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Handelsbilanz - USA benachteiligt? Ach was!

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Im Handelskonflikt zwischen den USA und der EU lautet US-Präsident Trumps Vorwurf: Die Europäer verkauften mehr Waren in die USA als umgekehrt. Doch die Rechnung geht auch anders.

Der Handelsstreit wird weltweit mit Sorge verfolgt. Archivbild
Der Handelsstreit wird weltweit mit Sorge verfolgt. Quelle: Ben Margot/AP/dpa

Die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump fühlen sich in unterschiedlichen Bereichen des internationalen Handels unfair behandelt. Trump spricht in diesem Zusammenhang frei übersetzt gerne von "Abzocke". Deswegen sieht es der amerikanische Präsident grundsätzlich als legitim an, Strafzölle auf Waren aus anderen Ländern einzuführen, unter anderem bekanntlich gegen die Länder der EU in den Branchen Stahl und Aluminium.

Trump begründet seine Maßnahmen vor allem mit dem amerikanischen Außenhandelsdefizit; der Tatsache also, dass die USA mehr Waren aus anderen Ländern der Welt importieren als sie in diese Länder exportieren. Der Vorwurf richtet sich auch gegen die EU, vor allem gegen Deutschland. Allerdings ist die Sache keineswegs so eindeutig, wie sie der amerikanische Präsident darstellt.

"Isolierte Betrachtung macht wenig Sinn"

"Wir sollten bei dieser Diskussion nicht vergessen, dass die USA ein höheres Exportvolumen an Dienstleistungs- und Vermögenseinkünften gegenüber Europa aufweisen. Dieses übersteigt das US-Warenhandelsdefizit mit der EU", sagt Eveline Metzen, Geschäftsführerin der amerikanischen Handelskammer in Deutschland. "Die isolierte Betrachtung des Handelsdefizits zwischen Deutschland und den USA macht in einem Binnenmarkt wie der EU daher wenig Sinn."

Die AmCham ist eine bilaterale Wirtschaftsvereinigung von US-Unternehmen, die in Deutschland produzieren oder ihre Waren verkaufen; und deutschen Unternehmen, die umgekehrt regen Handel mit und Wirtschaftsbeziehungen in die USA pflegen. Ziel der Lobby-Organisation ist es unter anderem, die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die AmCham daher gegen die eingeführten oder angedrohten Strafzölle zwischen beiden Wirtschaftsräumen ausgesprochen.

Ifo: Handelsüberschuss seit 2009

Berufen können sich AmCham und andere Kritiker der Sichtweise Trumps unter anderem auf das Ifo-Institut. Dort haben sich die Forscher offizielle Bilanzen des amerikanischen Bureau of Economic Analysis genau angesehen. Sie sind zu der Erkenntnis gekommen, dass die USA kein Defizit in der Handelsbilanz mit der EU haben, sondern einen Überschuss. Und das seit 2009. "Die wirtschaftlichen Beziehungen der EU mit den USA sind relativ ausgeglichen. Das ist schon seit etwa 10 Jahren so, mit einem leichten Vorteil für Amerika", sagt der Chef der Ifo-Außenwirtschaftsabteilung, Gabriel Felbermayr.

Die unterschiedlichen Ergebnisse und Bewertungen der Handelsbilanz unterscheiden sich in der Auswahl der Statistiken, die man heran zieht. Trump hat recht, wenn er behauptet, dass es ein Ungleichgewicht im Warenhandel zwischen der EU und den USA gibt, sprich: Die EU exportiert deutlich mehr Waren in die USA als umgekehrt. Im ersten Jahr von Trumps Amtszeit lag das Volumen der "Überschuss-Güter" bei rund 120 Milliarden Euro. Und die Exportnation Deutschland hat wesentlichen Anteil an diesem Ungleichgewicht.

Trump sieht Dienstleistungen und Dividenden nicht

Allerdings ändert sich das, wenn man sich nicht die Handelsbilanz, sondern die Leistungsbilanz anschaut. In diese Statistik fließen neben den gehandelten Waren auch Dienstleistungen, Gewinne von Unternehmen oder Zinsen und Dividenden ein. Der europäische Überschuss von 120 Milliarden Euro bei Waren und Gütern verringert sich dann gegen Null. Denn die USA haben einen Überschuss im Bereich der Dienstleistungen von über 40 Milliarden Euro. Über 80 Milliarden Euro sind es sogar bei Einkommen und Dividenden, die aus Investitionen in Europa in die USA fließen. So können Experten wie Eveline Metzen und Gabriel Felbermayr zu ihrem Schluss kommen, dass die Beziehungen zwischen den USA und der EU relativ ausgeglichen sind.

Zum Verwirrspiel trägt übrigens die Tatsache bei, dass europäische Ökonomen wie Felbermayr die Daten aus den USA heran ziehen, um ihre Lesart einer ausgeglichenen Bilanz zwischen beiden Wirtschaftsräumen belegen zu können. Donald Trump kann sich dagegen einfach die Daten der Europäischen Statistiker von Eurostat berufen. Denn die bescheinigen der EU in der Außenhandelsbilanz mit den USA den von Trump gerne zitierten Überschuss.

Trotzdem: Ein Ungleichgewicht

Während man also in der Gesamtschau wohl von einer ausgeglichenen Bilanz zwischen den USA und der EU sprechen kann, trifft das für Deutschland nicht zu. Hier kann man es drehen und wenden, wie man will: Der Exportweltmeister erzielt den USA gegenüber einen satten Exportüberschuss. In diesem Fall können kleine Überschüsse der USA bei Dienstleistungen und Dividenden das Ungleichgewicht nicht ausgleichen.

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