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ZDFzoom: Abgekartetes Spiel? - Wie Lufthansa sich Air Berlin schnappte

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Lufthansa hat im vergangenen Jahr so viel verdient wie noch nie zuvor. Nach Ansicht von Experten hängt das auch mit der Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin zusammen.

Maschinen von airberlin und Lufthansa
Quelle: ZDF

Die ehemals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hatte im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden müssen. Lufthansa allerdings sieht keinen positiven Air-Berlin-Effekt im Ergebnis, so Lufthansa Vorstandssprecher Carsten Spohr auf der Jahresbilanzpressekonferenz. Man habe zwar mehr Einnahmen durch Ticketverkäufe erreicht, aber das Plus sei unter anderem durch die Kosten für das Schließen von Lücken nach dem Air-Berlin-Betriebsaus wieder ausgeglichen worden.

Lufthansa dominiert den innerdeutschen Flugverkehr

Lufthansa hat nach der Air-Berlin-Pleite ihren Marktanteil im innerdeutschen Flugverkehr von 69 auf jetzt 89,2 Prozent erhöht, so das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegenüber dem ZDF. Angesichts der neuen Marktmacht der Lufthansa, die laut DLR auch im europäischen Flugverkehr aus Deutschland heraus mit 41 Prozent aktuell im kritischen marktbeherrschenden Bereich liegt, erwartet nun der Vorsitzende der Monopolkommission, Professor Achim Wambach, die Einleitung eines offiziellen Ermittlungsverfahrens wegen Marktmissbrauchs gegen Lufthansa. Der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt spricht gegenüber ZDFzoom noch von  "Vorermittlungen".

Lufthansa wollte ursprünglich auch die Air-Berlin-Tochter "Niki" erwerben. Der Marktanteil des Unternehmens wäre dann sogar noch größer gewesen. Dagegen erhob die EU-Kommission Einspruch und verhinderte so eine Übernahme. Dennoch fliegen mittlerweile über 75 frühere Air-Berlin-Flugzeuge für die Lufthansa. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Start- und Landerechten, die sogenannten Slots, die Lufthansa erhalten hat. 

Hat LH-Chef Spohr gegen die Spielregeln verstoßen?

Heftige Kritik wird auch am Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa AG, Carsten Spohr, persönlich geübt. Er habe gegen die Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft verstoßen, weil er zwar wertvolle Start- und Landerechte der Air Berlin übernommen habe, nicht aber die dazugehörigen Mitarbeiter der Air Berlin, rügen verschiedene Insolvenzexperten und Oppositionspolitiker. So sagt die Bundestagsabgeordnete Katharina Dröge (Bündnis 90/Die Grünen): "Spohr soll sich schämen." Spohr weist die Vorwürfe zurück. Die Lufthansa-Gruppe habe so viel Air-Berlin-Beschäftigte eingestellt, wie es ihr kartellrechtlich möglich gewesen sei.

Auch das Luftfahrtbundesamt als Aufsichtsbehörde wird von Experten gegenüber ZDFzoom massiv kritisiert. Das Amt hätte Air Berlin schon im Frühjahr 2017 die Betriebsgenehmigung entziehen müssen, weil das Risiko für den Weiterbetrieb aufgrund der finanziellen Schieflage für die Allgemeinheit viel zu groß gewesen sei, sagt unter anderem Christoph Niering, Vorsitzender des Verbandes der Insolvenzverwalter in Deutschland (VID): Die Patronatserklärung des Air-Berlin-Gesellschafters Etihad von Ende April 2017 sei juristisch "viel zu dünn" gewesen. Niering selbst hätte die siebenzeilige Bürgschaftserklärung der arabischen Fluggesellschaft Etihad - als Sicherheit für den Weiterbetrieb der Air Berlin - nicht akzeptiert. Weil aber die Aufsichtsbehörde nicht eingeschritten war, seien noch Zehntausende von Fluggästen geschädigt worden: Deren Tickets seien wertlos geworden.

Droht ein Millionenverlust?

Und auch dem Steuerzahler droht ein Verlust in Millionenhöhe: Nach Auskunft des Insolvenzverwalters Flöther gegenüber ZDFzoom sind von dem 150-Millionen-Kredit der Bundesregierung an Air Berlin bisher nur 61 Millionen Euro zurückgezahlt worden. Ob das Darlehen überhaupt hätte gewährt werden dürfen, überprüft jetzt der Bundesrechnungshof.

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