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Proteste und Generalstreik - Wie steht es um Griechenland?

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Noch vor fünf Jahren drohte Griechenland, den Euro zu sprengen. Vielleicht steht das Land noch in diesem Sommer wieder auf eigenen Beinen. Die Lage ist besser, aber noch nicht gut.

Wie viele Geschichten, so hat auch das Drama in Griechenland mindestens zwei Seiten. Und die haben nichts mit der klassischen Unterteilung des Aristoteles eines Dramas in Tragödie und Komödie zu tun. Es geht eher um eine fortwährende Tragödie, mittlerweile vielleicht mit ein paar aufhellenden Szenen.

Aus Protest gegen die harte Sparpolitik sind Mitglieder griechischer Gewerkschaften am Mittwoch in den Streik getreten. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandeln nur Notfälle. Betroffen ist auch der Fährverkehr zu den Inseln.

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Harte Einschnitte für die Bevölkerung

Die eine Seite erzählt von den Fortschritten, die das Land in den vergangenen Jahren gemacht hat. So ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland zurückgegangen: Sie sank von 28 Prozent im Juli 2013 auf heute rund 20 Prozent. Allerdings sind viele der neuen Stellen zeitlich befristet oder es handelt sich um Gelegenheitsjobs. Vielen Menschen in Griechenland fehlt so die Perspektive, vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Bei ihnen liegt die Arbeitslosigkeit noch immer bei über 40 Prozent - sie lag vor wenigen Jahren aber noch höher.

Die Fortschritte schreiben die Gläubiger des Landes - die EU, die EZB und der IWF - den Rettungspaketen zu, die für das Land in den vergangenen Jahren seit Ausbruch der Krise drei Mal geschnürt werden mussten. Sie sahen Milliardenkredite vor, um das Land vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten. Im Gegenzug musste Griechenland harte Sparauflagen erfüllen.

Wer nicht weglaufen konnte, wird geschröpft

Die Sozialausgaben sind gekürzt, die Gesundheitsausgaben beschnitten und die Renten - man muss es wohl so sagen - geschröpft worden. Das ist einer der Gründe, weshalb die Gewerkschaften des Landes nun wieder zum Generalstreik aufgerufen haben: Um rund 25 Prozent sind die Rentenbezüge seit 2009 beschnitten worden. Und es steht Anfang 2019 womöglich ein weiterer Einschnitt von 18 Prozent an.

"Diejenigen, die nicht weglaufen konnten, die hat es am härtesten getroffen", sagt der für den deutschen Sprachraum zuständige Chefvolkswirt von Blackrock, Martin Lück. Also hat es in erster Linie abhängig Beschäftigte und Rentner getroffen. "Und die, die man hätte schröpfen müssen - die höheren Einkommen -, die sind mehr oder minder schadlos davon gekommen. Das ist fiskalisch ineffizient."

Wirtschaft mit leichtem Rückenwind

Verwundern könnte die Tatsache, dass in Form von Hilfskrediten seit 2010 rund 250 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen sind und trotzdem kein Geld vorhanden ist. Dieser Zusammenhang erklärt sich einfach dadurch, dass die Kredite vor allem dazu gedient haben, ältere Schulden zu bedienen oder marode Banken zu retten. Neuerdings fließen auch Milliarden in einen Puffer für die Zeit nach den Hilfsprogrammen, eine Art Risikoreserve für klamme Zeiten. Bei der Bevölkerung jedenfalls ist von den Geldern kaum etwas bis gar nichts angekommen, was den anhaltenden Unmut in der Bevölkerung mit erklärt.

Jedenfalls kann die Regierung in Athen auch als Erfolg vermelden, dass die Wirtschaft wieder wächst: Um 1,4 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr gewachsen. "Die Entwicklung ist nicht ganz so schön wie in Spanien oder Portugal, aber die griechische Volkswirtschaft schlägt sich wacker", urteilt der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung bei der Deka Bank, Holger Bahr. Für dieses Jahr sind die Prognosen noch besser: Athen und Brüssel trauen dem Krisenland ein Wirtschaftswachstum von rund 2,5 Prozent zu.

Bald wieder auf eigenen Beinen

Allerdings stellt sich die Frage, von welchem Niveau das geschieht: Seit Beginn der Krise 2009 ist die Wirtschaftskraft des Landes um ein Viertel eingebrochen. Zudem läuft derzeit die Konjunktur sehr gut - sowohl in Europa als auch weltweit. "Wir haben im Moment auch in Griechenland erheblichen Rückenwind durch die gute allgemeine Entwicklung. Sobald sich hier die Rahmenbedingungen verschlechtern, wird sich wahrscheinlich auch die Lage in Griechenland wieder ändern", sagt Martin Lück.

Nichtsdestotrotz: Griechenland ist aktuell auf dem Weg der Besserung. Und das spielt schließlich auch dem amtierenden Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in die Karten. Der will nämlich möglichst rasch die Rettungspakete und Sparbedingungen hinter sich lassen und hat mit dem gegenwärtigen Rückenwind auch gute Chancen, dass er das schaffen wird. Im August, so das Ziel, könnte Griechenland wieder auf eigenen Beinen stehen und sich selbst an den Kapitalmärkten finanzieren. Das könnte Tsipras im bald anstehenden Wahlkampf helfen; während die Lage für große Teile der griechischen Bevölkerung wohl auch in den kommenden Jahren noch hart und schwer sein wird.

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