Politik der Nadelstiche wird weitergehen

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Wie reagiert der Iran? - Politik der Nadelstiche wird weitergehen

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Nach dem amerikanischen Raketenangriff auf den iranischen General Soleimani hat die Regierung des Landes Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Wie könnten diese aussehen?

Nach der Tötung des iranischen Generals Soleimani durch einen US-Luftangriff ist die Lage im Irak extrem angespannt. ZDF-Korrespondent Jörg Brase über die aktuelle Situation.

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"Tod für Amerika" riefen sie, viele schwenkten Plakate mit den Bildern  der Getöteten. Wut und Trauer bestimmten die Zeremonie am Samstag in der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Särge der acht Opfer des amerikanischen Raketenangriffes waren auf Militärfahrzeugen aufgebahrt und bahnten sich ihren Weg durch die Menge. Sowohl die irakische als auch die iranische Regierung kündigten an, dass die US-Militäraktion nicht ohne Konsequenzen bleiben werde.

Wie diese Konsequenzen genau aussehen könnten, wird zurzeit noch beraten. Am Samstag äußerte sich mit General Gholamali Abuhamseh erstmals ein hoher iranischer Militär zu möglichen Zielen von Vergeltungsschlägen. Die Straße von Hormus sei ein wichtiger Punkt für den Westen, meinte Abuhamseh laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim. Insgesamt habe man 35 strategische Ziele in der Region ausgemacht, die von iranischen Raketen erreicht werden könnten, erklärte der Regional-Kommandeur der Revolutionsgarden in der Provinz Kerman.

Iran prüft Vergeltungsschläge

Es bieten sich der iranischen Führung in der Tat verschiedene Optionen. So könnten amerikanische Stützpunkte im Irak, Syrien oder auf der arabischen Halbinsel Ziele von Racheakten werden, oder es könnte Angriffe auf US-Marineschiffe im Persischen Golf geben. Auch erneute Terrorattacken auf wichtige Ölpipelines und Raffinerien in Saudi-Arabien oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten wären denkbar. Doch auch eine weitere Eskalation im Streit um das Internationale Atomabkommen ist denkbar.

Atomprogramm könnte erweitert werden

So kündigte Teheran noch am Freitag an, dass es binnen Wochenfrist eine Erklärung zum Thema Atomabkommen abgeben werde. Vor zwei Monaten, Anfang November, hatte Iran moderne und leistungsfähige Uran-Zentrifugen im bisherigen Forschungsreaktor Fordo in Betrieb genommen und damit gegen einen wichtigen und sensiblen Punkt im Atomabkommen verstoßen.

Kurz nachdem der Tod von General Soleimani bekannt geworden war, hatte sich die russische Regierung zu Wort gemeldet und erklärt, dass diese Tat auch Auswirkungen auf die zukünftige iranische Atompolitik haben könnte. Der Iran könnte sich nun endgültig nicht mehr an das Atomabkommen gebunden fühlen, verlautete der Kreml. Und auch, wenn Teheran niemals den Bau einer Atombombe geplant habe, könne Iran nun die Entwicklung von Atomwaffen erwägen.

Bei Krieg wären die USA der Angreifer

Für welche Antwort sich das iranische Regime letztlich entscheiden wird, ist zurzeit noch völlig offen. Allerdings werde man "nicht emotional und überhastet" reagieren, erklärte der Sprecher der Streitkräfte, General Abdolfazi Shekarchi am Samstag. Allerdings habe sein Land jedes Recht, sich gegen den Angriff zu wehren. Man werde die Antwort genau abwägen und dann "entschiedene und starke" Maßnahmen ergreifen.

Wenn es Krieg gebe, so Shekarchi, dann würden die USA der Angreifer sein – und der Iran werde noch entschlossener darauf reagieren. Nach Einlenken von Seiten des Iran klingt das erwartungsgemäß nicht. Die Politik der Nadelstiche und gegenseitigen Provokationen wird sich fortsetzen.

Jörg Brase leitet das ZDF-Studio in Istanbul. Dem Autor auf Twitter folgen: @JorgBrase

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