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Sinnvoll helfen - aber wie? - Somalia: Im ewigen Teufelskreis des Hungers

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Krieg, Konflikte, Klimakatastrophen: Laut einem neuen UN-Bericht leiden immer mehr Menschen weltweit unter akutem Hunger. Besonders krasses Beispiel: Somalia.

Binnenflüchtlinge hoffen am 08.03.2018 im Lager Kabasa (Somalia) auf eine Versorgung mit Lebensmitteln
Binnenflüchtlinge hoffen im Lager Kabasa (Somalia) auf eine Versorgung mit Lebensmitteln Quelle: dpa

Der Wind wirbelt den feinen rötlichen Staub auf. Er setzt sich in den Kleidern fest, brennt in den Augen. Die Sonne knallt auf die Köpfe der Frauen, die sich auf einem kleinen Platz in dem Lager für Binnenflüchtlinge versammelt haben. Die volle Wucht der Dürre ist zu spüren. "Zuhause habe ich alles verloren", sagt Habiba Isaak. Zehn Ziegen hätten sie und ihr Ehemann gehabt, doch alle seien verendet. Damit haben sie ihre Lebensgrundlage verloren. Mit rund 25.000 anderen Binnenflüchtlingen lebt die 21-Jährige nun in dem Lager Kabasa bei Doolow, einer Kleinstadt im Südwesten Somalias.

Klimawandel verursacht Dürren

Isaak ist eine von mehr als fünf Millionen Menschen, die derzeit in dem Land am Horn von Afrika humanitäre Hilfe benötigen - mehr als ein Drittel der Bevölkerung Somalias. Nach der Hungersnot 2011 mit mehr als 250.000 Toten konnte im vergangenen Jahr durch große Anstrengung noch eine erneute Hungersnot verhindert werden. Aber Experten zufolge werden schlimme Dürren am Horn von Afrika nun öfters wiederkehren. Für diese künftigen Klimaschocks muss die Bevölkerung gewappnet werden - auch Deutschland will dabei helfen. Doch in einem Land, das seit Jahrzehnten unter Konflikten, Armut, Terrorismus und schwachen staatlichen Strukturen leidet, ist dies eine Mammutaufgabe.

"Die immer öfter wiederkehrenden Dürren sind die neue Realität für Somalia", stellen die UN fest. Bis vor etwa 20 Jahren kam es in der Region etwa alle fünf Jahre zu einer Dürre, wie Klimatologe Chris Funk vom US Geological Survey, einer US-Klimabehörde, sagt. Seitdem gibt es demnach aber alle zwei bis drei Jahre schlechte Regenzeiten. Seiner Recherche zufolge hängt dies mit dem Klimawandel zusammen. "Wir sind uns ziemlich sicher, dass die höhere Taktung der Dürren wahrscheinlich bestehen bleiben und vielleicht noch schlimmer wird."

Eine Million Kinder mangelernährt

Die Bevölkerung Somalias muss deshalb dafür gewappnet werden. "Wir fangen mit dem ganz Wesentlichen an", sagt Steven Lauwerier, Leiter des UN-Kinderhilfswerks in Somalia. Das heißt unter anderem, die Gesundheit von Babys und Kleinkindern zu stärken. Denn in Somalia stirbt UNICEF zufolge jedes achte Kind vor dem fünften Lebensjahr, bei einem Drittel spielt die Ernährung eine Rolle. In diesem Jahr allein werden demnach voraussichtlich eine Million Kinder mangelernährt sein - 232.000 davon lebensbedrohlich.

Dagegen soll etwa ein neues Projekt des Welternährungsprogramms (WFP) und UNICEF helfen, das mit 50 Millionen Euro für drei Jahre von der Bundesregierung finanziert wird. Dies soll bereits 2018 etwa 315.000 Mütter und Kinder erreichen, etwa in Kabasa. Dort werden unter anderem mangelernährte Kinder gewogen und gemessen, Mütter geschult und Nahrungsmittel ausgegeben. Auch werden die Daten dazu digital auf eine Art Kreditkarten gespeichert, damit der Gesundheitszustand der Kinder genau beobachtet und wenn nötig früh Alarm geschlagen werden kann.

Konflikte behindern Entwicklung

Doch allein wird dies die nächste Hungersnot nicht abwehren. Die meisten Somalier sind Viehhirten oder Bauern, ihre Lebensgrundlage ist stark vom Klima abhängig. In manchen Gegenden sind durch die jüngste Dürre laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation bis zu 60 Prozent der Herden gestorben. Den Menschen müsse gezeigt werden, wie sie sich anpassen können, sagt Liljana Jovceva, Leiterin der WFP-Programmarbeit in Somalia: etwa unterschiedliche Tierarten statt nur einer Art zu halten, dürreresistente Pflanzen anzubauen, ihre Ressourcen besser zu managen. "Sie müssen langsam aber stetig ihre Fähigkeit aufbauen, mit Krisen umzugehen."

Die immer wiederkehrenden humanitären Krisen hängen aber nicht nur mit dem Klima zusammen, sondern auch stark mit den Konflikten im Land, wie der höchste Vertreter der UN in Somalia, Michael Keating, erklärt. Fast täglich kommt es durch die Terrormiliz al-Shabaab zu Anschlägen, auch andere Kämpfe toben in dem Land. "Wenn wir die Menschen in Not erreichen könnten, müssten sie nicht zu uns kommen", sagt Lauwerier. So sind derzeit rund zwei Millionen Somalier im Land auf der Flucht - etwa die Hälfte davon sind 2017 geflohen. Doch wenn sich die Sicherheitssituation nicht verbessert, sei es schwierig, sich eine nachhaltige Entwicklung in Somalia vorzustellen, sagt die deutsche Botschafterin für Kenia und Somalia, Jutta Frasch.

Für Isaak und ihre Familie ist das Leben im Lager Kabasa schwer, aber sie wollen bleiben. Sie hat Arbeit gefunden, sie wäscht für Bewohner der Stadt Kleider. "Wir sind von diesen Einnahmen und der humanitären Hilfe abhängig", sagt sie. Ob es auch ohne die Unterstützung der Hilfsorganisationen ginge? "Ohne wäre das Leben sehr schwer."

Bericht der Vereinten Nationen und der EU

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