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G7-Treffen - Facebooks "Libra"-Pläne sorgen Finanzminister

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Facebook will die Internetwährung "Libra" einführen. Unter den G7-Ländern gibt es massive Bedenken. Groß sind mögliche Risiken, gering, was Facebook bis jetzt darüber preisgibt.

Digitalwährung Libra von Facebook
Facebook will die Digitalwährung Libra schaffen.
Quelle: reuters

Viel deutlicher kann ein Finanzminister seiner Skepsis kaum Ausdruck verleihen: "Es ist wichtig zu wissen, dass sich viele Leute große Sorgen machen", sagt Olaf Scholz zu Facebooks Vorhaben, mit "Libra" eine Art eigene Währung zu etablieren. Wie dem Deutschen geht es auch den anderen Finanzministern der G7-Staaten, die seit heute im französischen Chantilly beraten. Selbst die USA, das Heimatland des Internetgiganten und des hinter den Plänen stehenden Konsortiums, stehen "Libra" überaus kritisch gegenüber. "Manchmal hat Trump sogar Recht", hört man in Chantilly hinter vorgehaltener Hand, nachdem der US-Präsident via Twitter gegen "Libra" gewettert hatte.

Noch weiß niemand, was genau Facebook und Co tatsächlich planen. Bereits vor dem öffentlichen Bekanntwerden waren zwar bereits Delegationen des Konsortiums bei den wichtigsten Zentralbanken in den USA und Europa vorstellig geworden, aber nur mit eher vagen Aussagen. So kommt es, dass sich die einen vor einer Quasi-Währung fürchten, die das alleinige Vorrecht, über gesetzliche Zahlungsmittel zu bestimmen, angreifen und die Stabilität von Euro, Dollar und Franken gefährden könnte.

Virtueller "Bank run" möglich?

Andere wiederum scheinen nach außen hin gelassener zu sein. Vielen Zentralbankern gilt "Libra" eher als Versuch, lediglich ein weiteres "Zahlungsmittel" an den Markt zu bringen, wie es mit Kreditkarten und Internetbezahldiensten wie PayPal ja bereits viele gibt. So gesehen, eine willkommene Konkurrenz zu den Banken, die bei jeder Transaktion die Hand für Gebühren weit aufhalten.

Genau aber weiß man es eben noch nicht. Besonders der sogenannte "Währungskorb", mit dem Facebook das Libra-Business unterlegen will, weckt Misstrauen: Was passiert, wenn sich dort etwa die Gewichte verschieben, Kunden und Anleger das Vertrauen in das virtuelle Geld verlieren? Experten fürchten dann so etwas wie einen virtuellen "Bank run" – zurück zur eigenen, echten Währung. Libra würde wohl kollabieren, massenhaft Guthaben und Forderungen (zum Beispiel unbezahlte Rechnungen vom Shopping im Internet) blieben offen. Am Ende könnte sich wiederholen, was in der Finanzkrise passiert ist: Ein paar wenige Privatunternehmen machen den großen Reibach bis der Laden zusammenbricht, aber alle Steuerzahler bezahlen dann die Zeche.

Also einfach verbieten? Das gehe nicht in Marktwirtschaften, hört man, aber wenigstens so schwer wie möglich will man es Libra schon machen. Kein Wirtschaftsbereich ist so umfassend und so streng reguliert wie die Finanzindustrie, aus gutem Grund. Für jede Art von Geschäft müssen von den Aufsichtsbehörden Lizenzen, also Genehmigungen erteilt werden, mit strengen Konditionen. Will Libra nur Zahlungen weiterleiten, gelten andere Konditionen, als wenn auch Kredite angeboten würden. Das wäre die höchste Hürde, eine Banklizenz. Selbst dann aber dürften Kredite nur in richtigen Währungen vergeben werden, alles andere sei verboten. Bislang aber will Libra offenbar keine Banklizenz beantragen. Nur, was dann?

Anonyme Konten ausgeschlossen

Viele weitere Fragen sind ebenso offen: Wie sollen Verbraucherschutz gewährleistet und illegale Finanzgeschäfte, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung unterbunden werden? Anonyme Konten, wie beim normalen Facebook-Account, schließen die Aufseher kategorisch aus. "Know your customer" ist ein ehernes Prinzip, Geldgeschäfte dürfen nur abgeschlossen werden, wenn alle Teilnehmer eindeutig identifiziert sind.

Und was, wenn das Konsortium hinter Libra auf all diese Vorschriften pfeift? Und von einer exotischen Bananenrepublik aus einfach seine Macht über die digitale Welt voll ausspielen und Libra einfach als Währung im Internet durchdrücken will? Unwahrscheinlich, meinen Experten, die es halbwegs wissen dürften: Erstens wolle Facebook Libra in der Schweiz ansiedeln, sich dort auch lizenzieren und sich, zweitens, ausdrücklich der Regulierung unterwerfen – nur so könne es schließlich das nötige Vertrauen aufbauen, ohne das Kunden und Anleger ihr Geld niemandem anvertrauen. Drittens könne man es dann ja immer noch verbieten.

Das sind so viele Ungewissheiten, dass derzeit nur eines sicher zu sein scheint: Den geplanten Termin zur Markteinführung von Libra im nächsten Jahr kann Facebook wohl vergessen.

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