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Datenschutzgrundverordnung - Wie Facebook sich den neuen Regeln unterwirft

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Facebook setzt die EU-Regeln zum Datenschutz um und fragt die Zustimmung zu Werbung und Gesichtserkennung ab. Zustimmen kann der User sofort. Ablehnen ist komplizierter.

Facebook blickt nicht ohne Sorgen in die Zukunft. Archivbild
Facebook blickt nicht ohne Sorgen in die Zukunft Quelle: Richard Drew/AP/dpa

Der Countdown läuft. Am 25. Mai tritt die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. Bis dahin müssen alle Unternehmen ihre Datenschutzregeln an die neuen Vorschriften angepasst haben. Auch Facebook setzt zurzeit die neuen Regeln um. An seinem Geschäftsmodell ändert das weltgrößte soziale Netzwerk nichts.

Datenschutzverordnung stärkt Nutzerrechte

Die DSGVO will dem Nutzer die Hoheit über seine Daten zurückgeben. Daten dürfen nur erhoben, gespeichert und verarbeitet werden, wenn der Nutzer einverstanden ist. Facebooks Geschäftsmodell basiert auf personalisierter Werbung. Damit Werbeanzeigen genau auf den User zugeschnitten werden können, müssen möglichst viele Daten ausgewertet werden.

Das aber ist nur noch dann erlaubt, wenn der Nutzer über die Verwendung seiner Daten informiert wird und zustimmt. Seit Mitte April fragt Facebook deshalb bei jedem Nutzer nach, ob er mit der Verwendung seiner Daten für personalisierte Werbung einverstanden ist. Welche Antwort sich Facebook wünscht, ist unschwer zu erraten. Denn das Unternehmen macht es seinen Nutzern deutlich leichter, personalisierte Werbung zu akzeptieren als abzulehnen.

Zustimmen ist leichter als ablehnen

Screenshot Facebook-App Datenschutz
Facebook-App Datenschutz

Wer zustimmen will, tippt in der Facebook-App auf eine blaue Schaltfläche, die mit "Akzeptieren und fortfahren" beschriftet ist. Wer widersprechen will, muss auf die optisch unscheinbare Schaltfläche "Dateneinstellungen verwalten" tippen und sich durch zwei weitere Bildschirmseiten hangeln, die die Vorteile personalisierter Werbung aufzählen. Von Nachteilen ist nirgendwo die Rede. Erst danach lässt sich diese Form der Werbung abwählen.

Nach demselben Schema holt sich Facebook die Zustimmung zur Gesichtserkennung. Mit dieser Funktion können Personen auf Fotos und in Videos automatisch erkannt und markiert werden. Damit das funktioniert, wird aus dem Profilfoto sowie aus Fotos, auf denen der Nutzer bereits markiert wurde, ein sogenanntes Template mit typischen Gesichtsmerkmalen erzeugt. Neu hochgeladene Fotos und Videos werden dann mit diesen Daten abgeglichen.

Gesichtserkennung nur nach Zustimmung

Den ersten Anlauf zur Einführung der Gesichtserkennung unternahm Facebook vor rund sechs Jahren – ohne die Zustimmung der Nutzer einzuholen. Nach Protesten von Datenschützern zog Facebook die umstrittene Funktion in Europa und Kanada zurück. Die Umstellung auf die DSGVO nutzt das Unternehmen nun, um die Funktion in Europa wieder einzuführen – diesmal jedoch nur für Nutzer, die ausdrücklich zustimmen.

Aber auch hier macht es Facebook seinen Nutzern deutlich leichter, der Gesichtserkennung zuzustimmen, als sie abzulehnen. Zustimmen kann man in der Facebook-App sofort. Wer die Funktion ablehnen will, dem werden auf zwei Bildschirmseiten noch einmal ausführlich alle vermeintlichen Vorteile der Gesichtserkennung aufgezählt. Erst danach kann man sich zwischen "Zulassen" und "Nicht zulassen" entscheiden.

Schattenprofile bei Facebook

Wer personalisierter Werbung zustimmt, akzeptiert zugleich, dass Facebook Daten von Drittanbietern benutzt, um Werbung auf den User zuzuschneiden. Diese Daten werden zum Beispiel erhoben, wenn man sich auf Webseiten bewegt, die einen aktiven "Gefällt mir"-Button besitzen. Hier werden aber nicht nur Daten von Facebook-Mitgliedern, sondern auch Daten von Nichtmitgliedern gesammelt. Letztere werden in sogenannten Schattenprofilen abgelegt.

Auf der Entwicklerkonferenz F8 hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg kürzlich eine Funktion namens "Clear History" angekündigt. Damit soll es Facebook-Nutzern künftig möglich sein, alle Daten einzusehen und zu löschen, die das Unternehmen auf Webseiten von Drittanbietern sammelt. Das Tracking soll man zudem auch völlig unterbinden können. Wann diese Funktion eingeführt wird, steht noch nicht fest. Dass sie schon ab dem 25. Mai verfügbar sein wird, ist auszuschließen.

E-Privacy-Verordnung soll Tracking einschränken

Wer kein Facebook-Nutzerkonto habe, müsse weiterhin ohne eine solche Kontrollfunktion auskommen und sein Schattenprofil hinnehmen, sagt Marc Al-Hames von der Münchener Firma Cliqz, Anbieter des gleichnamigen Browsers, der als besonders datenschutzfreundlich beworben wird. "Sie können der Datenerhebung nicht widersprechen, erhalten keine Einsicht in die Daten, die Facebook über sie erhebt, und können sie nicht löschen lassen." Das sei ein Verstoß gegen die DSGVO, meint Al-Hames.

Es bleibt abzuwarten, wie Aufsichtsbehörden und Gerichte in dieser Frage entscheiden. Hier wird auch zu berücksichtigen sein, dass in Brüssel zurzeit über eine weitere Verordnung zum Datenschutz, der E-Privacy-Verordnung, verhandelt wird. Sie soll das Nutzer-Tracking strenger regulieren und Browserhersteller zum Beispiel verpflichten, ihre Programme nur noch mit datenschutzfreundlichen Voreinstellungen auszuliefern. Datensammler wie Facebook hätten es dann schwerer, Nutzer auf ihren Surftouren im Web zu verfolgen.

Fragen und Antworten zur DSGVO

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