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Alpen und Ostdeutschland - Chaos und Lawinen: Der Winter und seine Folgen

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Autobahnen sind komplett gesperrt, Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten, eine Lawine erfasst ein Hotelrestaurant - und Menschen sterben. Der Winter und seine Folgen im Überblick.

Eingeschneite Orte, Lawinengefahr, gesperrte Straßen - vor allem in den Alpen herrscht Schneechaos. Einen Winter mit solch massiven Schneefällen hat es lange nicht mehr gegeben. Wir geben einen Überblick über die Lage.

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BERCHTESGADEN: Wegen der Schneefälle gilt nun in drei oberbayerischen Landkreisen der Katastrophenfall. Am meisten Sorgen bereiten den Behörden die Schneelasten auf den Dächern. In der Region fallen durch das Wetter auch viele Züge aus. Rund um Berchtesgaden sind immer mehr Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Die Orte Vorderbrand und Ettenberg seien nun nicht mehr erreichbar, teilte das Landratsamt mit. Die Zufahrtsstraßen seien gesperrt, weil Bäume unter der Schneelast umzukippen drohten. Eine Notversorgung der Bewohner sei eingerichtet. Zuvor waren schon die Straßen zur Siedlung Buchenhöhe in Berchtesgaden und zur Gemeinde Jachenau zugeschneit worden.

HUNDWIL: Eine Lawine verletzte in der Ostschweiz mehrere Menschen und brach sich bis in ein Hotelrestaurant hinein Bahn. Am Donnerstagabend lief zunächst noch eine Suche nach möglichen Verschütteten. Der Schnee war auf der Schwägalp im Kanton Appenzell Ausserrhoden heruntergegangen. Die weißen Massen verschütteten mehrere Fahrzeuge und drangen auch in das Restaurant des Hotels Säntis ein. Ein Gast dieses Lokals sagte der Schweizer Zeitung "Tagblatt", er habe draußen plötzlich Schnee herumwirbeln sehen und zunächst an eine Dachlawine geglaubt. "Dann gab es einen Riesenlärm, und im hinteren Bereich drangen die Schneemassen ins Restaurant ein."

SALZBURG: In Österreich starben seit dem Wochenende mindestens sieben Menschen im Schnee - darunter zwei Deutsche, die am Sonntag in Vorarlberg von Lawinen verschüttet wurden. Am Mittwoch wurde ein 16 Jahre alter Deutsch-Australier vor den Augen seiner Familie beim Skifahren von einer Lawine in den Tod gerissen. Unter anderem starben zwei Skifahrer, die bei Stürzen im meterhohen Schnee versanken, sowie zwei junge Schneeschuhwanderer, die am Montag tot unter einem Lawinenkegel gefunden wurden. Die andauernden Schneefälle in weiten Teilen Österreichs haben der Tourismusbranche einen Dämpfer versetzt: Bei der österreichischen Wirtschaftskammer ist bereits von einem Minus von 50 Prozent bei kurzfristigen Buchungsanfragen die Rede.

AYING: Ein neunjähriger Junge ist in Aying bei München von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, war der Baum unter der hohen Schneelast zusammengebrochen. Erst nach 20 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Bub und alarmierten die Rettungskräfte. Diese versuchten rund eine Stunde lang vergeblich, das Kind wiederzubeleben.

ALLGÄU: Polizisten retteten in Kaufbeuren (Bayern) einen frierenden Säugling vor der Kälte und hielten ihn mit einer Uniformjacke warm. Passanten hatten die hilflose Mutter des Kindes betrunken im Schnee neben einem Gehweg entdeckt, die Frau hielt ihr nur unzureichend bekleidetes Baby im Arm. Die Streifenbeamten wickelten das kleine Mädchen in eine Uniform und legten es in den Polizeiwagen, bis der Rettungsdienst kam: "Nachdem es im warmen Rettungswagen noch eine Mütze aufgesetzt bekommen hatte, fiel es sofort in den Schlaf."

RUHPOLDING: Mit vielen Helfern kämpfen die Organisatoren vor dem Biathlon-Weltcup in Ruhpolding (Bayern) gegen die Schneemassen. Der örtliche Ski-Club hatte in einem öffentlichen Aufruf darum gebeten, den Schnee in der Chiemgau-Arena zu beseitigen, um die Veranstaltung in der nächsten Woche nicht zu gefährden. Engelbert Schweiger, der Generalsekretär des Weltcup-Organisationskomitees, sagte dem "Traunsteiner Tagblatt": "Der Weltcup ist derzeit nicht gefährdet." Doch er ergänzte: "Dass wir aber vor großen logistischen Herausforderungen stehen, ist nicht zu bestreiten."

OBERBAYERN UND SCHWABEN: In immer mehr Landkreisen in Oberbayern und Schwaben fällt an diesem Freitag der Unterricht aus. Zu gefährlich sei der Schulweg für die Kinder und Jugendliche, hieß es von den Behörden. Eine Betreuung für die Schüler sei aber vor Ort möglich. In den vergangenen Tagen war bereits in vielen Landkreisen der Unterricht ausgefallen. Die Münchner Stadtverwaltung warnte derweil vor Spaziergängen in Parks und Grünanlagen.

HERMSDORF: Auf der A9 in Thüringen kam es in der Nacht zum Donnerstag zu einem zeitweise rund 50 Kilometer langen Stau. Die Fahrer Dutzender Lastwagen mussten die Nacht in ihren Fahrzeugen auf der Autobahn verbringen. Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks und des Deutschen Roten Kreuzes verteilten warme Decken und heiße Getränke. Der Stau löste sich am Donnerstag auch deshalb nur zögerlich auf, weil viele Fahrer erst hätten geweckt werden mussten.

ULM: Auch auf der A8 saßen in der Nacht zu Donnerstag Hunderte Lastwagen- und Autofahrer wegen Schneefalls und Glätte fest. Der Verkehr sei dadurch zwischen Ulm und Nellingen in Baden-Württemberg auf einer Länge von etwa 35 Kilometern zum Erliegen gekommen. In dem stockenden Verkehr starb bei Dornstadt eine 54 Jahre alte Autofahrerin. Sie stand Polizeiangaben zufolge in dem Stau und saß allein in ihrem Fahrzeug. Die Todesursache werde geklärt, sagte ein Polizeisprecher. Ein Verbrechen schließe die Polizei aus.

CHEMNITZ: In der sächsischen Stadt finden bis zum 14. Januar aus Sicherheitsgründen keine Beerdigungen auf dem Städtischen Friedhof statt. Alle bis Montag geplanten Beisetzungen wurden abgesagt. Wegen der hohen Schneebruchgefahr bleibe der Friedhof vorerst geschlossen.

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