Sie sind hier:

Wie CO2 einen Preis erhält - Bezahlen müssen wir sowieso

Datum:

Am Freitag stellt das Klimakabinett die Weichen dafür, welche Art der Bepreisung von CO2 eingeführt werden soll - CO2-Steuer oder Zertifikatehandel. Gezahlt werden muss so oder so.

Rauch steig aus einem Kohlekraftwerkauf, aufgenommen am 28.011.2018 in Belchatow (Polen)
Um den Ausstoß von Kohlendioxid zu begrenzen, gibt es zwei Vorschläge vom Zertifikatehandel bis hin zur CO2-Steuer. (Archivfoto)
Quelle: Reuters

Der europäische Zertifikatehandel, kurz "EU-ETS" existiert seit 2005. Seitdem gingen die Emissionen in der EU um 29 Prozent zurück. In Deutschland waren es in diesem Zeitraum nur 18 Prozent. Vergangenes Jahr mussten hierzulande insgesamt 1.870 Kraftwerke und energieintensive Industrieanlagen wie Stahl-, Zementwerke oder Raffinerien am ETS-Handel teilnehmen. Von den insgesamt knapp 800 Millionen Tonnen CO2, die in Deutschland emittiert werden, machen diese Sektoren ungefähr die Hälfte aus.

Überangebot senkt Preis der Zertifikate

Der europäische Zertifikatehandel ist relativ komplex. Er basiert darauf, dass die Betriebe für ihre Anlagen so viele Zertifikate kaufen müssen, dass sie die CO2-Emissionen des vorangegangenen Jahres damit abdecken können. Hat ein Unternehmen seine Emissionen gesenkt, braucht es auch weniger Zertifikate. Derzeit gibt es ein Überangebot von 1,6 Milliarden Tonnen.

Dieses Überangebot hat in der Vergangenheit auch den Preis der Zertifikate stark fallen lassen. Die EU hat deshalb die sogenannte Marktstabilitätsreserve (MSR) eingeführt. Hier fließen in diesem Jahr von dem Überschuss 400 Millionen Tonnen hinein. Auch im nächsten Jahr wird das so sein, um die Zertifikate-Menge zu reduzieren. Zudem werden vom EU-weiten Gesamtbestand pro Jahr 1,74 Prozent gelöscht. Das sind 38 Millionen Tonnen. Ab 2021 werden es 2,2 Prozent sein - 48 Millionen Tonnen pro Jahr.

Heizungen und Verkehr werden nach ihrem CO2-Ausstoß bepreist

Die Bereiche Gebäude, also Heizungen, und der Verkehr nehmen nicht an dem Zertifikatehandel teil. Ihr Ausstoß ist somit nicht gedeckelt und zum Beispiel beim Verkehr auch nicht gesunken. Die Politik muss nun entscheiden, ob die Bereiche Heizen und Verkehr mit einem Zertifikatehandel reguliert werden, oder ob auf die Emissionen eine CO2-Steuer erhoben werden soll.

Was sind die Vor- und Nachteile? Das Ökoinstitut in Freiburg hat im Auftrag der Agora-Energiewende eine Studie erarbeitet. Der Vorteil von CO2-Zertifikaten: Durch die Anzahl der in Umlauf gebrachten Papiere kann man den CO2-Ausstoß regulieren und verringern. Voraussetzung hierfür ist eine ambitionierte Obergrenze für die Zertifikate. Die mittlerweile von der Politik geforderten Höchst- und Festpreise sind aber nicht mit einer festen Obergrenze vereinbar.

Bei einer streng limitierten Anzahl von Zertifikaten ergibt sich der Nachteil, dass es beim marktwirtschaftlichen Preis zu großen Schwankungen kommen kann. Es ist dann schwer kalkulierbar, welche Belastungen für private Haushalte entstehen. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Einführung wegen zahlreicher Gesetzesänderungen und hohem Verwaltungsaufwand mindestens zwei bis drei Jahre dauern würde. Ein nationaler Emissionshandel wäre auch nicht ohne weiteres in einen europäischen zu überführen.

