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Südafrika - Wie die Wassernot Kapstadt spaltet

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Der "Day Zero" ist weg - die Wasserknappheit ist geblieben. Noch immer gelten 50 Liter pro Person und Tag. Die Sparauflagen treffen die Ärmsten erheblich schwerer als die Reichen.

Wassernot in Kapstadt: Noch immer gilt die Beschränkung auf 50 Liter pro Person und Tag. Die Sparauflagen treffen die Ärmsten erheblich schwerer als die Reichen.

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Es war der Tag, vor dem sich alle gefürchtet haben: der "Day Zero", der Moment, an dem die Verwaltung von Kapstadt die öffentliche Wasserversorgung ausschaltet und nur noch kritische Institutionen versorgt werden. Vor kurzem hat die Stadt den "Day Zero" abgesagt. Aber warum eigentlich? Viel hat sich nicht geändert. Die Pegelstände der Stauseen sind auch in der vergangenen Woche weiter gesunken. Kritiker, wie die "Water Crisis Coalition" werfen der Regierung vor, sie habe den "Day Zero" ausgerufen um Angst zu verbreiten, ohne jegliche wissenschaftliche Basis.

Warten auf Regen

Die Stadt hofft, dass das noch vorhandene Wasser ausreicht, bis der Winterregen einsetzt. Am Westkap Südafrikas ist das ab zirka Mai der Fall. Der Regen, der im Winter fällt, muss die Stadt durch den trockenen Sommer bringen. Nur hat es in den vergangenen drei Wintern viel zu wenig geregnet. Experten sprechen von der schlimmsten Dürre seit mehr als 100 Jahren. Zwar gab es mittlerweile den einen oder anderen Schauer, doch um den "Day Zero" sicher abzuwenden, reicht das nicht.

Es gilt der Notstand, und das Law Enforcement, eine Art Ordnungsamt, kontrolliert, ob sich die Bürger an die Sparauflagen halten.

Auf Patrouille mit dem Ordnungsamt

Die entscheidende Frage bei den Kontrollen lautet: "Wo kommt das Wasser her?" Wer ein eigenes Bohrloch hat, also Grundwasser benutzt, darf dies mit Einschränkungen relativ umfangreich tun. So ist es zum Beispiel erlaubt, das Auto zu waschen. Selbst ein Golfplatz oder der Garten dürfen mit Grundwasser gewässert werden, sofern man das innerhalb der erlaubten Zeiten tut.

Ganz anders sieht es aus, wenn es um Wasser geht, das aus dem öffentlichen Leitungsnetz der Stadt kommt. Bei diesem Wasser gelten sehr strenge Auflagen: den Garten sprengen oder Autowaschen ist damit verboten. Bei Verstößen drohen besonders hohe Bußgelder.

Was das in der Praxis heißt, haben wir erlebt, als wir das Ordnungsamt zwei Tage lang bei ihrer Patrouille begleitet haben: im wohlhabenden Kapstadt und im Township. Unser Fazit: Die Regelungen führen in einer Stadt, wo die Kluft zwischen Arm und Reich riesig und die Infrastruktur entsprechend unterschiedlich ist, zu extremer Ungerechtigkeit.

Die Ärmsten trifft es am härtesten

Beispiel Khayelitsha. Es ist eines der größten Townships am Rande von Kapstadt. Hier kann sich kaum einer ein eigenes Bohrloch leisten. Die meisten Menschen sind auf das wenige Wasser angewiesen, das aus den Hähnen kommt, die über das Township verteilt sind. Dieses Wasser kommt aus dem öffentlichen Netz der Stadt, heißt: Autowaschen streng verboten!

Doch genau damit verdienen viele Menschen hier ihren Lebensunterhalt. Wer mit diesem Wasser Autos wäscht, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 3.000 Rand, umgerechnet 200 Euro. Dass die Menschen in den Townships zu diesem Wasser meistens keine Alternative haben, spielt vor dem Gesetz keine Rolle.

Gleiches Recht für alle?

"Wir wenden überall die gleichen Gesetze an", sagt Wayne Dyason vom Ordnungsamt. Klingt fair, in der Praxis bedeutet es aber: Im "reichen" Kapstadt bohren Firmen und Privatleute ins Grundwasser - so können selbst Autowaschanlagen weiter laufen. Im Township verlieren die Autowäscher ihren Job, so wie Andile Ndabe. Vor zwei Jahren hat er einen kleinen Autowasch-Service gestartet. Jetzt erwischten ihn die Beamten, wie er dafür Wasser aus dem öffentlichen Netz verwendete.

Das Bußgeld in Höhe von 3.000 Rand sei mehr, als er im Monat verdiene, sagt er. "Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll. Früher war ich kriminell, aber ich habe mich geändert. Jetzt machen sie meinen Laden dicht. Ich habe gar keine andere Wahl, als wieder kriminell zu werden, und den Leuten, die ich beschäftigt habe, geht es genauso", sagt Andile.

Gleiches Recht für alle? Nach Gerechtigkeit fühlt sich das in der Wasserkrise nicht an.

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