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Meeresspiegel steigt stark an - Wie der Klimawandel Nord- und Ostsee gefährdet

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Der neue Sonderbericht des Weltklimarats warnt: Der globale Meeresspiegel könnte im 21. Jahrhundert um bis zu einen Meter ansteigen. Welche Folgen hätte das für Nord- und Ostsee?

Archiv: Sturmflut an der Nordsee am 94.01.2017 in Dagebuell
Sturmfluten werden künftig wohl intensiver, Wellen höher und Starkregenfälle nehmen zu.
Quelle: DPA

Es ist ein düsteres Zukunftsszenario, das der Weltklimarat in seinem kürzlich veröffentlichten Bericht zeichnet: Der Klimawandel lässt die Meeresspiegel höher ansteigen als bisher angenommen. Ein halber Meter bis zum Jahr 2100 - und das nur vorausgesetzt, die Erderwärmung kann auf zwei Grad begrenzt werden. Aktuell sieht es eher nach drei bis vier Grad aus. Dann droht ein Anstieg von 80 bis 90 Zentimetern. Auch für Nord- und Ostsee hat das Folgen: Im vergangenen Jahrhundert stiegen die Pegelstände hier an. Die Werte lagen dabei im globalen Durchschnitt.

"Im letzten Jahrhundert gab es an der deutschen Nordseeküste einen Anstieg von etwa 20 Zentimetern, an der deutschen Ostseeküste waren es 15 Zentimeter", erklärt Insa Meinke. Sie erforscht am Helmholtz-Zentrum Geesthacht den Klimawandel in Norddeutschland. Noch ist die Klimaforscherin vorsichtig bei der Interpretation: "Das Tempo, mit dem der Meeresspiegel ansteigt, hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben", sagt Meinke. "Wir nehmen die Zahlen des IPCC für den Meeresspiegelanstieg bis Ende des 21. Jahrhunderts aber sehr ernst. 30 Zentimeter höhere Pegel bis zum Jahr 2100 wären noch nicht so schlimm. Für einen Meter Anstieg müssten wir uns stärker wappnen."

50 Zentimeter höhere Deiche als Vorsorgemaßnahme

Deiche, Schutzdünen, Schleusen und Sperrwerke: Etwa 1,1 Millionen Menschen sollen in Niedersachsen damit vor Sturmfluten geschützt werden. Gut 60 Millionen Euro investieren Land und Bund schon jetzt jährlich vor allem für Deiche, bald sollen die Mittel noch einmal aufgestockt werden. Beim Küstenschutz des Landes wird für die Folgen des Klimawandels vorgesorgt: Seit mehr als zehn Jahren wird bei Deicherhöhungen ein sogenannter "Klimabeiwert" eingerechnet - etwa 50 Zentimeter zusätzlich, die dem steigenden Meeresspiegel Rechnung tragen sollen.

Niedersachsen ist das Land mit den meisten von Küstenhochwasser bedrohten Einwohnern. Doch auch in Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern wären Tausende Menschen von einem seltenen oder extremen Hochwasser betroffen.

Deiche nicht unendlich

Auch auf veränderte Wetterbedingungen muss sich der Norden einstellen. Die Niederschläge im Winter beispielsweise haben in Norddeutschland schon um etwa fünf bis zehn Prozent zugenommen. Dieser Trend kann sich künftig noch verstärken. So kann der Winterniederschlag in Norddeutschland bis Ende des Jahrhunderts etwa bis zu 40 Prozent zunehmen", erklärt Klimaforscherin Meinke. "Es gibt auch häufiger Sturmfluten, etwa in Cuxhaven oder in Husum."

Sturmfluten werden intensiver, Wellen höher und Starkregenfälle nehmen zu. "Die Reaktion ist natürlich zu fragen: Ist alles sicher?", meint Gunars Reichenbachs, Sprecher im niedersächsischen Umweltministerium. Seine Antwort: "Ja." Bald soll noch mehr Geld in den Schutz vor Sturmfluten investiert werden, die Rede ist von bis zu 100 Millionen Euro im Jahr. Doch Reichenbachs weiß auch: "Die Deiche werden nicht unendlich sein."

Umweltbundesamt warnt vor Veränderungen des Naturraums

Die veränderten Bedingungen bedrohen auch Tier- und Pflanzenarten: "Wenn die vorhergesagten Änderungen wahr werden, dann haben wir einen völlig anderen Naturraum", warnt die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Eine neue Krabbenart hat sich angesiedelt, außerdem Fischarten, die eher im Mittelmeerraum vorkommen", erzählt der Sprecher des Umweltministeriums. "Wärmeliebende Arten kommen mehr, kälteliebende Arten verschwinden", erklärt Klimaforscherin Meinke.

"Wir müssen jetzt sehr stark Treibhausgas-Freisetzungen vermeiden, damit ein starker Anstieg des Meeresspiegels verhindert wird", sagt sie. Selbst wenn dies gelinge, man könne den Schalter nicht umlegen. "Der Anstieg des Meeresspiegels ist nicht einfach aufzuhalten." Auch Reichenbachs vom niedersächsischen Umweltministerium findet klare Worte: "Wir müssen verdammt noch mal dafür sorgen, dass wir die Erderwärmung begrenzen."

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