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ELN-Guerilla in Kolumbien - Wochenende der Angst

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In Kolumbien drohen die Friedensgespräche mit der marxistischen ELN-Guerilla zu scheitern. Stattdessen sorgt eine Drohung der Rebellen unter der Zivilbevölkerung für Unruhe.

Rebellen der ELN
Rebellen der ELN Quelle: dpa

Vor ein paar Tagen explodierten in Kolumbien wieder einmal die Bomben. Bei gezielten Terroranschlägen auf Polizeistationen durch die zweitgrößte Rebellengruppe des südamerikanischen Landes, die marxistische ELN-Guerilla, starben mindestens sieben Polizisten. Mehr als 40 Menschen, darunter auch zahlreiche Zivilisten, wurden zum Teil schwer verletzt. Die Anschläge lösten im ganzen Land Entsetzen und Wut aus.

ELN will Einfluss im Drogenhandel 

Denn eigentlich verhandelt die ELN-Führung derzeit mit der Regierung von Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos in Ecuador über einen Friedensvertrag. Sie folgt damit dem Muster der erfolgreichen Gespräche des Staates mit der FARC, der größten Guerillagruppe, die inzwischen einen Friedensvertrag unterschrieb und sich als Partei politisch engagiert. Doch die Gespräche in Quito sind ins Stocken geraten, seit rund um den Jahreswechsel der bilaterale Waffenstillstand endete und es zu neuen Gewaltausbrüchen kam.

Hintergrund ist offenbar, dass die ELN ihren Einflussbereich im Drogenhandel ausdehnen will. Bei Gefechten mit der Armee starben mehrere Rebellen, die ELN ihrerseits attackierte militärische Einrichtungen und Soldaten. Auch Mitglieder anderer ideologisch eigentlich befreundeter Guerillagruppen wurden ermordet.

Bevölkerung soll nicht über Land fahren

In dieser Woche folgte eine weitere Eskalation: Die ELN warnte die Bevölkerung vor Überlandfahrten. Vier Tage lang sollen die Kolumbianer von Samstag an nicht über Land verreisen, wer sich trotzdem ins Auto setze, müsse mit Attacken auf den Autobahnen rechnen. Das ruft bei den Kolumbianern dunkle Erinnerungen an längst vergangene Zeiten hervor, als die damals noch aktive FARC immer wieder die Verkehrswege attackierte und die Bewegungsfreiheit der Zivilbevölkerung erheblich eingrenzte.

Da viele Kolumbianer aus den Städten aber über das Wochenende mit dem Auto oder dem Bus aufs Land zur Familie reisen, trifft sie eine solche Einschränkung ihrer Freiheit hart.

Die Reaktion aus der kolumbianischen Politik fällt hart aus. Präsident Santos ließ bislang die Gespräche ruhen. "Zwischen dem, was die ELN sagt, wenn sie über den Frieden spricht, und dem, was sie tut, muss es eine Übereinstimmung geben", erklärte er jüngst. Bislang konnten sich beide Seiten noch nicht auf einen neuen Waffenstillstand einigen.

Die beiden Parlamentsvorsitzenden Efrain Cepeda (Senat) und Rodrigo Lara (Kammer) fordern die Regierung zu Konsequenzen auf: Die neue Ankündigung der ELN müsse auch mit Blick auf die jüngsten Anschläge zum Abbruch der Gespräche führen, forderte Cepeda. Lara übte sich in einer martialischen Androhung: "Es ist die Stunde zu zeigen, dass wir über die kompetentesten antisubversiven Streitkräfte der Welt verfügen."

Retten, was zu retten ist

Hinter den Kulissen versucht derweil die katholische Kirche zu retten was zu retten ist. Sie fungiert als einer der Ansprechpartner für beide Seiten. Der Generalsekretär der Nationalen Versöhnungskommission, Pater Dario Echeverri, rief beide Seiten zur Großherzigkeit auf. "Es wäre sehr traurig, diese Gespräche zu verlassen. Der ELN ist es bewusst, dass dieser Prozess für das Land sehr wichtig ist."

 

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