Assange: Selbstgefälliger Hacker oder Held?

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Wikileaks-Gründer im Porträt - Assange: Selbstgefälliger Hacker oder Held?

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Bekannt wurde der Australier Julian Assange als Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks. Kritikern gilt er eher als selbstgefälliger Akteur, andere verehren ihn als Helden.

Wikileaks-Gründer Julian Assange droht Botschaftsverweis. Archivbild
Wikileaks-Gründer Julian Assange
Quelle: Frank Augstein/AP/dpa

Es ist knapp sieben Jahre her, dass sich Julian Assange als Bote tarnte und sich auf den Weg zur ecuadorianischen Botschaft in London machte. Es war nur eine von vielen Rollen, die der Wikileaks-Gründer bereits durchlebt hat. Die zwei vielleicht wichtigsten: Innerhalb weniger Jahre wurde er vom Helden der Informationsfreiheit zum unerwünschten Gast. Mit seiner Festnahme am 11. April kommt nun die Rolle des Häftlings hinzu.

Mit Mark Twains Kinderbuchhelden verglichen

Wird der gebürtige Australier Assange nach seiner Kindheit gefragt, dann vergleicht er sich mit Mark Twains Kinderbuchhelden, dem abenteuerlustigen Tom Sawyer. Im Gegensatz zu ihm wuchs Assange allerdings nicht bei seiner Tante, sondern bei seiner Mutter auf, die unzählige Male mit ihrem Sohn umzog. Bis zu seinem 15. Lebensjahr hatte Assange in mehr als 30 australischen Orten gelebt. Später studierte er in Melbourne Mathematik, Physik und Informatik.

Mit Begabung und Fleiß wurde Assange zum erfolgreichen Hacker: Unter dem Pseudonym "Mendax" - dem lateinischen Wort für "lügnerisch" - hackt er die Internetseiten der Nasa und des Pentagons. Zum Staatsfeind wurde Assange für Washington durch die von ihm veranlasste Veröffentlichung geheimer US-Dokumente auf der Enthüllungs-Plattform Wikileaks im Jahr 2010. Seitdem fürchtete er stets, an die USA ausgeliefert zu werden.

"Gefährlichster Mann der Welt"

Gegründet hatte Assange die Plattform nach eigenem Bekunden, um "die Presse zu befreien" und Fälle von staatlichem Machtmissbrauch aufzudecken. Einer seiner Biographen bezeichnete ihn deshalb einmal als "gefährlichsten Mann der Welt". Nachdem Schweden 2010 wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einleitete, stellte sich Assange der Polizei in Großbritannien. Er kam unter Auflagen wieder frei, beantragte dann allerdings im Juni 2012 Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London. Seitdem lebte Assange in dem Gebäude, ein UN-Gremium geißelte seinen Aufenthalt dort 2016 als "willkürliche Inhaftierung".

Eine wichtige Wende kam für Assange im Jahr 2017: Ecuador bekam mit Lenín Moreno einen neuen Präsidenten. Dessen Vorgänger, der politisch links stehende Rafael Correa, hatte Assange als willkommene Gelegenheit gesehen, die USA zu provozieren. Moreno hingegen betrachtete den Dauergast im Botschaftsgebäude als "Problem". Der Präsident warf seinem Londoner Untermieter vor, sich in die Angelegenheiten Ecuadors und anderer Länder einzumischen. Als Konsequenz machte er Assange strenge Auflagen für die Nutzung von Kommunikationsmitteln und den Empfang von Besuch.

Quellen in Gefahr gebracht?

Schon vor dem ecuadorianischen Richtungswechsel hatte Assange an Popularität verloren. Bereits 2011 wandten sich frühere Verbündete von seiner Organisation ab. Damals distanzierten sich fünf Publikationen, die zuvor mit Wikileaks zusammengearbeitet hatten, von der Vorgehensweise der Enthüllungsplattform. Der "Guardian", die "New York Times", "El País", der "Spiegel" und "Le Monde" verurteilten, dass Wikileaks Telegramme aus dem US-Außenministerium in ungeschwärzter Form geleakt hatte. Sie kritisierten, das Vorgehen könne Quellen in Gefahr bringen - eine Kritik, der sich auch Whistleblower Edward Snowden anschloss.

Besonders stark schadete Assange die Entscheidung von Wikileaks, im entscheidenden Moment des US-Präsidentschaftswahlkampfes im Jahr 2016 zehntausende E-Mails aus der Demokratischen Partei zu veröffentlichen. Viele von ihnen stammten aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton. "Ich liebe Wikileaks", verkündete daraufhin der spätere republikanische Wahlsieger Donald Trump. Vorwürfe der CIA, russische Agenten hätten die E-Mails an Wikileaks weitergereicht, weist die Enthüllungsplattform zurück.

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