Sie sind hier:

Winzer mit hohen Erwartungen - "Mit Sicherheit ein Jahrhundertjahrgang"

Datum:

Die eigentliche Stärke der deutschen Winzer ist der Weißwein. Doch dieses Jahr könnte alles - der Hitze geschuldet - ganz anders kommen. Die Lese hat begonnen.

Weintrauben der Sorte Regent hängen an einem Rebstock, aufgenommen am 01.08.2018 in Werfer (Deutschland)
Dieses Jahr die Hoffnungsträger der Winzer: Rotwein-Trauben
Quelle: dpa

Süß, warm und verheißungsvoll sind die Trauben. Vielleicht sogar zu süß. Mit dem bislang frühesten Beginn der Weinlese am Montag wächst bei allen Winzern in Deutschland die Sorge, dass dann der Alkoholgehalt steigt. Viel Zucker wird in der Gärung zu viel Alkohol, daher sind die Weine aus Italien oder Spanien auch besonders schwer. Die Stärke der 13 Anbaugebiete in Deutschland aber ist der leichte Weißwein.

Bei der Lese der ersten Trauben für den Federweißen, den noch gärenden frischen Wein, drückt Winzer Mathias Wolf in Lörzweiler bei Mainz die Trauben mit der Faust aus, lässt den Saft in die Öffnung des Refraktometers laufen. 96 Grad Oechsle zeigt das Gerät für die Messung des Mostgewichts an, also für die Menge des Zuckergehalts im Traubensaft - nochmal fünf Grad mehr als vor einer Woche. "80 Grad hätten mir auch gereicht", sagt Wolf. Bei mehr als 100 Grad Oechsle steige der Alkoholgehalt auf 13 oder 14 Grad Volumenprozent.

Schwere Rotweine vom Rhein?

Wenn es immer wärmere Sommer in Deutschland gibt, so die Einschätzung der Winzer, könne es auch am Rhein schwere Rotweine geben. "Beim roten Wein wird mit Sicherheit ein Jahrhundertjahrgang herauskommen", sagt der Präsident des Weinbauverbands Rheinhessen, Ingo Steitz. Zuversichtlich zeigt sich auch Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut im ZDF-Mittagsmagazin: "In diesem Jahr werden wir sicherlich einen schönen, vollreifen Jahrgang bekommen."

Mit Blick auf den Klimawandel hat Winzer Wolf seine Liebe für die spät reifende Rebsorte Syrah (auch Shiraz genannt) entdeckt. Andere pflanzen deswegen vermehrt Spätburgunder oder Merlot an.

In allen 13 deutschen Weinanbaugebieten beginnt die Lese nach dem langen und warmen Sommer etwa drei Wochen früher als sonst. Selbst im nördlichsten deutschen Anbaugebiet Saale-Unstrut werde die Hauptlese bei Rebsorten wie Müller-Thurgau schon Ende August beginnen, erwartet das Deutsche Weininstitut. Der Riesling dürfte dann Mitte September folgen. 

Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut rechnet angesichts des Wetters mit "einem sehr schönen Rotweinjahrgang." Beim Weißwein aber hoffen die Winzer "auf sehr baldigen Regen, damit die Wasserspeicher aufgefüllt werden."

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Leichte Trockenschäden

"Die Sonne knallt voll drauf", sagt Winzertochter Selina Wolf, die in Geisenheim im Rheingau internationale Weinwirtschaft studiert. Einige Trauben der Solaris-Reben im Lörzweiler Hohberg zeigen leichte Trockenschäden. "Das wird ein gutes Jahr für die Trockenbeerenauslese", sagt die 24-Jährige. 

Mit einem leisen Plopp fallen die Trauben in den Eimer. Die Parzelle in Lörzweiler hat Südlage, der Blick weitet sich vom Rheintal bis zum Donnersberg, wo die Pfalz beginnt, das nach Rheinhessen zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet. Sieben Familienmitglieder und Freunde sind am ersten Erntetag im Einsatz. 

Markt ist bereit

Schnell ist der Maischewagen hinter dem Traktor gefüllt. Winzer Wolf ist besonders auf den Ertrag gespannt, der dann aus der Kelter in den Tank fließt. "Ich bin noch skeptisch, irgendwo müssen sich ja die Folgen der Trockenheit zeigen." Aber dann ist die Wanne nach dem ersten Keltern fast voll, mit rund 900 Litern Most. "Das geht dann in Richtung eines Hektarertrags von etwa 8.000 Litern", sagt Winzer Wolf. Im zurückliegenden Jahrzehnt lag der durchschnittliche Hektarertrag aller deutschen Anbaugebiete bei 9.100 Litern.

"Wie es mit dem Weißwein wird, das muss man jetzt mal sehen", sagt auch Büscher vom Deutschen Weininstitut im ZDF. Die Winzer hofften auf einen sehr baldigen Regen, "damit die Wasserspeicher doch noch etwas aufgefüllt werden".

Der Markt sei jedenfalls aufnahmebereit für den neuen Wein. "Die Keller sind gut geräumt", so Büscher. "Die Winzer würden sich über einen normalen Ertrag freuen."

Säure im Fokus

Das Weingut Wolf hat sich auf Federweißer spezialisiert, etwa ein Drittel der Ernte wird für den angegärten neuen Wein verwendet. Nach der Solaris-Ernte - diese Rebsorte hat Sonne schon im Namen - fließen auch Ortega, Huxel und Phoenix in die Federweißer-Produktion.

"Wir werden diesmal mehr auf Säure achten als auf das Mostgewicht", sagt der Präsident des Weinbauverbands Rheinhessen, Ingo Steitz. "Das Jahr 2018 wird für den ganzen deutschen Weinbau als Ausnahmejahr in die Geschichte eingehen."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.