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Milchversorgung - Kuhhandel mit Katar

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Not macht erfinderisch - und Geld vieles möglich. Der Golfstaat Katar versucht, die Krise in Profit umzumünzen. Um die Milchversorgung im Land - trotz Blockade der Nachbarstaaten - sicherzustellen, fliegt das Emirat Tausende Milchkühe ein. Holstein-Rinder aus deutscher Zucht.

Die sunnitisch regierten Nachbarländer Katars haben die Beziehungen zu dem Emirat unterbrochen und das Land diplomatisch und wirtschaftlich isoliert. Katar unterstütze Terrororganisationen, heißt der Vorwurf.

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Ein kleiner Wüstensturm wirbelt Sandkörner in die Luft, die Mitarbeiter am Flughafen Doha wischen sich den Schweiß von der Stirn. Zwei Uhr morgens, 39 Grad Celsius, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Gerade sind 165 Rinder aus Europa gelandet. In 32 Boxen werden sie auf elf Lkw umgeladen - und auf eine Farm in der Nähe von Doha gebracht.

Crash-Kurs im Melken

"Es ist heiß, wahnsinnig feucht. Ich bin pitschnass, aber sehr zufrieden", sagt Caleb Brown. Er ist Farmmanager in Budapest und begleitet die Rinder von Ungarn nach Katar. Er wird die nächsten vier Wochen dafür sorgen, dass es den Kühen gut geht. Und zugleich den Einheimischen beibringen, wie man die Tiere versorgt, sie melkt, welches Futter sie kriegen. Schlaflose Nächte stehen ihm und seinen örtlichen Mitarbeitern bevor.

Investitionen statt Krise? Katar steckt sich selbst hohe Ziele. Es ist ein Mega-Projekt, 7.000 Bauarbeiter sorgen auf der gigantischen Farm dafür, dass hier in den nächsten Wochen 30 klimatisierte Ställe entstehen. Bis Ende des Monats sollen hier insgesamt 4.000 Kühe eingeflogen werden, in den nächsten zehn Monaten sollen es gar 25.000 sein.

Die Krise: Chance statt Hürde?

Der Kuhhandel wird zum Prestige-Projekt. Noch vor der Blockade hat Katar 80 Prozent seiner Lebensmittel importiert, die Milchprodukte kamen bislang aus dem benachbarten Saudi-Arabien. Doch die haben die Grenze dicht gemacht, den Handel gestoppt. "Die Blockade ist für mich als Geschäftsmann, aber auch für Katar als Land ein großer Vorteil und eine Chance auf Selbstständigkeit, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Es wird unser Land stärken", so Ramis al-Chajat, der Inhaber der Farm.

Manche sehen Katar schon als künftige Exportnation. "Katar ist schon jetzt nicht mehr dasselbe Land wie vor der Blockade. Unsere Industrie wird aufblühen. Die Sache mit den Kühen ist nur der Anfang, ein kleiner Teil des Puzzles", verspricht der Geschäftsführer Yousef al-Jaida vom Qatar Financial Center.

Signal der Stärke

Die Ställe gehören zu den modernsten der Welt, meint Ramis al-Chajat. Die Klimaanlage sorgt für 25 Grad, Ventilatoren verströmen eine leichte Brise in den Hallen. "Den Tieren wird es bei uns besser gehen als in Europa", versichert Ramis al-Chajat. Dabei dürfte er an Massentierhaltung denken und nicht an Freiland-Kühe auf sattgrünen Alpenwiesen.

Ob sich der Kuhhandel volkswirtschaftlich auszahlt, ist fraglich, momentan aber auch zweitrangig. Katar strotzt vor Selbstbewusstsein. Und will ein Signal der Stärke aussenden. An die eigene Bevölkerung, aber vor allem an die Nachbarn, die für die Blockade verantwortlich sind.

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