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Langzeitstudie - Alt und Jung zusammen: Alle gewinnen

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Freiburger Wissenschaftler haben untersucht: Wenn Kinder und Senioren sich regelmäßig treffen, profitieren beide Seiten enorm voneinander. Und das ganz in Ruhe.

Senioren und Kinder: Die Ältesten und die Jüngsten unserer Gesellschaft haben kaum noch Berührungspunkte. "plan b" zeigt, wo ein generationsübergreifendes Miteinander neu gedacht wird.

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Schnell mal bei Opa mit dem Rad vorbeidüsen oder Oma beim Waffelbacken helfen – das geschieht heute kaum noch: Die Jüngsten und die Ältesten unserer Gesellschaft haben immer weniger Kontakt. Allein schon, weil inzwischen oft viele Kilometer zwischen Enkeln und Großeltern liegen. Dabei können Kinder und Senioren sich gegenseitig sehr bereichern. Die positiven Effekte eines solchen Miteinanders haben die Pädagogin Dörte Weltzien und der Gerontologe Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg in einem Langzeitprojekt untersucht und erstmals wissenschaftlich belegt: "Das war und ist auf wissenschaftlicher Ebene Pionierarbeit", so Klie.

Ausnahmsweise mal Ruhe

Kinder einer Kita bei Freiburg treffen seit mehreren Jahren einmal pro Woche auf die Senioren eines nahe gelegenen Altersheims, unter wissenschaftlicher Beobachtung. Die Begegnungen finden freiwillig statt, jeder Teilnehmer kann selbst bestimmen, wann er an einem Treffen teilnehmen mag. Dass die Kindergartenkinder immer wieder den Ausflug ins Seniorenheim anderen spannenden Aktivitäten vorziehen, erklärt Pädagogin Weltzien unter anderem damit, dass ausnahmsweise einmal wenig passiert: "Die Begegnungen finden in ruhiger, entspannter Atmosphäre statt, wo die Menschen einfach mal so dasitzen. Das ist in unserer heutigen Zeit wirklich was ganz Besonderes für die Kinder." Gerade Kinder, die sonst sehr aktiv und unruhig seien, kämen im Zusammensein mit den Senioren zur Ruhe.

Eine weitere Erkenntnis der Wissenschaftler: Die Treffen stärken das Selbstbewusstsein der Kinder. Plötzlich können sie Erwachsenen Hilfe anbieten - ein Glas Wasser holen, Brezeln austeilen. "Sie erleben sich selbst dann als kompetent, wo sie sonst immer den Eindruck haben, dass Erwachsene alles können und immer in jeder Beziehung überlegen sind", erklärt Weltzien.

Mehr Verständnis für Demenzkranke

Auch die Hochbetagten profitieren von den gemeinsamen Erlebnissen: Gerade bei Menschen mit Demenz würden "sowohl alte kommunikative, soziale, kulturelle, aber auch hauswirtschaftliche Kompetenzen wieder aktiviert", erklärt Gerontologe Thomas Klie. Zwar wirken solche Glücksmomente nicht über den Moment hinaus. "Aber Glück ist ja meist so oder so flüchtig", so der Wissenschaftler. Und: Auch wenn die Effekte einzelner Begegnungen bei den Senioren nicht so lange nachwirken wie bei den Kindern, würden sie doch nachhaltig zu mehr Lebendigkeit in den Heimen führen.

Besonders interessant: Die Begegnungen führen nicht nur zu Effekten bei Kindern und Senioren, sondern beeinflussten auch die Wahrnehmung des Alters durch die Eltern. Klie stellte vor Beginn des Projekts fest, dass manche Eltern der teilnehmenden Kinder Vorurteile gegenüber sehr alten Menschen hatten. Vereinzelte hatten sogar Angst, ihre Kinder könnten sich mit Demenz anstecken. Die Kinder waren es dann, die ihren Eltern ein realistischeres Bild hochbetagter und dementer Menschen vermittelten.

Regelmäßigkeit für alle wichtig

Das Fazit der Wissenschaftler: Begegnungen zwischen Jung und Alt lassen alle Beteiligten enorm profitieren. Sie regen an, solche Begegnungen zwischen Kindergärten und Seniorenheim selbstverständlich werden zu lassen. Wichtig sei, dass diese Treffen regelmäßig und in einem ruhigen Rahmen stattfinden, in dem sich beide Seiten wohlfühlen.

Die Autorin ist Redakteurin beim ZDF-Magazin plan b.

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