ZDFheute

Wie sinnvoll ist ein deutscher Weltraumbahnhof?

Sie sind hier:

Pläne des BDI - Wie sinnvoll ist ein deutscher Weltraumbahnhof?

Datum:

Der BDI fordert zum wiederholten Mal die Einrichtung eines deutschen Weltraumbahnhofs. Doch wie sinnvoll ist eine Startinfrastruktur im dicht besiedelten Deutschland?

Grafische Darstellunge des Satelliten Aeolus der Europäischen Raumfahrtagentur esa
Grafische Darstellunge des Satelliten Aeolus der Europäischen Raumfahrtagentur esa
Quelle: dpa

Deutschland soll einen Weltraumbahnhof bekommen. Zumindest wenn es nach dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht. Gerne wiederholt dessen Präsident, Dieter Kempf, seine Forderung. Satelliten- und Weltraumtechnik seien eine "Schlüsseltechnologie für die gesamte Industrie", so Kempf. Der Industrieverband will, dass Deutschland etwas abbekommt vom potentiellen Milliardenmarkt Weltraum. Und auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist den Plänen nicht abgeneigt und will sie prüfen lassen.

Doch was wird da überhaupt genau geplant? Starten bald Mondmissionen an der Ostseeküste oder eignet sich der Standort Deutschland überhaupt für Starts von Satelliten und interplanetaren Raumflugkörpern?

Es geht für Deutschland nicht um eine Startrampe für Mondraketen oder Marsmissionen. Der BDI will "so genannte Micro-Launcher, die kleine Satelliten just in time ins All befördern können", sagte Kempf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Start-ups könnten vom deutschen Weltraumbahnhof profitieren

Einer, dem genau das helfen könnte, ist Christian Williges aus Berlin. Das von ihm mitgegründete Start-up ConstellR plant, ein Satelliten-Netzwerk ins All zu bringen, mit dem eine hochgenaue Temperaturmessung auf der gesamten Erde in Echtzeit ermöglicht werden soll. Damit könnte beispielsweise Wasserstress in Pflanzen frühzeitig registriert werden. Diese Information ist zum Beispiel wichtig für präzise Bewässerungssysteme beim sogenannten Smart Farming, aber auch für die Verhinderung von Waldbränden.

Wir würden uns freuen, wenn so ein Weltraumbahnhof in greifbarer Nähe wäre.
Christian Williges, ConstellR

Bei der klassischen Raumfahrt wurden und werden einzelne Satelliten im Werte mehrerer hundert Millionen Euro gefertigt. Diese Satelliten sind im Allgemeinen Einzelstücke und es bedarf deshalb nur eines einzigen Launches. "Wir würden uns freuen, wenn so ein Weltraumbahnhof in greifbarer Nähe wäre", so Williges gegenüber heute.de. Gerade in Sachen Transport und Logistik sei es sehr viel einfacher, technisches Gerät beispielsweise nach Mecklenburg-Vorpommern zu bringen als nach Kasachstan oder Französisch-Guayana. Außerdem dürfe man nicht vergessen, dass es sich bei derartigen Projekten um absolute Hochtechnologie handle, die zu gewissen Teilen aus den USA stammen kann. Im Rahmen von Exportkontrollen kann es daher durchaus passieren, dass bestimmte Bauteile nicht verwendet werden dürfen, weil die USA Exporte und somit Starts in bestimmten Gebieten unter Umständen nicht genehmigen.

Welche Rolle spielt die Äquatornähe?

Die aktuell genutzten Raumhäfen liegen größtenteils in Äquatornähe. Das ist zum einen wichtig, da viele Tele- und Kommunikationssatelliten auf der sogenannten geostationären Bahn um die Erde kreisen, die sich direkt über dem Äquator befindet. Außerdem können die gestarteten Raketen aber auch die Erdrotation nutzen, um Geschwindigkeit aufzunehmen und sparen dadurch Treibstoff.

Nach Einschätzung von Williges spielt diese Äquatornähe für Starts der wirtschaftlich interessanten Micro-Launcher eher eine nachrangige Rolle. "Je nachdem, welchen Orbit man erreichen möchte, ist auch ein Start aus Rostock in Ordnung." Dann könnten die geringeren Kosten für Logistik und Transport den etwas höheren Treibstoffverbrauch leicht ausgleichen.

Ist Deutschland zu dicht besiedelt?

Ein weiterer Vorteil der Weltraumbahnhöfe in Kasachstan, den USA oder Französisch-Guayana ist der viele unbesiedelte Platz, der sie umgibt. Das Kosmodrom Baikonur liegt mitten in der kasachischen Steppe. Die anderen beiden Anlagen, das John F. Kennedy Space Center in Florida und das Raumfahrtzentrum Guayana, befinden sich direkt am Atlantik und können ihre Starts über dem zweitgrößten Ozean der Welt durchführen.

Auch wenn die meisten Starts reibungslos ablaufen, wird mit hochexplosiven und teils giftigen Treibstoffen gearbeitet und Fehlstarts und Komplikationen können sehr schnell große Unglücke nach sich ziehen. Deutschland ist vergleichsweise dicht besiedelt. Selbst wenn direkt an der Ostseeküste gestartet würde, wären die Anrainerstaaten immer noch potentiell im Gefahrengebiet. Es bleibt also fraglich, ob die Europäische Weltraumorganisation (ESA) einen deutschen Standort mit diesem Gefahrenpotenial überhaupt nutzen möchte, nur weil ein Industrieverband ihn sich wünscht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.