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Gefährliche Heilsversprechen - Wie man medizinische Fake-News erkennt

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Lügen, Mythen, Halbwahrheiten: Wer im Netz nach Gesundheitsinformationen sucht, wird oft mit reißerischen Meldungen in die Irre geführt. Solche Fake-News können gefährlich werden.

Arzt (Symbolbild)
Bei "Dr. Google" bekommt man zwar schneller einen Termin, aber er kann keinen Arzt ersetzen. Quelle: dpa

Was ist wahr, was ist falsch? Was sind Gerüchte, Lügen, Mythen, Halbwahrheiten, was ist mit Fakten belegt? Falschnachrichten findet man im Netz zu vielen Fragen in allen gesellschaftlichen Bereichen – und besonders oft zu Themen aus der Medizin. Unter den acht erfolgreichsten Falschmeldungen, die 2017 bei Facebook verbreitet wurden, befinden sich gleich zwei Meldungen zu Gesundheitsfragen, wie das Nachrichtenportal Buzzfeed ermittelt hat. Beide enthielten die reißerisch verpackte, aber unbewiesene Behauptung, ungeimpfte Kinder seien "signifikant weniger krank". Bei Facebook wurden sie zusammen über 150.000 Mal gelikt, kommentiert und geteilt – mehr als die meisten seriösen Artikel.

Der Wust an Falschmeldungen über neue Wundermittel und Therapien wird täglich größer und für den medizinischen Laien immer undurchschaubarer. Reißerische Schlagzeilen sorgen dafür, dass sich die Meldungen bei Facebook und Co. schnell verbreiten. Sie erhöhen die Zugriffszahlen auf die Portale, die solche Meldungen streuen, und steigern deren Werbeeinahmen. Oft werden dort auch dubiose Ratgeberbücher und Medikamente angepriesen und verkauft.

Wahres und Falsches überlappen sich

Neben der Verbreitung eindeutig falscher Informationen, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten, gebe es zudem einen großen Graubereich, "wo Wahrheit und Falsches oder Spekulationen sich überlappen", sagt Gerd Antes von der Uniklinik Freiburg. Antes ist Gründer und einer der beiden Leiter des Deutschen Cochrane Zentrums. Es verfolgt das Ziel, medizinische Fragen durch Vergleichsstudien auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen.

Medizinische Falschnachrichten schaden dem Nutzer. "Die Konsequenzen sind bestenfalls harmlos, wenn ich zum Beispiel bei einer Erkältung etwas Unwirksames nehme. Es schädigt nur meinen Geldbeutel", sagt Antes. Anders sehe es bei schwereren Erkrankungen aus. Hier auf eine wirksame Therapie und damit auf Heilung zu verzichten, könne "in schweren Fällen den Tod bedeuten, auf jeden Fall aber einen verlängerten Krankheitsverlauf".

"Ein Patentrezept gibt es nicht"

Woran erkennt der Nutzer, der mit Dr. Google im Netz nach Gesundheitsinformationen sucht, eine seriöse Seite, die ihm verlässliche Informationen liefert? "Ein Patentrezept gibt es nicht, dafür ist die Sache zu komplex", sagt Antes. Um Meldungen sicher einschätzen zu können, fehle dem Laien die medizinische und methodische Sachkompetenz. Trotzdem gebe es einige Regeln, die helfen könnten, leeren Versprechungen nicht auf den Leim zu gehen.

"Alle Aussagen über Wirksamkeiten und Risiken oder Nebenwirkungen sind grundsätzlich nur Wahrscheinlichkeitsaussagen", sagt Antes. Das bedeute: "Jede Aussage ‘Hundertprozentige Heilung‘ oder ‘Hilft mit absoluter Sicherheit‘ ist mit hundertprozentiger Sicherheit falsch." Gleiches gelte Antes zufolge für Nebenwirkungen. "Garantiert nebenwirkungsfrei bedeutet garantiert wirkungsfrei, da Nebenwirkungsfreiheit nur garantiert werden kann, wenn tatsächlich gar nichts passiert."

"Gesundes Wissen statt Mythen"

Darüber hinaus sollte man darauf achten, ob Aussagen mit Quellen seriöser Institutionen belegt sind und ob bei diesen Institutionen dann zum Thema auch tatsächlich etwas zu finden ist. Zudem sollte geprüft werden, ob auch andere Medien über das Thema berichten. Hat die Webseite, die man um Rat fragt, ein Impressum, sollte recherchiert werden, in welchen anderen Zusammenhängen der Betreiber bisher in Erscheinung getreten ist.

"Gesundes Wissen statt Mythen", unter diesem Motto will die Smartphone-App MedBusters fundiert, unabhängig und verständlich über Gesundheitsthemen informieren. Die Informationen stammen unter anderem vom deutschen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sowie vom österreichischen Cochrane-Zentrum an der Donau-Universität Krems. Die App ist kostenlos und werbefrei.

Dr. Google kann Arztbesuch nicht ersetzen

Eine weitere verlässliche Quelle ist Gesundheitsinformation.de. Die Webseite wird vom IQWiG mit Inhalten gefüllt. Stiftung Warentest empfiehlt zudem Portale wie Medizin-transparent.at und Krebsinformationsdienst.de.

Die Informationen auf diesen Webseiten mögen hilfreich sein. Den Arztbesuch können sie in keinem Fall ersetzen, sagt Gerd Antes. Denn nur der Arzt habe die Erfahrung, das Fachwissen und die Geräte, um Krankheiten zu erkennen und richtig zu behandeln.

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