Sie sind hier:

Twittern zum #tvduell - Alles bereit für den Kampf um die Deutungshoheit

Datum:

Es ist ein Highlight des Online-Wahlkampfs: Zum TV-Duell twittern Tausende Nutzer pro Minute, auch sie entscheiden über den Sieger des Abends. In den Parteizentralen sind sie auf den Kampf um die Deutungshoheit bestens vorbereitet - mit vielleicht einer Ausnahme.

Seit 2002 gibt es das TV-Duell: Schröder gegen Stoiber, Schröder gegen Merkel und dann Merkel gegen Steinmeier und Steinbrück. Sehen Sie hier ein kurzes Best of.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

In der CDU-Parteizentrale stehen schon die Getränke kalt, Orangenlimonade zum Beispiel. In der zweiten Etage im Adenauerhaus sitzen 30 Online-Redakteure und Campaigner. Hier sind sie bereit für die Auseinandersetzung im Internet. Sie twittern twitterfähige Zitate ihrer Chefin. Sie facebooken facebookfähige Bilder der Kanzlerin. "Es geht darum, die eigenen Leute zu motivieren", sagt CDU-Kampagnenleiter Stefan Hennewig der ZDF-Sendung "Berlin direkt".  Und natürlich wolle man auch jenseits der Filterblase in den sozialen Netzwerken Wähler mit den eigenen Inhalten erreichen.

"Das TV-Duell ist so etwas wie das Champions-League-Finale für politische Campaigner", sagt auch Tobias Nehren, der ein paar Kilometer weiter im Willy-Brandt-Haus sitzt. Auch der SPD-Onlinechef ist gut vorbereitet auf diesen wichtigen Abend. Mit Infografiken und Faktenchecks wollen er und sein Team die Botschaften von Martin Schulz in die sozialen Netzwerke transportieren. "Wir versuchen, die Leute zu informieren", sagt er. Martin Schulz werde schon eine gute Vorstellung abliefern. Die SPD-Zentrale verlängere diese Botschaft dann in die sozialen Netzwerke.

Zielgruppe Meinungsmacher: "Die richtigen Leute" erreichen

Die Diskussion im Internet zeitgleich zum TV-Duell zu steuern, ihr den eigenen Stempel aufzudrücken, den Spin zu bestimmen - darum geht es. Denn auf das TV-Duell schauen nicht nur bis zu 20 Millionen Fernsehzuschauer. Auch Hunderte Journalisten sind im TV-Studio in Berlin-Adlershof. Sie lesen Twitter, verfolgen Facebook-Kommentare und nehmen wahr, welche Meinung sich online durchsetzt. Um diese Multiplikatoren geht es den Strategen in den Parteizentralen. "Es gucken viele Journalisten drauf, wer wie viele Erwähnungen bekommt", sagt Nehren. Insofern erreiche man bei Twitter schon auch "die richtigen Leute."

So weit der Plan. Doch 2013 zeigt das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück: Das Internet hat seine eigene Dynamik. Nicht etwa der Mindestlohn bestimmt die Diskussion bei Twitter. Die meisten unterhalten sich über die schwarz-rot-goldene Schland-Kette der Kanzlerin. "Wollt ihr sie noch vier Jahre am Hals haben? Glaubt mir, ich als Kette weiß, wovon ich rede", twittert der eilig angelegte Account @schlandkette. Merkel, ihre Kette und der Account stehlen allen Parteistrategen die Show. Darauf waren sie nicht vorbereitet in den Parteizentralen. Könnte sich so etwas wiederholen?

Ein Fehler - und plötzlich wäre alles emotional

Ja, glaubt Medientrainer Benjamin Denes. "Die sozialen Netzwerke lieben grundsätzlich Pannen, Blackouts, Fehler", sagt er. Gut möglich also, dass das Unerwartete alle Online-Strategien der Parteizentralen über den Haufen wirft. "Was auch passieren kann, ist, dass Martin Schulz Angela Merkel plötzlich massiv angreift, dann würde es emotionalisiert werden." Sollte sich die Debatte hingegen lediglich an den Parteiprogrammen abarbeiten, dürfte nichts wirklich viral gehen, also zu einem plötzlichen Online-Hit werden.

Auf einen Erfolg im Netz - darauf hoffen auch die kleinen Parteien. Grüne und Linke, AfD und FDP: Sie alle haben ihren Online-Wahlkampf massiv aufgerüstet. Bei den Grünen halten etwa 3.000 Unterstützer als sogenannte Netzfeuerwehr Ausschau nach gezielten Falschmeldungen. Die Linke hat eine Whats App-Gruppe mit Social Media-Multiplikatoren eingerichtet. Und die Jungen Liberalen haben ein Cafè im Osten Berlins gemietet. Von hier aus verfolgen sie das TV-Duell im Public Viewing. Zehn eigens engagierte Unterstützer twittern, facebooken und instagrammen eigene Inhalte.

Wie Christian Lindner doch noch Teil des Duells wird...

"Gerade weil wir nicht Teil des Duells sind, sondern eben nur von außen in das Duell eingreifen können, wollen wir den Fernsehzuschauer in den sozialen Medien überzeugen, dass es eine dritte Meinung gibt", sagt Tjark Thönßen von den Jungen Liberalen. Auf den Computern seiner Kollegen basteln sie derweil an schwarz-weiß-pinken Photoshop-Grafiken mit dem Bild Christian Lindners. Ein Klick, und Lindners Digitalbotschaft ist zumindest in den sozialen Netzwerken Teil des Duells. Alles bereit also für den Kampf um die Deutungshoheit.

Die Autoren twittern live aus Berlin-Adlershof: @BrittaBuchholz und @dominikrzepka

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.