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Protektionismus - Wie wirken sich Strafzölle aus?

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Donald Trump macht Ernst: Mit Strafzöllen will er die heimische Wirtschaft schützen. Das kann weltweite Auswirkungen haben. Die Stahlbranche fürchtet ein Szenario besonders.

Die Reaktionen sind heftig, die Säbel rasseln hörbar, Handelsstreitigkeiten sind programmiert und immer häufiger macht das Wort vom "Handelskrieg" die Runde. Mit der Trumpschen Entscheidung, die einheimische Metallbranche durch Strafzölle zu schützen, sei gar das weltwirtschaftliche Wachstum gefährdet. "Sicher ist, dass in Folge eines Handelskrieges alle Wohlfahrtsverluste erleiden", sagt Esther Reichelt von der Commerzbank.

Autos in den USA teurer

Hinter solchen Äußerungen und Befürchtungen steht die Theorie, dass Zölle im internationalen Handel immer zu Wohlfahrtsverlusten führen. In der Tat könnten zunächst einmal die Verbraucher in den USA leiden. Denn wenn die Stahlimporte für dort produzierende Unternehmen sich verteuern, werden ziemlich sicher die Preise für bestimmte Produkte steigen. Toyota beispielsweise hat bereits angekündigt, dass die Zölle höhere Produktionskosten in den USA mit sich brächten, weswegen die Preise für die Autos steigen müssten.

Betrachtet man die Situation von hier aus, sieht die Sache ein wenig anders aus. Denn zunächst haben es die Exporteure von Stahl - also Konzerne wie ArcelorMittal aus Luxemburg, Thyssenkrupp und Salzgitter - zwar schwerer, ihren Stahl in die USA zu verkaufen. Allerdings liegt Deutschland in der Rangfolge der Stahlexporteure in die USA nur auf Platz 8. Zum Vergleich: Kanada und Brasilien exportieren zusammen 30 Prozent des in den USA benötigten Stahls. Deutschland nur 3,7 Prozent. So hört man aus einigen Unternehmen hierzulande zwar nicht offiziell, aber hinter vorgehaltener Hand, dass ein abgebremstes Stahlgeschäft mit den USA sich nicht lebensbedrohlich auswirken werde - der Anteil sei vergleichsweise gering.

Angst vor Billigstahl in Europa

Allerdings muss man aus hiesiger Perspektive auch wissen: Mit rund einer Million Tonnen Stahl im vergangenen Jahr sind 20 Prozent der deutschen Stahlexporte in die USA gegangen. Außerhalb der EU-Länder sind die USA der wichtigste Abnehmer für in Deutschland produzierten Stahl. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl befürchtet durch die Zölle eine direkte Belastung dieser Stahlexporte - und das würden die Unternehmen hierzulande dann natürlich zu spüren bekommen, auch wenn sie andere Geschäftsfelder oder Lieferregionen haben, um das verschmerzen zu können.

Stahl ist nicht gleich Stahl

Vor einem anderen Szenario fürchtet sich die Stahlbranche viel mehr: Dem Risiko, dass Handelsströme andere Wege nehmen. Bildlich kann man sich das so vorstellen: Die USA ziehen durch Strafzölle eine Mauer um das Land. Dadurch kann nur noch ein Teil des Stahlflusses über die Mauer in die USA gelangen. Der Rest fließt woanders hin – beispielsweise nach Europa.

Das Problem dabei: Die hiesige europäische Stahlindustrie ist ohnehin schon gebeutelt. Denn eine massive Überproduktion in China hat die Stahlpreise an den Weltmärkten in den letzten Jahren auf Talfahrt geschickt. Bereits im vergangenen Jahr sind die Stahlimporte in Europa um ein Prozent gestiegen - auf einen neuen Rekordwert. Sollte sich mehr Billigstahl seinen Weg nach Europa suchen, dürfte sich das Problem für die europäischen Stahlkocher also wieder verstärken.

EU-Kommission plant Reaktion

Insgesamt ist bei den Strafzöllen vor allem die Befürchtung groß, dass ähnliche Reaktionen von anderen Ländern kommen werden. Wenn also auch andere Länder in Reaktion auf die USA beginnen, sich abzuschotten, würde sich das natürlich negativ auf die Exportnation Deutschland auswirken. Solche Maßnahmen rund um den Globus würden wahrscheinlich Handel und Wirtschaftswachstum bremsen. Das schließlich würde also letztlich zu allgemeinen Wohlfahrtsverlusten führen - und die würden Verbraucher ebenfalls bemerken. Auch der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer hat die Befürchtung, dass ein allgemeiner Handelskrieg diese sehr stark exportorientierte Branche treffen würde.

Schließlich müssen sich Verbraucher hierzulande darauf einstellen, dass die EU die Strafzölle in Amerika nicht einfach hinnehmen wird. Es gibt nach Auskunft der EU-Kommission bereits Pläne, die innerhalb weniger Tage umgesetzt werden können: Zölle beispielsweise auf Harley-Davidson-Motorräder oder Whiskey aus den USA, kurz: Bei einer Eskalation würden sich vermutlich viele US-Produkte in Europa verteuern.

Was die WTO bei Strafzöllen tun kann

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