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#ZDFcheck17: Zählen bei Demonstrationen - Eine Frage des Standpunkts

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Bereits bei den ersten Protesten rund um G20 streiten sich Veranstalter und Polizei über die wahren Teilnehmerzahlen. #ZDFcheck17 hat nachgeschaut, wie die Zahlen ermittelt werden.  

Wir haben Mima-Reporter Sven Rieken gebeten, sich als echter Hamburger mal in seiner Heimatstadt umzuschauen und umzuhören, Eindrücke zu sammeln. Stimmen und Stimmungen aus der Hansestadt, einen Tag vor Beginn des Gipfels.

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3 min
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Die Bedingungen sind ungünstig. Regen prasselt am späten Vormittag auf den Hamburger Rathausmarkt. Für einen 2. Juli ist es in diesem Jahr ungewöhnlich kalt. Es ist der Auftakt zu einer Reihe an Großdemonstrationen im Vorfeld des G20-Gipfels. Aufgerufen unter dem Motto "#G20Protestwelle" hat unter anderem die Umweltschutzorganisation Greenpeace. 500 Teilnehmer seien es zu Beginn des Protestes gewesen, so erklärt später die Polizei. In der Spitze soll die Teilnehmerzahl dann auf ca. 8.000 Demonstranten angewachsen sein. Greenpeace dagegen spricht von 25.000 Teilnehmern – dreimal so viele. Wie werden daher die Teilnehmerzahlen bei Großveranstaltungen ermittelt? Warum liegen sie oft sehr weit auseinander?

Ärger bei Trumps Amtseinführung

Die größten Diskussionen über Teilnehmerzahlen hatten die Inaugurationsfeierlichkeiten Donald Trumps im vergangenen Januar ausgelöst. Ein politischer Streit brach aus an der Frage, wie viele Menschen Trumps Amtseid beiwohnten. Und an der Frage, ob nicht mehr Menschen gleichzeitig gegen den US Präsidenten demonstrierten. Die Frage nach den Zuschauerzahlen wurde zu einer der ersten Machtfrage Trumps.

Über die Art und Weise, wie Teilnehmerzahlen ermittelt werden, gibt es nur wenige Auskünfte. Auch im Vorfeld des G20-Treffens in Hamburg will sich die Polizei nicht in die Karten schauen lassen. Auf Anfrage gibt sie nur so weit Auskunft: "Über die Art und Weise unserer Zählung werden keine genauen Angaben gemacht. Unsere Taktik hat sich seit vielen Jahren bewährt und wird aus polizeitaktischer Sicht nicht weiter erläutert", so Polizeisprecherin Kristin Rößner.

Üblich aber sind zumeist zwei Methoden, die sowohl von der Polizei als auch gleichzeitig von Veranstaltern und Organisatoren von Demonstrationen angewendet werden.

"Quadratmeter-mal-Dichte"-Methode

Meist kommt die "Quadratmeter-mal-Dichte-Methode" zur Anwendung, vor allem wenn die Größe eines Versammlungsortes bekannt ist. Hierbei wird geschätzt, wie viele Menschen auf einem Quadratmeter stehen. Anschließend wird hochgerechnet. Besonders Polizeibehörden vertrauen dieser Methode.

Allerdings können bei diesem Verfahren kleine Fehler bei der Schätzung große Auswirkungen auf das Ergebnis haben. Problematisch ist die Methode aber auch, wenn ein Protest sich nicht an einem festen Ort versammelt, sondern sich bewegt.

"Schleusen"-Methode

Alternativ kommt dann die "Schleusen"-Methode zum Einsatz. Dabei stellen sich Beobachter an Straßen auf, an denen eine Demonstration vorbeizieht und deren Breite sie kennen. Sie zählen dann und rechnen hoch. Später werden die Zahlen abgeglichen.

In beiden Methoden jedoch verbergen sich große Fehlermöglichkeiten. Daher sind die Zählungen eher Schätzungen und lassen Raum für Interpretationen. Gerade bei politischen Kundgebungen liegen die auf der Hand. "Der Unterschied liegt darin, dass der Veranstalter ein anderes Interesse an der Anzahl hat wie die Polizei. Hier wird dann vom Veranstalter beispielsweise auch das Umfeld mitgezählt, welches aus polizeilicher Sicht nicht zur Demo gezählt wird", erklärt Rößner.

Somit werden auch bei den G20-Protesten in Hamburg wieder unterschiedliche Zahlenangaben öffentlich werden. Denn die Frage nach den Teilnehmerzahlen ist nicht nur in den USA auch eine Frage des Standpunkts!

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