Steuer greift schneller als Zertifikate

Ein Autofahrer tankt Diesel an einer Tankstelle. Archivbild
Kraftstoffe könnten teurer werden. (Archiv)
Quelle: Felix König/dpa

In Anbetracht der Klimaziele, die bis 2030 erreicht werden sollen, ist das nach Meinung von Klimaexperten ein viel zu langer Zeitraum. Ganz konkret müssten dann zum Beispiel der Heizöl- und Kraftstoffgroßhandel diese neuen nationalen Zertifikate erwerben. Die Mehrausgaben würden dann natürlich auf den Verbraucher umgelegt, sprich Heizöl, Diesel und Benzin werden teurer.

Im Gegensatz zur Zertifikatelösung wäre eine CO2-Steuer schneller einzuführen. Hierzu bräuchten nur entsprechende Gesetze verabschiedet werden und sie könnte schon 2020 in Kraft treten. Die Verbraucher und Unternehmen könnten sich schon früh darauf einstellen und erhielten bei ihren Ausgaben Planungssicherheit. Der Nachteil ist, dass durch die CO2-Steuer nicht wie beim Zertifikatehandel die Emissionsmenge festgelegt wird. Sie lässt sich nur schätzen. Wichtig dabei ist die Höhe der Steuer, sprich: Ab welchem Preis pro Tonne CO2 zeigt sie Wirkung und reduziert den CO2-Ausstoß? Auch ist bei einer Steuer die Rückverteilung an die Bürger viel einfacher.

Schon lange CO2-Steuer in Schweden

Landschaft auf der Insle Oland, Schweden
Schweden: Klimaschutz mit CO2-Steuer.
Quelle: colourbox.de

In Schweden hat man schon lange Erfahrung mit einer CO2-Steuer. Sie wurde dort 1991 eingeführt. Damals begann man mit 24 Euro pro Tonne. Sie wurde in kleinen Schritten immer weiter erhöht. Momentan liegt sie bei umgerechnet 115 Euro, die bezahlt werden müssen, um in dem skandinavischen Land eine Tonne CO2 in die Luft pusten zu dürfen.

Die Steuer ist natürlich nicht sehr beliebt, besonders bei den Autofahrern, aber "die CO2-Steuer hat zu einem massiven Umdenken geführt", sagt die schwedische Finanzministerin Magdalena Andersson. Immer weniger Menschen würden mit Öl heizen. Die Fernwärme- und Warmwasserversorgung sei regelrecht explodiert, so die schwedische Ministerin. Es gebe mehr Erdwärmeheizungen und auch die Solarenergie werde immer populärer. Die CO2-Steuer scheint also in Schweden zu wirken.

Lenkungsabgabe in der Schweiz

Auch die Schweiz hat seit 2008 eine CO2-Steuer. Sie wird hier "Lenkungsabgabe" genannt und liegt derzeit bei 96 Schweizer Franken pro Tonne CO2. Die Eidgenossen verwenden die eingenommenen Gelder zu einem Drittel für Maßnahmen und Förderungen bei der Gebäudesanierung. Zwei Drittel gehen als Pro-Kopf-Rückerstattung über die Krankenkassen wieder in die Haushalte. Allerdings ist die Schweiz bisher bei ihrer Lenkungsabgabe nicht konsequent, denn der Verkehr ist davon ausgenommen.

Deutschland hat sich nach EU-Recht dazu verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen in den Bereichen außerhalb des ETS-Handels, also Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft, um 38 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Wird das nicht erreicht, kann Deutschland dies ausgleichen, indem es von anderen Mitgliedsstaaten Zertifikate kauft. Ab 2021 kann das teuer werden, weil wohl weniger Zertifikate zum Verkauf stehen und die Preise dann entsprechend steigen werden.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.