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Autonomes Fahren - Wie selbstfahrende Autos kommunizieren können

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Lichtbalken und virtuelle Zebrastreifen statt Körpersprache und Blickkontakte: Autonome Autos sollen Fußgänger mit einheitlichen Lichtsignalen warnen und informieren können.

Demonstration eines autonom fahrenden Fahrzeugs
Demonstration eines autonom fahrenden Fahrzeugs Quelle: dpa

Alltag auf deutschen Straßen: Eine Frau mit Kinderwagen steht an einem Zebrastreifen. Sie will die Straße überqueren und nimmt Blickkontakt zum nächsten Fahrzeug auf. Dem Fahrer gibt sie dadurch zu verstehen, dass er halten soll. Er reagiert, das Auto stoppt, und die Frau überquert sicher die Fahrbahn. Das Beispiel zeigt, wie wichtig Blickkontakte und Körpersprache im Straßenverkehr sind.

Autonome Autos und Fußgänger verstehen sich nicht

Was für Autofahrer aus Fleisch und Blut selbstverständlich ist, stellt Entwickler autonomer Fahrzeuge vor große Probleme. Selbstfahrende Autos können sich per mobilem Datennetz zwar untereinander austauschen und vor Gefahren warnen. Aber zwischen Mensch und Maschine funktioniert dieser Austausch nicht. Der Online-Taxidienst Uber hat in den USA ein System zum Patent angemeldet, das dieses Manko ausgleichen soll.

Das Uber-System soll die Verständigung zwischen selbstfahrendem Fahrzeug und Fußgänger verbessern. Displays an den Stoßstangen, an den Außenspiegeln und auf dem Dach sollen anzeigen, wie schnell das Fahrzeug fährt und ob es anhalten wird, um einen Fußgänger über die Straße zu lassen. Google hatte 2015 für seine autonomen Autos bereits ähnliche Ideen zum Patent angemeldet.

Virtuelle Zebrastreifen

Auch die Automobilindustrie tüftelt an digitalen Anzeigetafeln, die in die Karosserien der Fahrzeuge eingebaut werden sollen. So etwa Nissan, Ford und Mercedes. Auf der US-Computermesse CES zeigte Mercedes bereits im Januar 2015 ein Forschungsfahrzeug mit Leuchtflächen an Front und Heck. Blaue Leuchtbalken sollten Fußgängern signalisieren, dass das autonome Fahrzeug sie erkannt hatte.

Fußgänger überqueren einen Zebrastreifen
Künftig sollen Zebrastreifen auch von Autos projiziert werden können Quelle: ap

Zudem konnte das Forschungsfahrzeug Passanten am Straßenrand per Laser einen virtuellen Zebrastreifen auf die Fahrbahn projizieren. Die Uber-Entwickler fanden diese Idee offenbar so gut, dass sie sie in ihrem aktuellen Patentantrag noch einmal aufgriffen. Projektoren am Fahrzeug sollen Bilder auf die Straße werfen, zum Beispiel Abbiegepfeile oder Zebrastreifen. Fußgängern wird dadurch signalisiert, wann sie die Fahrbahn überqueren können.

Autos müssen "sozialer" werden

Selbstfahrende Autos könnten weder Blickkontakt aufnehmen noch Handzeichen geben. Um diese Defizite auszugleichen, müssten sie "sozialer" werden, so die Uber-Entwickler im US-Online-Magazin "The Verge". Sie sollten Fußgängern mit Lichtsignalen und digitalen Texttafeln unmissverständlich mitteilen können, wie sie sich in einer konkreten Situation zum Beispiel an einem Zebrastreifen verhalten werden.

Was im Labor und auf Teststrecken klappt, muss unter Alltagsbedingungen noch längst nicht funktionieren. Forscher der US-amerikanischen Duke-University haben Autos mit digitalen Anzeigetafeln ausgestattet und getestet, wie Fußgänger darauf reagieren. Die meisten Testpersonen nahmen die Angaben auf den Tafeln zwar wahr, so das Ergebnis des Tests. Bei ihrer Entscheidung, die Fahrbahn zu überqueren, verließen sie sich dann aber doch lieber auf das eigene Gespür. Die Tafeln spielten in der Regel keine Rolle.

Einheitliche Lichtsignale für alle Autos

Derweil testet Ford zusammen mit dem US-amerikanischen Virginia Tech Transportation Institute ein eigenes Signalsystem, das auf Texttafeln völlig verzichtet und allein auf Lichtsignale setzt. Blinker und Bremslichter würden als Signale allgemein akzeptiert, heißt es bei Ford. Autonome Autos sollten deshalb in ihrer Frontscheibe einen zusätzlichen Leuchtbalken erhalten, der allein über Lichtsignale mit dem Fußgänger kommuniziert.

Weißes Dauerlicht soll anzeigen, dass ein autonomes Fahrzeug unterwegs ist. Bewegen sich zwei Lichtbalken hin und her, signalisiert das Fahrzeug, dass es einen Fußgänger erkannt hat und ihn passieren lässt. Schnell blinkendes Licht bedeutet, dass das Fahrzeug wieder anfahren will. Ziel sei eine einheitliche, für alle Verkehrsteilnehmer verständliche Signalsprache, heißt es bei Ford. Man arbeite bereits mit mehreren internationalen Organisationen zusammen, um die Entwicklung eines normierten Industriestandards voranzutreiben.

Autonome Fahrzeuge waren in den USA bereits zwei Mal in tödliche Unfälle verwickelt. Erst kürzlich wurde in Arizona eine 49-jährige Frau von einem selbstfahrenden Auto des Taxidienstes Uber erfasst, als sie die Straße überqueren wollte. Vor diesem Hintergrund bekommt die Entwicklung eines einheitlichen Kommunikationssystems zwischen Fußgängern und autonomen Fahrzeugen eine besondere Dringlichkeit. Ob ein solches System den Unfall in Arizona hätte verhindern können, steht auf einem anderen Blatt.

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