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Nach Spitzentreffen - Wie mehr Fachkräfte ins Land kommen sollen

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Die Bundesregierung will im Schulterschluss mit der Wirtschaft mehr ausländische Fachkräfte ins Land locken. Wie das klappen soll.

Fachkräfte händeringend gesucht: Das Fehlen qualifizierter Mitarbeiter wird für immer mehr Unternehmen zum Geschäftsrisiko - doch das Fachkräftepotenzial im Inland allein reicht nicht aus. Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen Deutschland deshalb für Fachkräfte aus dem Ausland attraktiver machen: Sie unterzeichneten am Montag im Kanzleramt eine Absichtserklärung, um die Anwerbung zu fördern.

Es gebe weltweit einen großen Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Spitzentreffen. Deutschland müsse attraktive Arbeitsbedingungen bieten und ein attraktives Umfeld. "Auf jeden Fall ist das wirklich Wichtige, dass wir in den Drittländern als ein weltoffenes, als ein interessiertes Land rüberkommen, so die CDU-Politikerin.

Merkel: Dringend notwendig

Kommenden März tritt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Es soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern. Mit der jetzt unterzeichneten Absichtserklärung streben Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften an, dass das Gesetz schnell Wirkung entfaltet. Die Wirtschaftsvertreter sagten zu, die Fachkräfte bei Spracherwerb, Wohnungssuche und beim Behördenverkehr zu unterstützen. Die Bundesregierung kündigte an, die Vergabe von Visa zu beschleunigen und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen zu erleichtern. "Es ist dringend notwendig, dass wir ein solches Gesetz haben", sagte Merkel.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer rechnet mit einer starken Nachfrage. Er gehe davon aus, "dass wir in den Jahren irgendwann auch in den Hunderttausenden rechnen", sagte er zum Abschluss des Gipfels. Die Wirtschaft brauche die Fachkräfte dringend. Merkel wollte sich nicht darauf festlegen, wie viele Fachkräfte aus dem Ausland nötig seien. Alleine das Handwerk aber könne 250.000 offene Stellen besetzen. Die Kanzlerin betonte, dass die Besetzung freier Stellen mit Bewerbern aus dem Inland weiter Priorität habe.

Einwanderung in Sozialsysteme vermeiden

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem "weitreichenden" Schritt in der Geschichte Deutschlands. "Wir akzeptieren, Einwanderungsland zu sein." Merkel nannte das Gesetz einen Paradigmenwechsel.

Wir akzeptieren, Einwanderungsland zu sein
Finanzminister Olaf Scholz (SPD)

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte: "Es ist überall spürbar, in ganz vielen Bereichen, dass wir mehr Wirtschaftswachstum haben könnten, wenn genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stünden." Es seien Pilotprojekte geplant zur Anwerbung von Fachkräften in Brasilien, Indien und Vietnam. Die Zuwanderung solle in "sozialverträglicher Weise" gelingen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erklärte, es gehe auch darum, das Fachkräftepotenzial in Deutschland zu verbessern. Daneben aber sei Zuwanderung auch aus Nicht-EU-Staaten nötig. Es solle keine Einwanderung in die Sozialsysteme geben. Heil warnte vor "rechtspopulistischer Stimmungsmache".

Zuvor hatte AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kritisiert: "Mit der geplanten Anwerbung von Fachkräften im Ausland wird sich das Problem der Zuwanderung in die Sozialsysteme weiter verschärfen. Am Ende wird es heißen: Wir riefen Fachkräfte und Sozialhilfeempfänger kamen." Es sei sinnvoller, die Abwanderung von Fachkräften aus Deutschland zu stoppen.

Wirtschaft: Wir brauchen das Gesetz

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte, die Wirtschaft brauche das neue Gesetz. Anfang der 2030er-Jahre gebe es wegen der demografischen Entwicklung sechs Millionen weniger Erwerbstätige aus der deutschen Bevölkerung weniger, rechnete Arbeitgeberpräsident Kramer vor. Ganz wichtig sei es, dass sich die Menschen in Deutschland zuhause fühlen könnten.

In der Absichtserklärung heißt es, das "inländische Potenzial" bleibe "die wichtigste Stellschraube" beim Versuch, dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Gleichzeitig wird Deutschland immer stärker auf die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte angewiesen sein. Ausländische Beschäftigte stellen schon jetzt einen wichtigen Teil der Belegschaften in Deutschland und tragen maßgeblich zum Wohlstand Deutschlands bei."

Hotline geplant

Die Bundesregierung hofft, dass ihr Informationsportal "Make it in Germany" mit Hotline und Jobbörse stärker genutzt wird und Unternehmen mehr Stellenangebote für ausländische Fachkräfte melden. Da ausländische Berufsabschlüsse nicht immer mit deutschen Abschlüssen vergleichbar sind, soll die Wirtschaft mit eigenen Bildungseinrichtungen und mit Unterstützung in Betrieben bei der Qualifikation helfen.

Unternehmen in Deutschland sehen den Fachkräftemangel als erhebliches Problem. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags gaben 56 Prozent der Firmen an, dass dies das größte Geschäftsrisiko darstelle. Ein Drittel der Unternehmen hat demnach in den vergangenen Jahren bereits ausländische Fachkräfte aus der EU sowie aus Nicht-EU-Staaten eingestellt.

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