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Prognosen und Hochrechnungen - Je später der Abend, desto genauer die Zahlen

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Wenn am Sonntag um 18 Uhr die Wahllokale schließen, warten die Deutschen gespannt auf die Prognosen der Meinungsforscher. Hochrechnungen zum Ausgang der Bundestagswahl folgen später. Erst in der Nacht gibt es das vorläufige amtliche Endergebnis. Wie genau sind Prognosen und Hochrechnungen?

Ein Blick hinter die Kulissen des Berliner Politikbetriebes - mit Witz, entlarvender Schärfe und Expertise auf den Punkt gebracht: Das ist #wahlde. Dieses Mal erklärt Thomas Walde die Bedeutung von Umfragen.

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Die 18-Uhr-Prognose - auch Exit Poll genannt - ist ein erster Trend. Sie kommt dem tatsächlichen Wahlergebnis meist schon sehr nahe. Warum? Weil jedes der Institute viel mehr Menschen befragt als bei den diversen Telefonumfragen vor der Wahl. Zudem werden die Menschen nicht mehr nach möglichen Absichten gefragt, sondern nach einer von ihnen gerade gefällten Entscheidung. "Damit haben wir geringe Fehlermargen", sagt Matthias Jung, Geschäftsführer der Forschungsgruppe Wahlen, die seit 1974 im Auftrag des ZDF Erhebungen erstellt.

Die Forschungsgruppe befragt rund 50.000 Wählerinnen und Wähler und sucht, wie andere Institute auch, die Wahllokale nach dem Zufallsprinzip aus. Vor den so ausgewählten Wahllokalen bitten dann sogenannte Korrespondenten der Meinungsforschungsinstitute Menschen, die gerade ihre Stimme abgegeben haben, einen Fragebogen auszufüllen - freiwillig und anonym. Gefragt wird nach Geschlecht, Alter, Schulbildung, Beruf, Gewerkschafts- und Religionszugehörigkeit und wie Erst- und Zweitstimme vergeben wurden.

80 Prozent geben nach Wahl Auskunft

Damit sammeln die Wahlforscher Einblicke ins Wahlverhalten des deutschen Volks. Die Ergebnisse werden während des gesamten Tages an die Zentralen der Institute übermittelt. Jung weiß, dass Wähler, die schon am frühen Morgen wählen, oft weniger auskunftsfreudig seien als Bürger, die nach dem Mittag und gegen Abend von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Insgesamt würden im Schnitt aber 80 Prozent der Angesprochenen den Fragebogen ausfüllen. Je mehr Menschen in die Wahllokale eilen, desto mehr würden auch befragt, wo sie ihr Kreuze gesetzt haben. Somit spiele die Wahlbeteiligung für die Genauigkeit und Schlüssigkeit der Prognose keine Rolle, so Jung.

Weil jedoch nicht alle Frauen und Männer, die ein Wahllokal verlassen, befragt und auch die Briefwähler bei der Prognose nicht berücksichtigt werden, korrigieren und ergänzen die Meinungsforschungsinstitute zu guter Letzt die Daten. Bei der Forschungsgruppe Wahlen sind das "spezielle Gewichtungsmodelle", die allerdings Betriebsgeheimnis seien, erläutert Jung. Erst dann flimmert die Prognose über die Bildschirme - meist schon Sekunden nach 18 Uhr. Und gibt somit Journalisten und Politikern die Möglichkeit, ihre ersten Interpretationen des Wählerwillens zu verkünden.

Beobachtungen + lokale Ergebnisse = Hochrechnungen

Noch genauer als die Prognose sind Hochrechnungen. Denn sie beruhen nicht mehr auf Umfragen, sondern auf dem tatsächlichen Wahlverhalten. Und je später der Abend, desto genauer fallen sie aus. Sie werden immer exakter, je mehr der insgesamt 299 Wahlkreise ausgezählt sind.

Für die Hochrechnungen beobachten wiederum Korrespondenten amtliche Auszählungen in zufällig ausgewählten Stimmbezirken und melden die Daten an ihre Zentralen. Nach und nach werden auch die amtlichen Ergebnisse der Wahlkreise oder Gemeinden bekannt. Schrittweise rechnen die Institute anhand beider Quellen das Wahlergebnis immer exakter hoch, erläutert Jung. Für die Forschungsgruppe Wahlen arbeiten am Wahlsonntag mehr als tausend Leute.

Langes Warten bei knappen Rennen

Schwer wird es für die Meinungsforscher, Voraussagen zu treffen, wenn sich Parteien Kopf-an-Kopf-Rennen liefern oder wenn sie um die Fünf-Prozent-Hürde herumdümpeln. Dann müssen Parteien, Kandidaten und Wähler bis zum vorläufigen amtlichen Endergebnis warten. Das liegt meist erst spät in der Nacht vor. Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik, musste auf dieses Ergebnis sogar noch bis zum nächsten Morgen nach der Wahl warten. Denn damals gab es noch keine Computer.

Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes werden in diesem Jahr etwa 61,5 Millionen Deutsche wahlberechtigt sein, davon 31,7 Millionen Frauen und 29,8 Millionen Männer. Damit ist die Zahl der Wahlberechtigten voraussichtlich etwas geringer als bei der letzten Bundestagswahl 2013. Damals waren rund 61,9 Millionen Personen wahlberechtigt. Zu den Wahlberechtigten gehören etwa drei Millionen Erstwählerinnen und Erstwähler. Diese Zahl umfasst alle Deutschen, die seit der letzten Bundestagswahl das aktive Wahlrecht erhalten haben - zum Beispiel weil sie volljährig geworden sind.

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