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Wikipedianer - Die freiwilligen Schreiber im Verborgenen

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Jeder kennt Wikipedia - aber wer kennt schon die freiwilligen Autoren, die die Artikel schreiben? Im Vereinslokal in Köln suchen sie Anschluss - und Leute mit Spieltrieb.

Archiv: Die Silhouette eines Mannes zeigt auf Wikipedia
Quelle: dpa

Das Vereinslokal der Wikipedianer liegt etwas versteckt in Ehrenfeld, in einem kleinen Laden in der Hackländerstraße. Hat man die Straßenecke einmal gefunden, ist es nicht zu übersehen. "Hier trifft sich die Wikipedia-Community und tut Dinge" steht auf einem großen Plakat im Schaufenster. Drinnen: Volle Bücherregale, mehrere Tische und jede Menge Sitzgelegenheiten.

Tee und freies WLAN

Jeden Donnerstag ist hier Wikipedia-Sprechstunde. Wer reinkommt, bekommt erst mal einen Tee angeboten. Ab und an kommt ein Interessent vorbei, der erfahren will, wie man Informationen korrekt in Wikipedia eintragen kann. Oder jemand, der zeitgeschichtliche Fotos seiner Eltern gefunden hat und gerne für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen möchte. "Viel Laufkundschaft haben wir hier aber nicht", sagt Raimond Spekking, der bereits seit über 15 Jahren an Wikipedia mitschreibt.

Das "Lokal:K" zeigt das Dilemma von Wikipedia. So gut wie jeder nutzt Informationen aus der Online-Enzyklopädie - auch weil Google oder Apples Sprachassistent Siri routinemäßig auf deren Informationen zugreifen. Doch nur wenige zeigen Interesse, wie die Artikel zustande kommen. Dies macht sich auch bei den Nutzerzahlen bemerkbar. Die Zahl der aktiven Autoren nahm in der deutschen Wikipedia von mehr 9.000 im Jahr 2007 auf zuletzt 5.500 ab. Die Zahl der Nutzer mit über 100 Beiträgen pro Monat, die den Löwenanteil der Arbeit übernehmen, schrumpfte hingegen nicht so stark: Zu Spitzenzeiten waren 1.100 Vielschreiber registriert, aktuell sind es immerhin noch um die 900.

Fotodrohne und Brettspiele

Dies liegt auch an Initiativen wie dem Lokal:K. Wikipedianer können hier eine Kamera ausleihen, wenn sie Motive für die Online-Enzyklopädie festhalten wollen. Ein Tisch lässt sich schnell in ein Mini-Fotostudio verwandeln, wo Spekking regelmäßig das Innenleben von technischen Geräten dokumentiert. Mehr noch: Mit einer eigens angeschafften Fotodrohne können die Mitglieder Baudenkmäler von allen Seiten ablichten. So waren die Kölner Wikipedianer vor Ort, als der Immerather Dom abgerissen wurde, um dem Braunkohleabbau Garzweiler II Platz zu machen.

Wikipedia-Café: "Lokal:K" in Köln
Wikipedia-Autor Raimond Spekking dokumentiert regelmäßig das Innenleben von technischen Geräten.
Quelle: Torsten Kleinz

Hauptsächlich ist der Raum jedoch wichtig, um Kontakte zwischen den ehrenamtlich arbeitenden Autoren zu pflegen, die sich sonst nur per Tastatur kennen. So haben die Kölner Wikipedianer für das Projekt "WikiCheese" französische Käse fotografiert, verkostet und mit Wikipedia-Artikeln versehen. Eine andere Gruppe bricht immer wieder zu Musikfestivals auf, um die dort auftretenden Bands für ihre Wikipedia-Artikel zu fotografieren. Im Lokal:K hat sich auch ein Brettspiele-Abend angesiedelt, bei dem die Teilnehmer verschiedene Spiele ausgiebig testen und dann "wikifizieren".

Anerkennung für Arbeit

Die Arbeit der Wikipedianer bleibt nicht unbemerkt. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeichnete die Kölner Gruppe im September mit dem Ehrenamtspreis der Stadt aus. Solche Anerkennung erleichtert die weitere Arbeit. "Es ist zum Beispiel einfacher geworden, als Wikipedianer zu Presseterminen zugelassen zu werden", sagt Spekking, der für Wikipedia bereits viele Promis fotografiert hat.

Dass die Arbeit auch bei den Lesern ankommt, merkten die Wikipedianer erst Ende Oktober. Als die Wikipedia-Vereine von Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem gemeinsamen Tag der offenen Tür in insgesamt elf Vereinslokalen aufriefen, kamen über 900 Menschen, um sich über die Arbeit zu informieren. "Wir dachten zunächst, dass dies ein ganz normaler Tag wird", erzählt Spekking, "dann war aber das Lokal voll mit Menschen." 

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