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Werke in Aurich und Magdeburg - Windradbauer Enercon streicht Tausende Jobs

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Wegen der Windindustrie-Krise zieht der größte deutsche Hersteller der Branche Konsequenzen: Enercon will Tausende Jobs abbauen. Das trifft vor allem Aurich und Magdeburg.

Archiv: Mitarbeiter vom Windkraftbauer Enercon demontieren eine Rotornabe, am 25.05.2016 in Gestorf, Niedersachsen.
Mitarbeiter vom Windkraftbauer Enercon demontieren eine Rotornabe, am 25.05.2016 in Gestorf, Niedersachsen (Archivbild).
Quelle: dpa

Die Windindustrie schlägt Alarm: Mit dem Abbau von Tausenden Stellen beim Anlagenbauer Enercon muss die Branche den nächsten schweren Rückschlag einstecken. Der Konzern beendet wegen des Markteinbruchs nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit den Rotorblatt-Werken in Aurich und Magdeburg - für die beiden Standorte gebe es keine Aufträge mehr. Der IG Metall zufolge betreffen die Einschnitte rund 3.000 Arbeitsplätze.

Auch bei Produktionspartnern, Zulieferern und Zeitarbeitsfirmen sei in der Folge mit Einschnitten zu rechnen, sagte Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig am Freitag in Aurich. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die Energiepolitik der Bundesregierung, die zu einem Einbruch des Markts für Windenergie an Land geführt habe.

Förderungen für erneuerbare Energien helfen nicht

Dabei will die Bundesregierung die Erneuerbaren eigentlich fördern: Bis 2030 soll der Anteil von Ökostrom beim Stromverbrauch in Deutschland auf 65 Prozent steigen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren es nach Zahlen der Energiewirtschaft rund 43 Prozent. Da 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht und bis 2038 mit dem Strom aus Kohle Schluss sein soll, drängt die Zeit.

Doch die Zeiten, in denen Deutschland der größte Markt für Windkraftanlagen in Europa war, sind vorbei. Jetzt herrscht Flaute in der Branche. Im ersten Halbjahr 2019 kam der Ausbau der Windkraft an Land fast zum Erliegen. Nur rund 150 Windräder wurden neu errichtet, rund 80 Prozent weniger als im Vorjahr.

Warum Enercon die Stellen streichen muss

"Die aktuelle Energie- und Klimapolitik gefährdet nicht nur über Jahre aufgebautes Know-how und Arbeitsplätze in unserer Branche, sondern auch den Klimaschutz und die Energiewende insgesamt", sagte Enercon-Manager Kettwig. "Nach Vorlage des Klimaschutzpakets der Bundesregierung wird klar, dass die Probleme für uns sogar noch größer werden."

Enercon ist einer der größten deutschen Hersteller der Branche. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern angekündigt, sich stärker international auszurichten und in seinen deutschen Werken rund 800 Arbeitsplätze abzubauen.

Verband nennt Jobabbau "letzten Weckruf"

Der Bundesverband Windenergie sprach angesichts des Stellenabbaus bei
Enercon von einem "letzten Weckruf". Präsident Hermann Albers rief die Regierung auf, "das Wertschöpfungsnetzwerk Wind in Deutschland zu halten". Auch der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, warnte: "Es droht ein dramatischer Kahlschlag in der Windindustrie."

Enercon ist in der Misere nicht allein. Erst im April hatte Konkurrent Senvion Insolvenz angemeldet. Bei Nordex brach der Gewinn im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte ein. Als Hauptgründe für die Branchenkrise gelten lange Genehmigungsverfahren, zu wenig ausgewiesene Flächen und viele Klagen von Bürgerinitiativen. Allerdings sind auch die Unternehmen selbst für den Niedergang mitverantwortlich. Wer sich vor allem auf den Inlandsmarkt konzentriert und wenig Offshore-Anlagen im Angebot hat, bekommt Probleme.

Politiker reagieren entrüstet

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte nach einem "Windkraftgipfel" Anfang September zwar ein Maßnahmenprogramm angekündigt, um den Ausbau zu beschleunigen - konkrete Ergebnisse gibt es bisher aber nicht. Um die Akzeptanz für die Windräder zu erhöhen, hat sich die schwarz-rote Koalition in Berlin in ihrem Klimaschutzprogramm zudem auf verschärfte Vorgaben verständigt: Bis zu einem Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohngegenden sollen künftig keine neuen Windkraftanlagen errichtet werden. Die Windbranche sieht in dieser Abstandsregelung die Gefahr, dass der Ausbau weiter abgewürgt wird.

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, machte vor diesem Hintergrund die Energiepolitik der Bundesregierung für den Stellenabbau bei Enercon verantwortlich. "Während weltweit die Windenergie boomt, bricht in Deutschland die Industrie zusammen", sagte Krischer. "Die Bundesregierung treibt nach der Photovoltaik gerade eine weitere Zukunftsbranche aus dem Land." Altmaier warf er vor, bei den Erneuerbaren mehr Arbeitsplätze vernichtet zu haben, als es in der Kohleindustrie überhaupt gebe.

Krisentreffen in Berlin - Der Windkraft geht die Puste aus

Der Ausbau der Windkraft an Land stockt. Gründe sind Genehmigungsstau, hohe Auflagen und der Widerstand von Bürgern. Wenn das so bleibt, sieht es für die Klimaziele düster aus.

von Mark Hugo
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