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Konferenz in Montreal - Wikimania: Kampf um "Wissen für alle"

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Wie können Online-Enzyklopädien und Wissensportale zu einer gerechteren Welt beitragen? Darum ringen gerade Aktivisten der Open-Knowledge-Bewegung auf dem Wikimania-Kongress in Montreal. Größtes Problem: Nicht alle, die mitschreiben, haben auch die gleichen Interessen.

"Wiki Loves Women", ein Projekt des Goethe-Instituts in Südafrika, hat das Ziel, afrikanische Themen, vor allem Frauenthemen, stärker in Wikipedia zu publizieren.

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Wissensbewegungen wie die Wikimedia-Foundation haben es zur Zeit nicht einfach. Der Zugriff auf die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist in einigen Ländern nur unter Auflagen möglich. In anderen Ländern wird großflächig Zensur ausgeübt. Und selbst im liberalen Westeuropa nehmen Regierungsbehörden mitunter auf Wikipedia-Artikel durch anonyme Einträge Einfluss.

Auf der Wikimania-Konferenz im kanadischen Montreal wird über die Gefährdungen für die Wissensbewegung zwar offen diskutiert, aber leise. Probleme mit Zensurbehörden und anderen staatlichen Einflussnahmen versuchen Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und seine Getreuen, möglichst diplomatisch zu lösen.

Wissen ist gefährlich

"Die Feinde der Open-Knowledge-Bewegung sind auch die Feinde offener Gesellschaften", sagt der Bürgerrechtsaktivist Jimmy Forrester. Er will den Aktivisten der Wissensbewegung auf der Wikimania-Konferenz in Montreal Mut machen.

Und das ist bitter nötig. Denn viele Aktivisten haben sich aus der Wikimania-Konferenz zurückgezogen. Sie resignierten vor allzu mächtigen Einflüssen auf ihre Arbeit. "Wer die Geschichtsbücher und die Online-Enzyklopädien schreibt, der übt die wahre Macht in einer Gesellschaft aus", meint der kanadische Online-Aktivist Donald Goodwin.

Einfluss von außen

Das wissen auch Regierungen und nehmen in unterschiedlicher Weise Einfluss auf die Arbeit der Online-Enzyklopädisten und Betreiber von Wissensportalen. Das fängt bei subtiler Veränderung von Artikeln an, die im Auftrag vieler Regierungsbehörden unterschiedlicher Staaten weltweit von eigens spezialisierten Agenturen vorgenommen wird.

Und das hört bei Netzsperren von Servern, auf denen die Wikipedia-Enzyklopädie aufliegt, längst nicht auf. Die Aktivisten der Wissensbewegung reagieren unterschiedlich auf solche Behinderungen ihrer Arbeit.

Staaten sperren Wikipedia

Einige bauen Ersatzserver auf und sorgen für Routenumleitungen, damit die Menschen in Diktaturen dennoch auf Enzyklopädien wie die Wikipedia oder auf Wissensportale zugreifen können. Andere verhandeln still und zäh, um die Bildungsarbeit der Open-Knowledge-Bewegung in besonders autoritären Staaten nicht ganz aufgeben zu müssen.

Mit welchen Strategien die Arbeit der internationalen Wissensbewegung besser für die Zukunft gesichert werden kann, darüber wird zwar diskutiert auf der Wikimania-Konferenz. Doch in diesen Diskussionen geht es eher um enzyklopädische Methoden. Standards für die Autorenschulung oder um Kampagnen für die Autorengewinnung für Wissensportale.

Bewusst nur im kleinen Kreis

Ein Diskussionspunkt wird bewusst nur im kleinen Kreis geführt: Wie die Wissensbewegung mit Zensur und Einflussnahme staatlicher Stellen und großer Konzerne umgehen soll. Bei diesen Diskussionen geht es auch in Montreal hart zur Sache.

Doch sie werden intern geführt. "Alles andere schadet der Open-Knowledge-Bewegung", bittet ein Aktivist um Verständnis. Er will anonym bleiben, gibt aber immerhin einen Einblick, wie tief die Open-Knowledge-Bewegung in der Frage der richtigen Reaktion auf staatliche Einflussnahmen gespalten ist.

Ein Teil der Aktivisten will hier keine Kompromisse machen. Sie fürchten um die Glaubwürdigkeit ihrer Arbeit. Andere wenden ein, dass ihre Arbeit in vielen Staaten komplett verboten werden würde, wenn sie zu Zugeständnissen nicht bereit wären. Die Bewegung scheint in einem echten Zwiespalt zu stecken.

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