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Massenware aus Fernost - Wie viel Natur steckt noch im Leder?

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Jacken, Schuhe, Möbel aus Leder. Ein natürlicher Rohstoff, der massenhaft nachgefragt wird. Was viele nicht wissen: Bei der Herstellung kommt oft tonnenweise Chemie zum Einsatz.

Damenpumps in einem Schaufenster
Quelle: zb-bildfunk

Jeder Deutsche kauft im Durchschnitt 5,3 Paar Schuhe im Jahr. Ist die Saison rum, wandern viele davon in den Müll. Schuhe und andere Lederprodukte sind zur Massenware geworden. Die soll zwar hochwertig und makellos sein, gleichzeitig aber nicht viel kosten. Und deshalb wird häufig unter fragwürdigen Umständen produziert.

Hohe Standards

Von einem "Maximum an ökologischer Qualität" ist auf der Website des Verbands der deutschen Lederindustrie (DLV) die Rede. Tatsächlich sind in Deutschland die gesetzlichen Anforderungen und die tatsächlichen Standards höher als in den meisten anderen Ländern. Das Abwasser einer Fabrik zum Beispiel darf erst dann wieder abgeleitet werden, wenn es vorher in einer eigenen Kläranlage gereinigt worden ist.

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Schuhe, Polstermöbel, Autositze, Taschen: natürlich am liebsten aus Leder. Doch wie natürlich ist das Leder wirklich? Kaum einer der vielen Fertigungsprozesse ist umweltfreundlich.

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Allerdings: Die deutsche Lederindustrie spielt global nur noch eine sehr kleine Rolle. Nur eines von fünf Paar Schuhen, die in Europa verkauft werden, wird auch in einer europäischen Fabrik hergestellt. Deutschland rangiert dabei hinter Italien und Spanien auf Platz drei. Um Kosten zu sparen, lassen viele der Firmen bereits in osteuropäischen Billiglohnländern produzieren.

Gerben mit Schwermetall

Die meisten Schuhe kommen trotzdem aus Asien. Ebenso wie das Leder, aus dem sie hergestellt werden. Und dabei wird tonnenweise Chemie eingesetzt: Konservierungsstoffe zum Beispiel, damit die Tierhaut beim Transport nicht verdirbt. Zum Gerben wird meist das Schwermetall Chrom verwendet. Bei falscher Anwendung kann sich daraus das potenziell krebserregende Chrom IV entwickeln.

Umwelt- und Gesundheitsschutz spielen in vielen Fabriken in Bangladesch, Vietnam, China oder Indien nur eine geringe Rolle. "Die, die die Preise diktieren, sind die Markenfirmen", kritisiert Bettina Musiolek von der Organisation Clean Clothes Campaign. "Und die Preise sind so niedrig, dass man von diesen keine vernünftigen Arbeitsbedingungen finanzieren kann."

Familienbetrieb nutzt nur Leder von bayerischen Kühen

Den Billig-Trend macht der Allgäuer Lederhändler Johann Peter Schomisch nicht mit. Er verkauft in seinem Familienbetrieb nur "naturbelassenes Leder", das von bayerischen Kühen stammt und ohne Schadstoffe wie Chrom hergestellt wird. Zur Gerbung lässt er nur pflanzliche Stoffe verwenden.

Gelegentlich allerdings beanstanden Kunden seine Lieferungen, dann nämlich, wenn im Leder Unebenheiten oder Riefen auftauchen. Schomisch nimmt es gelassen. "Es wäre ja eine Möglichkeit, den Leuten zu sagen: Guckt mal, wie schön das ist, wenn man Naturmerkmale am Fuß hat", sagt er und hofft auf ein Umdenken beim Verbraucher. Deren Umweltbewusstsein nehme ja schließlich zu.

Mit Kunststoff beschichtet

Bisher aber sind natürliche Macken bei den Kunden eher unbeliebt. Deshalb wird das Leder in der Regel mit Kunststoff und Farbpigmenten beschichtet. Erst dann hat es auch die verlangten pflegeleichten Eigenschaften. Allerdings dünstet es diese Stoffe dann auch wieder aus. Ob Couch, Schuh oder Jacke: Gemessen werde immer etwas, weiß Christian Schelle, Schadstoffexperte beim TÜV Rheinland: "Auf der Basis unserer Prüferfahrung gibt es keine vollständig schadstofffreien Lederqualitäten."

Und mit Blick auf die Massenproduktion in Fernost ergänzt er: "Man darf davon ausgehen, dass aus diesen Ursprungsländern stammende Produkte durch ein ungünstigeres Emissionsprofil charakterisiert sind." Gekauft werden sie aber trotzdem. Mehr als 20 Milliarden Paar Schuhe werden jährlich hergestellt. Fast 90 Prozent davon in asiatischen Ländern.

Interview: Johann-Peter Schomisch von Ecopell

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