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Enthüllungsplattform Wikileaks - Was wird aus Julian Assange?

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Die ecuadorianische Regierung will Julian Assange aus dem Botschaftsasyl in London herausholen. Gleichzeitig ist dessen Zukunft bei Wikileaks immer umstrittener.

Julian Assange (Archivbild vom 19.05.2017)
Aus dem Archiv: Julian Assange. Quelle: reuters

Einige Aktivisten sehen Wikileaks bereits am Ende. Andere fordern eine weitgehende Neuorganisation und -ausrichtung. "So wie Julian Assange seine eigene politische Agenda verfolgt, kann es mit Wikileaks jedenfalls nicht weitergehen", bringt Anke Domscheit-Berg, Netzaktivistin und Mitglied der Bundestagsfraktion Die Linke, das Problem auf den Punkt.

Wahlkampfhilfe für Trump

Während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs hatte Assange tausende persönliche Mails von John Podesta, dem Wahlkampfmanager Hillary Clintons, auf Wikileaks veröffentlicht. Aus den Mails war ersichtlich, wie das Clinton-Wahlkampfteam Journalisten und Medien beeinflussen wollte.

Außerdem hatte Assange vertrauliche Reden Hillary Clintons vor Wall-Street-Bankern veröffentlicht, die ein schlechtes Licht auf ihre Politik warfen. Viele Hacktivisten haben das als einseitige Wahlkampfhilfe für Donald Trump verstanden. "Viele haben sich deshalb von Assange abgewandt", sagt Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Clubs.

Kritik an Assange wächst

"In der Rückschau finden wir auch nicht klug, was Julian Assange da im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf gemacht hat", urteilt Klaus Schleisiek, Vorstand der Wau-Holland-Stiftung. Die nach dem Gründer des Chaos Computer Clubs benannte Wau-Holland-Stiftung finanziert immerhin einen Großteil der Arbeiten von Wikileaks.

Deshalb aber gleich die Arbeit von Wikileaks in Frage zu stellen, halten die Vorstände der Wau-Holland-Stiftung für übertrieben. "Julian ist ja schon bedrängt worden, nicht mehr Wikileaks-Chefredakteur zu sein und nennt sich jetzt nur noch Gründer", beschreibt Klaus Schleisiek den nach seinem Dafürhalten ausreichenden Teilrückzug von Assange aus der engeren Führung von Wikileaks.

Sunshine Press bereitet die Leaks auf

"Außerdem macht ja Julian nicht die journalistische Aufbereitung", begründet Schleisiek. Deshalb fließen die Gelder der Wau-Holland-Stiftung letztlich überwiegend an die isländische Firma Sunshine Press.

"Die bereiten die Dokumente so auf, dass die Informanten nicht mehr ermittelt werden können und machen uns Vorschläge für Veröffentlichungen", erläutert Schleisiek, und betont: "Julian Assange direkt erhält also kein Geld von uns, und wir haben auch die Veröffentlichung der Podesta-Mails nicht finanziert."

Druck von amerikanischen Medien

Reporter der Washington Post wollen das aber nicht so recht glauben und recherchieren deshalb, was die Stiftungen rund um Wikileaks mit den Hacks im amerikanischen Wahlkampf zu tun haben. "Das sind Recherchen, um nachzuweisen, dass diese Daten von Russen gehackt und Wikileaks zugespielt worden sind", meint Klaus Schleisiek.

Wirklich belegt wurde eine Beteiligung aus Russland an den Podesta-Hacks nicht. "Aber hier haben sich zwei Parteien gegenseitig benutzt, nämlich die Partei Julian Assange und die Partei Russische Agenda", meint Anke Domscheit-Berg.

Kleine Leak-Plattformen als Alternative

Deshalb ist für Domscheit-Berg ganz klar: "Wikileaks hat Neutralität und Glaubwürdigkeit verloren, Julian Assange wird die Leak-Plattform vor die Wand fahren." Mit dem Urteil steht sie in der Hacker-Community nicht ganz allein da.

Auf dem 34. Chaos Communications Congress, der zwischen Weihnachten und Silvester in Leipzig stattgefunden hat, gab es eine rege Diskussion über alternative Leak-Plattformen. Die Hacker denken auch an eine stärkere Zusammenarbeit dieser kleineren Plattformen zum Beispiel mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Dort habe man Know-how für die Verifikation und journalistische Aufbereitung von Dokumenten. Außerdem seien die Anstalten Körperschaften des öffentlichen Rechts, was ausreichende Neutralität bei der Bearbeitung geleakten Materials gewährleiste.

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