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Zwischen "Mathematik und Kunst" - Wie man als Instagram-Influencer Erfolg hat

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Influencer gilt vielen jungen Menschen als Traumjob. Doch die Realität besteht oft aus harter Arbeit. Und der Glamour lässt auf sich warten.

Moderatorin und YouTuberin Lisa Sophie Laurent Gamescom Congress
So sieht eine Influencerin aus, die mit Instagram und YouTube ihr Geld verdient: Lisa Sophie Laurent (2018 auf dem Gamescom-Kongress).
Quelle: imago

Lisa Sophie Laurent (24) ist auf YouTube und Instagram erfolgreich. Sie moderiert für "Funk", dem jungen Angebot von ARD und ZDF. Auf YouTube hat sie knapp 336.000 Follower, also Menschen, die regelmäßig das verfolgen, was sie im Internet so veröffentlicht, auf Instagram sind es 65.000 virtuelle Gefolgsleute.

"Das war kein Zuckerschlecken"

Damit hat sie das geschafft, wovon junge Menschen träumen: Sie ist eine Influencerin (die deutsche Übersetzung Beeinflusserin klingt etwas sperrig) und kann von ihren Einnahmen aus YouTube und Instagram leben. Der Weg dorthin sei aber harte Arbeit gewesen: "Das war kein Zuckerschlecken nach dem Motto: hier und da mal ein Foto posten und fertig."

Instagramaccount von Lisa Sophie Laurent
Fast 65.000 virtuelle Gefolgsleute: der Instagram-Account von Lisa Sophie Laurent.
Quelle: instagram.com/lisasophielaurent

Zur harten Arbeit gehörten Beharrungsvermögen, Experimentierfreude - und ganz viel Zeit, die sie im Internet verbracht hat und immer noch verbringt. Erfolg habe nur, wer regelmäßig poste und mit der Community interagiere, sagt Laurent. Das heißt: auf die Kommentare der User eingehen und auf andere verweisen. Sonst wachse die Zahl der Follower nicht - und man werde nicht für Werbekunden interessant.

Mit Fotografen unterwegs

Junge Menschen, die vom Influencer-Dasein träumen, werden von Lauren zwar ermutigt. Sie findet aber: "Unbedingt Influencer werden zu wollen ist vielleicht nicht die beste Motivation." Dafür sei der Markt zu unberechenbar und eine Influencer-Karriere zu wenig planbar. "Es ist besser, wenn man eine Nische hat, die man als Hobby auf Instagram betreibt, und das Stück für Stück ausbaut." Dann mache es auch dann Spaß, wenn der Glamour auf sich warten lasse.

Anders als private Instagram-Nutzer arbeiten kommerzielle meistens in Teams. Laurent zieht für ihre Instagram-Fotos etwa mit einem Fotografen los. "Ich könnte die Fotos auch alleine machen mit einem Stativ und dem Selbstauslöser, aber dann wäre ich deutlich eingeschränkter. Und die Fotos würden nicht so gut."

"Boyfriends of Instagram"

Im kleineren Bereich wird Instagram auch mal zu einem Pärchenprojekt. Unter "Boyfriends of Instagram" kursieren im Netz viele Bilder, wie sich junge Frauen von ihren Liebsten ins rechte Licht setzen lassen. Doch je mehr Follower ein Influencer habe, desto aufwändiger würden die Shootings, weiß Laurent. "Es gibt Influencer, die fliegen mit einem großen Koffer in den Süden. In dem Koffer sind zehn verschiedene Outfits, mit denen dann Fotos mit Blumensträußen und schick drapierten Obstplatten gemacht werden. Mit einem bequemen Strandurlaub hat das wenig zu tun."

Die schöne Bilderwelt von Instagram beschreibt Martin Faltl von der Marketing-Plattform "Reachbird.io" als "Instagram-Authentizität". Darunter versteht er "ein gesundes Maß, die Realität aufzuhübschen". Das heißt: Man bleibe "bei einer sozialen Realität, die die Follower nachvollziehen können". Aber sie werde "etwas schöner, angenehmer" gezeigt. "Auf Instagram will man ein wenig träumen", sagt Faltl. Instagram werde oft flüchtig konsumiert: in der U-Bahn, im Bus, auf der Couch beim Fernsehen. Da sei "positive Inspiration" gefragt - und nicht die schnöde Realität, mit der man oft genug selbst konfrontiert sei.

Algorithmen werten Fotos aus

Ab 10.000 Instagram-Followern werde man für Marken interessant, sagt Faltl - bei Nischenthemen könnten es auch weniger sein. Die Marketing-Plattform, für die Faltl arbeitet, wertet mit Algorithmen Instagram-Posts aus - nicht nur Hashtags, sondern auch die Bildmotive. "So erkennen wir, wer zu welchen Marken und Produkten etwas postet." Die Branche sei auf künstliche Intelligenz angewiesen: "Mit Excel-Listen könnten wir das nicht stemmen."

Mit den gewonnenen Daten werde eine Vorauswahl getroffen, welcher Influencer zu welcher Marke passe. Die Entscheidung, welcher Influencer am Ende Geld bekomme, müsse am Ende aber immer noch ein Mensch treffen. "Nicht jede Ästhetik oder jeder Tonfall passt zu jeder Marke", sagt Faltl.

Erfolg auf Instagram ist für den Marketing-Mann "eine Kombination aus Mathematik und Kunst": Man müsse die Wirkungsweise von Hashtags und Algorithmen kennen - am Ende aber vor allem interessante Fotos liefern. "Und das hat schon auch etwas Künstlerisches."

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