht nur mit hohen Belastungen. Die Zahlen für das dritte Quartal sind weiter tiefrot.

Die Zentral der Deutschen Bank in Frankfurt. Archivbild
Die Zentral der Deutschen Bank in Frankfurt. Archivbild
Quelle: Arne Dedert/dpa

So stand zwischen Juli und September ein Verlust von 832 Millionen Euro unter dem Strich. Im zweiten Quartal hatte die Bank noch einen Verlust von knapp 3,2 Milliarden Euro verbucht. Die Belastungen erklärt das Geldhaus mit dem Abbau von Geschäften und Derivaten. Die zählen nicht mehr zum Kerngeschäft.

Vorstandschef Christian Sewing zeigt sich aber zufrieden: "Obwohl wir die umfassendste Restrukturierung unserer Bank seit zwei Jahrzehnten auf den Weg gebracht haben, haben wir im dritten Quartal in unseren vier Kerngeschäftsbereichen Gewinne erzielt. Die Transformation ist in vollem Gang, mit spürbaren Fortschritten auf der Kostenseite und beim Risikoabbau."

Schon wieder ein Verlustjahr

Damit dürfte 2019 ein weiteres Verlustjahr für das Geldhaus werden. Auch für das kommende Jahr stellte Finanzvorstand James von Moltke nur ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht. Für 2018 hatte die Bank zwar zunächst einen kleinen Gewinn von knapp 270 Millionen Euro gemeldet. Doch vor wenigen Wochen hatte sie die Bilanz wegen der Neustrukturierung der Geschäftsbereiche nachgerechnet. Nach dieser "Pro-forma-Berechnung" stand für das zweite Quartal ein kleiner Verlust von 52 Millionen Euro unter dem Strich.

Für das dritte Quartal weist sie nun einen Gewinn von 353 Millionen Euro vor Steuern aus. Der Gewinn ist insofern beachtlich, als die Bank gleichzeitig Belastungen von 315 Millionen Euro verkraften musste. Die Geschäfte, die sie abwickeln will, hat sie in der Abbaueinheit zusammengefasst. Die erwirtschaftete einen Verlust von einer Milliarde Euro vor Steuern.

Neue Sparte Unternehmensbank

Er geht die richtigen Themen an. Er baut die Kosten ab, im Investmentbanking fokussiert er stärker.
Philipp Häßler von Pareto Securities über das Vorgehen Sewings

Dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing den Konzern umbaut, das sehen die meisten Beobachter jedoch positiv. "Er geht die richtigen Themen an", meint etwa Philipp Häßler von Pareto Securities: "Er baut die Kosten ab, im Investmentbanking fokussiert er stärker."

Kern der neuen Deutschen Bank soll die neue Sparte Unternehmensbank werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert. Daneben zählen das Privatkundengeschäft, die Vermögensverwaltung und die verschlankte Investmentbank zum Kerngeschäft.

Denn die Bank hat sich aus dem Aktienhandel zurückgezogen, das war offenbar der wesentliche Grund, warum die gesamten Einnahmen der Bank um 15 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro gesunken sind. Im für die Bank wichtigen Anleihegeschäft hat sie jedoch anders als ihre großen amerikanischen Wettbewerber 13 Prozent weniger Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal generiert. Dieses Segment, einst Aushängeschild der Bank, wird zurechtgestutzt.

Dass die Deutsche Bank nun so stark umbaut, sei auf Versäumnisse der Vorgänger zurückzuführen, kritisieren Analysten. "Die Weichen wurden vor Jahren falsch gestellt", moniert Häßler, man habe sich zu lange zu stark im Investmentbanking engagiert. "Das hätte man schon vor sieben oder acht Jahren zurückfahren müssen." Doch damals habe man wahrscheinlich noch gehofft, dass sich das Zinsgeschäft wieder erholt.

Umbau birgt auch Risiken

Doch der Umbau berge auch Risiken, kritisiert Jan Lennertz, Analyst von Independent Research. Die Kapitalausstattung der Bank sei begrenzt, die Aktionäre seien wohl kaum noch willens, die Bank zu stützen. Mögliche Strafen aus den Gerichtsverfahren spielen zwar nur noch eine geringere Rolle.

Doch so wirklich ruhig ist die Lage noch nicht: So wird wegen Geldwäsche in Verbindung mit der Danske Bank ermittelt, ebenso im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften. Das alles wirkt nicht unbedingt vertrauensbildend.

Im Plan liege die Bank beim Kosten- und Stellenabbau. Die Kosten stiegen jedoch um vier Prozent auf 5,8 MilIiarden Euro. Innerhalb eines Jahres hat sie 4.750 Stellen abgebaut. Erstmals seit der Übernahme der Postbank im Jahr 2010 beschäftigt sie nun weniger als 90.000 Mitarbeiter.

Bis 2022 will sie 18.000 Stellen abbauen. Etwa die Hälfte davon könnte auf Deutschland entfallen. Das bestätigt das Geldhaus zwar nicht, aber es beschäftigt knapp die Hälfte seiner Mitarbeiter in Deutschland. Ende 2022 soll die Zahl der Vollzeitstellen damit nur noch bei 74.000 weltweit liegen. Details zu den weiteren Jobabbau-Plänen nannte von Moltke jedoch nicht.

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